HOME

Brasilien vor Präsidentenwahl: Dilma Rousseff führt die Umfragen an

Es sind nur noch zwei Tage bis zur Präsidentenwahl in Brasilien. In Umfragen deutet sich ein Sieg von Amtsinhaberin Dilma Rousseff an. Experten rechnen jedoch mit einer Stichwahl drei Wochen später.

Zwei Tage vor der Präsidentenwahl in Brasilien deutet sich Umfragen zufolge ein Sieg von Amtsinhaberin Dilma Rousseff an. In jüngsten Erhebungen konnte die Tochter eines bulgarischen Einwanderers im direkten Vergleich mit der Konkurrentin und ehemaligen Umweltaktivistin Marina Silva ihren Vorsprung auf 16 Prozentpunkte ausbauen. Dennoch ist eine Stichwahl wahrscheinlich, da im ersten Wahlgang an diesem Sonntag nicht mit einer ausreichenden Mehrheit für einen der drei Kandidaten gerechnet wird. Als chancenlos gilt der Wettbewerber der Zentristen, Aecio Neves.

Sollte die seit 2010 amtierende Rousseff bestätigt werden, wäre ihr eine spektakuläre Aufholjagd gelungen. Noch vor wenigen Wochen hatte Silva in Umfragen nicht nur gute Chancen, Rousseff im ersten Wahlgang mit einigen Prozentpunkten Vorsprung zu besiegen. Auch bei einer Stichwahl lag sie demnach vorn.

Proteste gegen Rousseff im Sommer

Noch im Sommer hatte sich die linksgerichtete Rousseff den massiven Unmut vieler Brasilianer zugezogen. In den Metropolen wie Sao Paulo oder Rio de Janeiro protestierten Zehntausende gegen eine stagnierende Wirtschaft, Korruption und ungenügende staatliche Einrichtungen. Viele Brasilianer trieb der Ärger über ein mangelhaftes Gesundheitssystem und schlechte Schulen auf die Straßen.

Dazu kamen gestiegene Lebensmittelpreise, eine unzuverlässige Energieversorgung und die Angst vor Arbeitslosigkeit. In einer Umfrage wünschten sich zwei Drittel der Befragten einen politischen Wechsel.

Der Schub, den sich Rousseff von der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land erwartet hatte, blieb zunächst aus. Auf den Wunsch nach Veränderung in der Bevölkerung reagierte die Präsidentin mit einer Kampagne unter dem Slogan: "Mehr Wandel, mehr Zukunft". Ein neues Kabinett hat sie bereits angekündigt. Allerdings ist es für Rousseff nicht leicht, den Status quo zu kritisieren, da ihre Arbeiterpartei seit zwölf Jahren das Staatsoberhaupt stellt.

Ergebnis erst nach dem 26. Oktober

Rousseff hat auch die Wirtschaft gegen sich. Investoren beklagen sich heftig über Maßnahmen, die den Einfluss von Minderheiten unter den Aktionären halbstaatlicher Firmen beschnitten. Zudem stieß bei Investoren schlecht auf, dass Rousseff mit Anreizen die Konjunktur ankurbeln wollte, anstatt auf strukturelle Reformen zu setzen. Umfragen, die die Präsidentin vorne sehen, schlagen auf Indikatoren durch. Am Montag fiel die Landeswährung Real nach der Veröffentlichung jüngster Erhebungen auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2008. Der brasilianische Börsenindex BVSP verzeichnete den größten Tagesverlust seit drei Jahren.

Ihre Gegenkandidatin Silva hatte ihre Kandidatur erst im August nach dem Unfalltod des Präsidentschaftsbewerbers Eduardo Campos bekanntgegeben. Zuvor war sie von ihm für das Amt der Vizepräsidentin aufgestellt worden. Beobachter bescheinigen ihr eine Entwicklung weg von linken Positionen hin zur politischen Mitte. Sie gilt als pragmatisch und kompromissbereit. Nach Stationen in drei anderen Parteien tritt sie nun für die Sozialistische Partei Brasiliens an. Zu ihrem Wahlprogramm zählt der Ausbau von sozialer Leistungen, aber auch das Kürzen staatlicher Ausgaben. Wer von beiden Frauen die Zukunft Brasiliens bestimmten wird, wird wahrscheinlich erst nach der Stichwahl am 26. Oktober feststehen.

kis/Reuters / Reuters