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Brexit: Merkel: Brexit ist nicht umkehrbar

Wird die Wirtschaft in der EU einbrechen? In Großbritannien mehren sich Stimmen für ein zweites Referendum. Auf dem EU-Gipfel ist der Brexit Thema Nummer eins. Alles zum Thema im stern-Newsticker.

Brexit unumkehrbar: Bundeskanzlerin Angela Merkel schaut müde drein

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die Realitäten anerkennen, der Brexit ist unumkehrbar

Seit dem Brexit-Referendum ist das Vereinigte Königreich gespalten. Während Königin Elizabeth II. noch auf ein eindeutiges Statement zum Ausgang der Abstimmung warten lässt, schlägt ein britischer Minister schon ein zweites Referendum vor. Lesen Sie alle Nachrichten zum Brexit im stern-Newsticker.

+++ 00.15 Uhr: Merkel: Realitäten zur Kenntnis nehmen +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht keine Möglichkeit, den vom britischen Volk beschlossenen Austritt aus der EU aufzuhalten. Sie sehe "keinen Weg, um dies nochmal umzukehren", sagte sie nach dem EU-Gipfel in Brüssel. Alle täten gut daran, "die Realitäten zur Kenntnis zu nehmen". Es sei "nicht die Stunde von 'whishful thinking'" - also von Wunschdenken. Groll oder Ärger seien aber keine "Kategorien politischen Handelns". Die Gespräche mit dem britischen Premier Cameron seien in "ernster, kameradschaftlicher Atmosphäre" geführt worden.

+++ 20.40 Uhr: EZB-Chef prophezeit geringeres Wirtschaftswachstum +++

Der britische EU-Austritt dürfte nach Einschätzung der EZB die Wirtschaft der Eurozone spürbar treffen. Das Wachstum könnte in den nächsten drei Jahren zusammen um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte geringer ausfallen als bisher angenommen, warnte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, laut Diplomaten während des Brüsseler EU-Gipfels.

+++ 19.12 Uhr: Schottischer Europaabgeordneter begeistert mit emotionaler Rede +++

"Schottland hat euch nicht im Stich gelassen, lasst Schottland jetzt auch nicht im Stich": Diese emotionalen Worte des schottischen Mitglieds des Europaparlaments, Alyn Smith, führten dazu, das die anderen Abgeordneten ihn mit stehenden Ovationen ehrten. Smith betonte in der Ansprache, dass viele Menschen in Schottland, Nordirland, London und auch in Teilen in Wales und England, sich für den Verbleib in der EU entschieden hätten.

Weiter wünsche sich Smith ein europäisches, internationales und kooperatives Schottland. Er appellierte an die anderen Abgeordneten, dass bei den nun folgenden Verhandlungen ein kühler Kopf aber auch ein warmes Herz gewahrt werden solle. Nicht nur im Europaparlament sondern auch in sozialen Medien findet die Rede viele Anhänger.


+++ 18.30 Uhr: Labour-Chef Corbyn will nicht zurücktreten +++

Obwohl ihm die große Mehrheit seiner Fraktion das Vertrauen entzogen hat, will der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn nicht zurücktreten. In einer schriftlichen Erklärung schrieb Corbyn am Dienstag: "Ich wurde von 60 Prozent unserer Parteimitglieder und Unterstützer demokratisch gewählt, um eine neue Politik zu machen. Ich werde sie nicht durch einen Rücktritt verraten". Zudem habe das Votum der Abgeordneten keine rechtliche Grundlage. Corbyn steht seit dem Brexit-Votum unter enormem Druck. Seine Kritiker werfen vor, er habe sich im Wahlkampf vor dem EU-Referendum zu wenig gegen den drohenden Brexit eingesetzt.

+++ 18.16 Uhr: Britische Konservative verschieben Nachfolge-Regelung für Cameron +++

Die Konservative Partei Großbritanniens verschiebt die Benennung des Nachfolgers von Parteichef und Premierminister David Cameron um eine Woche auf den 9. September, so der Parteivorstand. Am Montag hatte ein Ausschuss noch den 2. September als "spätesten" Termin für die Bekanntgabe des neuen Vorsitzenden genannt. Die Bewerbungsfrist für das Amt des Parteichefs soll nach der jüngsten Ankündigung am Mittwoch beginnen und bereits am Donnerstag enden.

+++ 18.06 Uhr: Dax erholt sich etwas von Brexit-Verlusten +++

Die ersten Anleger wagen sich nach der Brexit-Entscheidung in Großbritannien wieder an den deutschen Aktienmarkt zurück. Der Dax hat etwas von seinen massiven Verlusten der vergangenen zwei Handelstage wettgemacht. Zeitweise stieg der deutsche Leitindex um mehr als 3 Prozent. Mit einem Plus von 1,93 Prozent auf 9447,28 Punkte beendete er den Tag. Das deutsche Börsenbarometer hatte den Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union am Freitag und Montag letztlich mit einem Verlust von insgesamt fast 10 Prozent oder 1000 Punkten quittiert. Damit war der Dax auf den tiefsten Stand seit Februar gefallen.

+++ 17.50 Uhr: Labour-Parteichef Corbyn verliert Misstrauensabstimmung in der Fraktion klar +++

Der umstrittene britische Labour-Parteichef Jeremy Corbyn hat eine Misstrauensabstimmung in seiner Fraktion klar verloren. Die Fraktion stimmte am Dienstag mit 172 zu 40 Stimmen gegen den Parteichef. Durch eine Rücktrittswelle in der Partei nach dem Brexit-Referendum hatte Corbyn zuvor bereits mehr als die Hälfte der Mitglieder seines Schattenkabinetts verloren.

+++ 16.35 Uhr: UN besorgt über fremdenfeindliche Übergriffe in Großbritannien +++

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte hat Großbritannien aufgefordert, gegen fremdenfeindliche Übergriffe nach dem Brexit-Referendum vorzugehen. "Ich bin zutiefst besorgt über Berichte, wonach in den letzten Tagen Angehörige von Minderheiten und ausländische Bürger angegriffen und beleidigt wurden", erklärt Said Raad A-Hussein in Genf. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit dürften unter keinen Umständen einfach hingenommen werden. Die britischen Behörden müssten die Täter zur Verantwortung ziehen. Aus Großbritannien wurden mehrfach fremdenfeindliche Pöbeleien gemeldet. So soll ein polnisches Kulturzentrum in London mit Parolen beschmiert worden sein, zudem tauchten fremdenfeindliche Flugblätter auf.

+++ 16.10 Uhr: Sturgeon will Schottlands Platz in der EU verteidigen +++

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon ist nach dem Brexit-Votum der Briten entschlossen, Schottlands Platz in der EU zu verteidigen. Sie werde am Mittwoch nach Brüssel reisen und dort Gespräche mit den Spitzen des EU-Parlaments führen, sagte sie am Dienstag im schottischen Parlament. Sie sei "vollkommen entschlossen", Schottlands Beziehung zur EU und seinen Platz in dem Staatenbund zu bewahren.

+++ 15.53 Uhr: Obama warnt nach Brexit-Votum vor "Hysterie" +++

US-Präsident Barack Obama warnt nach der Entscheidung der Briten für einen Ausstieg aus der EU vor einer weltweiten "Hysterie". Er erwarte keine "verhängnisvollen Veränderungen" als Folge des Votums. Die Konsequenzen des Referendums sollten "nicht überbewertet" werden. Obama hatte bei einem Besuch in Großbritannien im April nachdrücklich für den Verbleib des Landes in der Europäischen Union geworben. Er warnte die Briten damals, dass ihr Einfluss in der Weltpolitik bei einem Austritt schwinden würde.

+++ 15.45 Uhr: Schulz: Rückzieher der Briten sollte nicht ausgeschlossen werden +++

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat sich dafür ausgesprochen, den Briten im Zweifelsfall einen Rückzieher von ihrer Brexit-Entscheidung zu ermöglichen. Wenn das Vereinigte Königreich zu anderen Erkenntnissen komme oder die Menschen noch einmal nachdenken wollten, sollte "das ganz sicher unterstützt werden", so der SPD-Politiker am Dienstag kurz vor dem Start des EU-Gipfels in Brüssel. Schulz machte allerdings auch klar, dass deswegen nicht der Start der Austrittsverhandlungen hinausgezögert werden dürfe. Unter anderem wegen der langfristigen Finanzplanung der EU sei keine Zeit zu verlieren.

+++ 15.32 Uhr: Gabriel: EU-Verbleib der Briten nicht mehr möglich +++

SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel sieht keine Grundlage für Spekulationen, ein EU-Austritt Großbritanniens könne doch noch abgewendet werden. Die Briten hätten in einem demokratischen Votum den Brexit entschieden, "jetzt geht es nur noch um die Frage, in welcher Weise sie rausgehen", so Gabriel bei einem Treffen der europäischen Sozialdemokraten vor dem EU-Gipfel in Brüssel. "Es gibt nicht die Möglichkeit, dass man in einer längeren Übergangsphase bessere Bedingungen herausverhandeln kann, um dann am Ende wohl doch noch drin zu bleiben. Das geht nicht."

+++ 15.15 Uhr: Tories und Labour ringen nach Brexit-Votum um ihre künftige Linie +++

Nach dem Brexit-Referendum ringen die beiden führenden Parteien Großbritanniens weiter um ihre künftige Ausrichtung und das Vorgehen beim Austritt aus der EU. Die konservativen Tories diskutieren über die Nachfolge von Premierminister David Cameron, die Fraktion der oppositionellen Labour-Partei setzte für den Nachmittag ein Misstrauensvotum gegen Parteichef Jeremy Corbyn an. Auch Forderungen nach einem zweiten Referendum schlugen in London Wellen.

Der britische Finanzminister George Osborne, lange als Camerons Nachfolger gehandelt, kündigte an, sich nicht um die Führung der Tories und damit das Amt des Premierministers zu bewerben. Er habe "hart" für einen Verbleib in der EU geworben, schreibt Osborne in der "Times". Obwohl er das Ergebnis des Referendums akzeptiere, sei er daher "nicht die Person, die der Partei die Einigkeit geben kann, die sie braucht."

+++ 14.47 Uhr: Nigel Farage triumphiert im Europaparlament: "Jetzt lachen Sie nicht mehr" +++

Farage kostet seinen Sieg vor dem Europaparlament aus. "Ist es nicht lustig?", mit den Worten beginnt der Ukip-Chef seine Rede bei einer Sondersitzung des Parlaments. Zu Beginn seiner Zeit in Brüssel sei er von den anderen Abgeordneten noch ausgelacht worden. "Jetzt lachen Sie nicht mehr", triumphiert Farage. Er hatte als EU-Abgeordneter seit Jahren für den Austritt aus der Union geworben. Als er vor 17 Jahren nach Brüssel gekommen sei und sich an die Spitze der Anti-EU-Bewegung gestellt habe, "haben Sie alle über mich gelacht", sagt Farage - und wird von den anderen Abgeordneten ausgebuht. Nun hätten sich "die kleinen Leute" aber den Konzernen, den Banken und den Politikern entgegengestellt und gesagt: "Wir wollen unser Land zurückhaben", erklärte Farage. 

+++ 13.50 Uhr: EU-Gipfelchef Tusk will weiteres Treffen ohne Briten +++

EU-Ratschef Donald Tusk will für September ein weiteres "informelles Treffen" der Staats- und Regierungschefs zur Zukunft der EU einberufen - und zwar wieder ohne Großbritannien. Er wolle dies vorschlagen, wenn sich die Spitzenvertreter der 27 anderen EU-Staaten ohne Großbritannien treffen. Tagungsort könne die slowakische Hauptstadt Bratislava sein. Das Land hat ab Juli turnusgemäß den rotierenden Vorsitz der EU-Staaten inne. Tusks Umfeld bestätigt ausdrücklich, dass das September-Treffen zu 27 und damit ohne Briten geplant ist.

Tusk betonte, es sei an Großbritannien, die Trennung von der Europäischen Union einzuleiten. Dies sei im europäischen Recht so vorgesehen. "Europa ist bereit, den Scheidungsprozess sogar heute zu beginnen", so Tusk., Er räumt aber ein: "Wir müssen geduldig sein." Die britische Regierung spielt auf Zeit. Wann London das Austrittsgesuch offiziell einreicht, ist derzeit unklar.

+++ 13.30 Uhr: Juncker vermeidet Englisch in Parlamentsansprache +++

In einer Aussprache des Europaparlaments zum Brexit-Votum hat EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker anders als sonst kein Englisch gesprochen. In der Regel hält Juncker zumindest einen Teil seiner Parlamentsansprachen auch in dieser EU-Amtssprache. Bei der Parlamentssondersitzung in Brüssel sprach er jedoch lediglich Deutsch und Französisch. Nur an den rechtspopulistischen Brexit-Wortführer Nigel Farage wendet er sich einmal in der Sprache des Vereinigten Königreichs: "Ich bin überrascht, dass Sie hier sind. Sie haben für den Austritt gekämpft, die Bürger haben dafür gestimmt", so Juncker. "Warum sind Sie hier?"

+++ 12.14 Uhr: Brexit-Befürworter Farage will auf Handel mit EU nicht verzichten +++

Rechtspopulist Nigel Farage will auch nach einem EU-Austritt Großbritanniens auf Handelsbeziehungen mit der EU nicht verzichten. Im Europaparlament wirbt der Brite für ein Freihandelsabkommen. "Wir werden mit Euch Handel treiben, wir werden mit Euch kooperieren", sagt der EU-Abgeordnete. "Wir werden Euer bester Freund auf der Welt sein." Farage schickt aber eine Warnung hinterher: Sollte es eine solche Vereinbarung nicht geben, wären die Konsequenzen für die EU viel schlimmer als für sein Land. Der Chef der rechtspopulistischen Ukip-Partei wird mehrfach von Pfiffen und Buhrufen aus dem Brüsseler Plenum unterbrochen. Parlamentspräsident Martin Schulz muss die Abgeordneten zur Ruhe rufen: "Sie benehmen sich gerade so, wie sich normalerweise die Ukip benimmt."

+++ 11.47 Uhr: Grüne warnen vor deutscher EU-Dominanz +++

Die Grünen warnen vor einer deutschen Dominanz in der EU. Sie wolle keine EU, in der nur Deutschland gewinnen könne, wenn Europa verliere, sagt Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt in der Sondersitzung des Bundestages. "Ein starkes Deutschland ist es, wenn in Deutschland europäisch gesprochen wird und nicht, wenn in Europa deutsch gesprochen wird." Die Bundesregierung müsse damit aufhören, mit Kerneuropa den anderen Vorgaben zu machen: "Wir sind jetzt ein Europa der 27."

+++ 11.39 Uhr: Britischer Europastaatsminister schließt zweites Brexit-Referendum aus +++

Der britische Europastaatsminister David Lidington schließt ein zweites Referendum zum Austritt Großbritanniens aus der EU aus. "Ich denke nicht, dass das korrekt wäre", sagt Lidington im Interview mit der polnischen Zeitung "Rzeczpospolita" zu entsprechenden Forderungen. "In einer Demokratie muss man Wahlergebnisse respektieren und sich ihnen unterwerfen", fügt der konservative Politiker hinzu.

+++ 11.36 Uhr: Britischer Finanzminister rechnet mit Steuererhöhungen +++

Der britische Finanzminister George Osborne kündigt Steuererhöhungen für Großbritannien an. Im BBC-Radio sagt er, die Regierung werde einschneidende Schritte zur Sicherung der Finanzstabilität ergreifen müssen, um die Folgen des Votums für den EU-Austritt zu bewältigen. Auf die Frage, ob das auch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen einschließe, antwortete er: "Ja, absolut".

+++ 11.08 Uhr: Merkel: Keine Rosinenpickerei bei EU-Austritts-Verhandlungen +++

Bei Verhandlungen über einen EU-Austritt kann Großbritannien aus Merkels Sicht keine Sonderbehandlung erwarten. "Es muss und es wird einen spürbaren Unterschied machen, ob ein Land Mitglied der Familie der Europäischen Union sein möchte oder nicht", sagt Merkel in ihrer Regierungserklärung. "Wir werden sicherstellen, dass die Verhandlungen nicht nach dem Prinzip der Rosinenpickerei geführt werden." Wer aus der Familie der EU austreten wolle, könne nicht erwarten, dass alle Pflichten entfielen, die Privilegien aber bestehen blieben. So müssten für einen freien Zugang zum EU-Binnenmarkt die Grundfreiheiten wie die Freizügigkeit akzeptiert werden. 

Merkel betont zugleich, dass London nach einem Austritt ein wichtiger Partner etwa in der Nato bleiben werde. Die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebauten deutsch-britischen Beziehungen würden in aller Freundschaft weitergeführt. Dies stehe aber in keinem Widerspruch dazu, dass Deutschland und die EU Verhandlungen auf Grundlage ihrer eigenen Interessen führen wollten. 

+++ 11.01 Uhr: Merkel warnt vor Spaltung Europas +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert Geschlossenheit der verbleibenden 27 EU-Mitgliedstaaten. "Es gilt jetzt nach vorne zu schauen und alles daran zu setzen, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und anschließend alle notwendigen Entscheidungen zu treffen", sagt Merkel im Bundestag in einer Regierungerklärung zum britischen Brexit-Referendum. Jeder Vorschlag, der die EU der 27 als Ganzes aus dieser Krise führen könne, sei willkommen. "Jeder Vorschlag, der dagegen die Fliehkräfte stärkt, die Europa schon so sehr strapazieren, hätte unabsehbare Folgen für uns alle. Er würde Europa weiter spalten", sagt Merkel in der Sondersitzung des Parlaments. Sie werde sich dafür einsetzen, das zu verhindern. "Ich sehe gute Möglichkeiten, dass uns das gelingen kann."

+++ 10.57 Uhr: Juncker fordert von London schnelle Einleitung von Austrittsprozess +++

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker fordert Großbritannien auf, so schnell wie mögilch den Austritt aus der EU offiziell zu erklären. "Ich möchte, dass das Vereinigte Königreich seine Position klarstellt", sagt Juncker. Denn Europa könne sich keine "längere Phase der Unsicherheit" leisten.

+++ 10.15 Uhr: Farage verspricht Neuseeland nach Brexit besseren Handel  +++

Nigel Farage stellt Neuseeland bessere Handelsbeziehungen nach einem EU-Austritt Großbritanniens in Aussicht. Farage ist Parteichef der rechtspopulistischen UKIP und Brexit-Wortführer. Für Neuseeland ist die EU ist nach Australien und China drittgrößter Handelspartner. Das kleine Land im Pazifik mit seinen 4,5 Millionen Einwohnern gehört auch zur Organisation Commonwealth, die die ehemaligen britischen Kolonien vereint. Dass Großbritannien sich 1973 dem EU-Vorläufer Europäische Wirtschaftsgemeinschaft angeschlossen habe, sei ein Fehler gewesen, meinte Farage. "Ich entschuldige mich bei jedem Neuseeländer für das, was die Generation meiner Eltern getan hat", sagt er dem Radiosender Newstalk ZB. Großbritannien habe Neuseeland damit den Rücken gekehrt. Das werde nach einem Austritt aus der EU rückgängig gemacht. "Jetzt können wir mit euch reden und eine vernünftige, bessere Handelsbeziehung aufbauen."


+++ 9.58 Uhr: Börse erholt sich +++

Nach heftigen Verlusten durch das Brexit-Votum drehen die europäischen Börsen wieder ins Plus. Der Deutsche Aktienindex (Dax) legt zum Handelsbeginn um 2,1 Prozent. Der Leitindex FTSE 100 an der Londoner Börse kletterte um zwei Prozent nach oben. Die Pariser Börse lag zum Auftakt des neuen Handelstags knapp 2,3 Prozent im Plus. An der Börse von Mailand legten die Kurse mehr als drei Prozent zu. Die Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union hatte den europäischen Börsen am Freitag und Montag kräftige Verluste beschert. Allein der Dax büßte zehn Prozent an Wert ein und verlor fast 1000 Punkte. Heute Morgen lag er bei knapp 9470 Punkten. 

+++ 9.03 Uhr: Voßkuhle will Europäische Union "von unten" bauen lassen +++

Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, hat als Konsequenz aus dem Brexit mehr Rücksicht auf die Bevölkerung gefordert. "Wir können daran erkennen, dass wir die Europäische Union auch von unten bauen müssen", sagte Voßkuhle der Bielefelder "Neuen Westfälischen" vom Dienstag. Nur dann bekämen die Bürger das Gefühl, dass die EU ihre Institution ist und ihre Interessen vertritt. Voßkuhle sagte, die Menschen müssten für Europa begeistert werden. "Dazu müssen sie das Gefühl - und ich benutze diesen Begriff ganz bewusst - bekommen, dass sie auf die Entscheidungsprozesse in Europa in irgendeiner Form Einfluss nehmen können." Es müsse sicher gestellt werden, dass die Menschen sich nicht einer fernen Gewalt ausgesetzt fühlen, die sie nicht beeinflussen können.

+++ 8.29 Uhr: Federica Mogherini: "Die EU ist und bleibt eine fundamentale Macht in der Welt" +++

Der Austritt Großbritanniens wird nach Ansicht der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini nicht zu einem Machtverlust der EU führen. "Die EU ist und bleibt eine fundamentale Macht in der Welt - wirtschaftlich, aber auch in der Entwicklungshilfe, bei der Sicherheit, in der Diplomatie und der Verteidigung", sagte Mogherini der "Süddeutschen Zeitung". Großbritannien habe zwar "großen Anteil" an Entwicklungshilfe, Verteidigung und Diplomatie. "Aber es ist trotzdem nur ein Staat von 28. 27 bleiben. Die EU bleibt", sagte die europäische Chefdiplomatin. Großbritannien werde durch einen Austritt mehr verlieren als die EU. "Es verliert die Möglichkeit, die Entscheidungen einer der zwei, drei größten Mächte der Welt mitzugestalten. "Auch das Vereinigte Königreich ist in dieser Welt nur ein mittelgroßes Land", sagte die Italienerin. Die EU müsse sich nach dem Brexit-Votum der Briten ihrer Stärken und ihres Nutzens bewusst werden. Das Referendum könne dafür ein "Weckruf" sein.


+++ 7.49 Uhr: Britischer Finanzminister will nicht Cameron-Nachfolger werden +++

Der britische Finanzminister George Osborne will sich nicht um die Nachfolge von Premierminister David Cameron bewerben. Er sei nicht der Richtige, um die konservativen Tories zu führen, weil er für einen Verbleib in der EU geworben habe, schreibt Osborne in der "Times". Obwohl er das Ergebnis des Referendums akzeptiere, sei er "nicht die Person, die der Partei die Einigkeit geben kann, die sie braucht." "Ich habe beim Kampf für die Referendums-Kampagne alles gegeben", schreibt Osborne in dem Beitrag. "Ich habe an die Sache geglaubt und hart dafür gekämpft."

Cameron hatte nach dem Brexit-Votum seinen Rücktritt als Partei- und Regierungschef angekündigt. Sein Nachfolger soll bis Anfang September bestimmt werden. Als Favoriten gelten der frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson und Innenministerin Theresa May. Johnson war einer der Wortführer des Brexit-Lagers. May hatte für den Verbleib in der EU geworben, aber keine prominente Rolle in der Kampagne gespielt.

+++ 7.16 Uhr: Queen Elizabeth II. bleibt gefasst +++

Im ihrem Königreich geht es seit dem Brexit-Votum drunter und drüber - Elizabeth II. bewahrt die Fassung. "Jedenfalls bin ich noch am Leben, ha!", erwidert die britische Königin auf die Frage, ob es ihr gut gehe. Die Antwort der 90-Jährigen hörte sich an wie ein Stoßseufzer, allerdings war unklar, ob Elizabeth dabei ihre Gesundheit oder auch den Zustand ihres Landes nach dem Referendum im Sinn hatte. Offiziell hat sich die Königin bislang nicht zu dem Votum für einen EU-Austritt geäußert, welches Großbritannien in politische und wirtschaftliche Turbulenzen gestürzt hatte. Aus der Tagespolitik hält sich Elizabeth II. heraus, sie ist in Großbritannien nicht Aufgabe des Monarchen.

Bei ihrem Besuch in Nordirland, das mehrheitlich für einen Verbleib in der EU gestimmt hatte, traf die Königin Vize-Regierungschef Martin McGuinness zu einem vertraulichen Gespräch. McGuinness ließ danach offen, ob auch das Referendum thematisiert wurde. "Wir haben über vieles gesprochen, ich werde aber nichts verraten", sagte er nur.

+++ 5.33 Uhr: EU-Konservative nehmen Cameron vor Gipfel in die Pflicht +++

Nach dem Nein der Briten zu Europa nehmen die Konservativen und Christdemokraten im EU-Parlament den scheidenden britischen Premier David Cameron in die Pflicht. "Von Premier Cameron erwarten wir, dass er beim Gipfel Klarheit schafft, wie es nach dem Referendum weitergehen soll", sagt der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei, Manfred Weber, der Deutschen Presse-Agentur. Der Gipfel beginnt heute Nachmittag in Brüssel. Zuvor kommt das Europaparlament zu einer Sondersitzung zusammen.

"Er (Cameron) hat die Pflicht dafür zu sorgen, dass für sein Land und Europa keine Phase der Unsicherheit eintritt", so Weber. Die Staats- und Regierungschefs der verbleibenden 27 Staaten müssten bei dem zweitägigen Spitzentreffen "ein Signal der Besonnenheit, Geschlossenheit und Stärke" geben. Weber kritisiert das von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier initiierte Ministertreffen der sechs Gründerstaaten vom Samstag: "Wir brauchen jetzt keine elitären Zirkel, sondern den Zusammenhalt aller." 

+++ 5.28 Uhr: Britischer Minister regt zweites Referendum an +++

Nach der britischen Volksabstimmung für einen EU-Austritt schlägt der Gesundheitsminister des Landes ein zweites Referendum vor. Darin solle es aber nicht darum gehen, einen Brexit doch noch abzuwenden, schreibt Jeremy Hunt in einem Gastbeitrag für den "Daily Telegraph". Vielmehr müssten die Bedingungen, unter denen Großbritannien die EU verlasse, den Wählern nochmals zur Abstimmung vorgelegt werden. Dies könne entweder in einem weiteren Referendum geschehen oder über das Wahlprogramm seiner konservativen Partei bei den nächsten Parlamentswahlen.

Hunt ist der Zeitung zufolge der erste britische Minister, der sich für ein solches Folge-Referendum ausspricht. Aus seiner Sicht sollte London die Austrittsklausel in Artikel 50 des EU-Vertrags nicht sofort ziehen, weil dann eine zweijährige Verhandlungsfrist beginnen würde, nach deren Ablauf Großbritannien ohne jede Abmachung aus der Union fliegen könnte: "Bevor wir also die Uhr ticken lassen, sollten wir einen Deal aushandeln und ihn dem britischen Volk vorlegen."




jen / DPA / AFP