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Bürgerkrieg in Syrien In Damaskus gehen die Kämpfe weiter


Die Opposition bläst zum Sturm auf die Bastionen des Regimes in Damaskus. Bislang gibt es nur vereinzelte Gefechte. Das Staatsfernsehen zeigt Frauen beim Einkaufen. Aber das Trugbild von Ruhe bekommt Risse.

Die bewaffnete Opposition fordert das Regime von Präsident Baschar al-Assad in Damaskus heraus. In der syrischen Hauptstadt lieferten sich Deserteure am Dienstag Straßenkämpfe mit den Regierungstruppen. In mehreren Vierteln fielen Schüsse. Die oppositionelle Muslimbruderschaft berichtete, Deserteure hätten in der Nacht eine Polizeiwache im Al-Kadam-Viertel angegriffen. Kritisch war die Lage nach Angaben von Aktivisten vor allem im Al-Midan-Viertel, das seit Beginn des Aufstandes zu den Hochburgen der Protestbewegung zählt.

Dort hätten Panzer die Zufahrtstraßen blockiert, hieß es. Die Mitarbeiter der halbamtlichen Tageszeitung "Tishrin" wurden aufgefordert, ihre Büros aus Sicherheitsgründen zu verlassen. Eine Polizeistation in dem Viertel soll von Kämpfern besetzt worden sein. Der Chef der Polizeiwache sei getötetet worden, hieß es.

Regimegegner errichteten in mehreren Vierteln von Damaskus Barrikaden. Eine geplante Jubelkundgebung von Assad-Loyalisten im Stadtzentrum wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. Um den Eindruck zu erwecken, die Lage sei noch unter Kontrolle, strahlte das staatliche Fernsehen mit Musik unterlegte Aufnahmen aus mehreren Vierteln der Hauptstadt aus, die Frauen beim Einkaufen zeigen.

Flüchtlingsstrom aus Syrien reißt nicht ab

Aktivisten meldeten unterdessen, zahlreiche Familien seien nach Angriffen der Armee aus dem Al-Asali-Viertel in Damaskus geflohen. Am Dienstag zählte die Allgemeine Kommission für die Syrische Revolution bis zum Nachmittag insgesamt 18 Tote, darunter zwei Deserteure. Die meisten Opfer habe es in der Provinz Damaskus-Land gegeben, hieß es. Kämpfe wurden aus der Provinz Deir as-Saur gemeldet, die bereits zu einem großen Teil von den Deserteuren der Freien Syrischen Armee kontrolliert wird.

Derweil treibt der Bürgerkrieg immer mehr Flüchtlinge und Deserteure über die Grenze. In der Türkei trafen nach Angaben türkischer Medien binnen 24 Stunden 1200 Syrer ein, unter ihnen ein Brigadegeneral. Damit stieg die Zahl der Flüchtlinge in der Türkei auf rund 43 000.

Das syrische Staatsfernsehen hatte am Montag Bürger auf der Straße im Al-Midan-Viertel in Damaskus interviewt, um zu zeigen, dass die Lage ruhig sei. Doch während der Live-Reportage waren im Hintergrund ständig Schüsse zu hören.

Muslimbrüder hoffen auf schnellen Sturz Assads

Die Muslimbruderschaft hofft, dass die Straßenkämpfe in Damaskus den Niedergang des Regimes von Präsident Baschar al-Assad beschleunigen werden. In einer Erklärung, die von der syrischen Oppositionsgruppe am Dienstag nach einem Treffen in Istanbul veröffentlicht wurde, hieß es: "Die Schlacht unseres Volkes, die im Moment im Herzen der syrischen Hauptstadt tobt, wird bald die Festung des Tyrannen erreichen, der die Schuld trägt an allem, was unserem Volk angetan wird." Die sunnitische Muslimbruderschaft forderte ausdrücklich auch die Christen, Alawiten und Angehörige anderer Minderheiten auf, sich den Anti-Assad-Protesten anzuschließen.

Eine Gruppe syrischer Diplomaten sprach sich nach Angaben der Opposition für einen friedlichen Machtwechsel aus. Eine entsprechende Erklärung im Namen einer Gruppe, die sich "Syrische Diplomaten für den zivilen demokratischen Staat" nennt, veröffentlichte die Website "All4Syria". Darin heißt es: "Wir lehnen jede Form von ausländischer Militärintervention in Syrien ab, egal unter welchem Vorwand." Die Gruppe betont ihre Unterstützung für die Revolution und fordert das Regime auf, sein Scheitern einzugestehen.

Anne-Beatrice Clasmann, DPA DPA

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