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Blutige Unruhen in Jamaika: Mehr als 60 Tote bei "Krieg" gegen kriminelle Banden

Bei blutigen Auseinandersetzungen um die Entwaffnung einer Drogenbande im Karibikstaat Jamaika sind nach neuen Angaben der Rettungskräfte mehr als 60 Menschen getötet worden. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, wurden 211 Verdächtige festgenommen, darunter auch vier Frauen.

Bei blutigen Auseinandersetzungen um die Entwaffnung einer Drogenbande im Karibikstaat Jamaika sind nach neuen Angaben der Rettungskräfte mehr als 60 Menschen getötet worden. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, wurden 211 Verdächtige festgenommen, darunter auch vier Frauen. Der gesuchte Gangster Christopher "Dudus" Coke wurde indes offenbar noch nicht gefasst.

Nach Angaben des Krankenhauses in Kingston schafften zwei Wagen insgesamt "rund 50" Leichen heran. Ein AFP-Reporter beobachtete zudem einen dritten Truck, der nach Aussage einer Krankenschwester zwölf Leichen geladen hatte. Darunter war auch ein Baby. Die meisten der Opfer waren nach Angaben der Rettungskräfte Zivilisten und Polizisten. Zuvor war von knapp 30 Toten die Rede gewesen. Die Polizei konnte die neuen Opferzahlen zunächst nicht bestätigen. Ob Coke unter den Opfern oder den Festgenommenen war, blieb ebenfalls unklar.

In Jamaika sind derzeit hunderte Polizisten und Streitkräfte auf der Suche nach Coke im Einsatz. Die Polizei hatte am Montag ein Viertel im Stadtteil Tivoli Gardens der Hauptstadt Kingston gestürmt und Barrikaden durchbrochen, die von Anhängern des Gangsters errichtet worden waren. Vize-Polizeichef Glenmore Hinds sprach bereits am Montag (Ortszeit) von einem "Krieg" gegen die Banden. Mehrere mutmaßliche Bandenmitglieder seien im Tivoli-Viertel festgenommen worden.

Während des Einsatzes erschütterten Explosionen das Wohngebiet, Rauchwolken standen über den Dächern. Die Polizeieinheiten traten in Kampfmontur auf, über der Stadt kreisten Hubschrauber. Die Polizei forderte die Einwohner der Hauptstadt auf, in ihren Häusern zu bleiben. Die US-Botschaft stellte bis auf weiteres alle nicht zwingend erforderlichen Dienste ein.

Der jamaikanische Regierungschef Bruce Golding drückte sein "tiefes Bedauern" über den Tod von Sicherheitskräften und "unschuldigen Bürgern" aus. Er versprach, dass die Sicherheitskräfte "Ordnung und Ruhe" in den betroffenen Gebieten wieder herstellen würden.

Die USA wollen Coke den Prozess machen und fordern seine Auslieferung. Das US-Justizministerium bezeichnete ihn als einen der "weltweit gefährlichsten" Drogenbarone. Coke soll seit 1990 einen international agierenden Drogenring namens The Shower Posse anführen, der laut US-Ermittlern Marihuana und Crack vor allem in den Großraum New York liefert. Im August war Coke in den USA angeklagt worden. Im Falle einer Auslieferung und Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haftstrafe. Coke hat in Jamaika jedoch zahlreiche Unterstützer.

AFP / AFP