VG-Wort Pixel

Bürgerkrieg USA erkennen syrische Opposition an


Noch vor einer Konferenz der Syrien-"Freundesgruppe" erkennen die USA die Opposition als legitime Vertretung des Landes an. Deutschland stockt unterdessen das Budget für Hilfsprojekte auf.

Nach der EU haben auch die USA das syrische Oppositionsbündnis "Nationale Koalition" als "legitime Vertretung des syrischen Volkes" anerkannt. Das sagte US-Präsident Barack Obama am Dienstagabend dem TV-Sender ABC. An diesem Mittwoch kommt die internationale Syrien-"Freundesgruppe" im marokkanischen Marrakesch mit der syrischen Opposition zusammen. Vor dem Treffen kündigte Bundesaußenminister Guido Westerwelle eine Aufstockung der deutschen Hilfen für Opfer des Syrien-Konflikts um 22 Millionen Euro an.

Das Geld soll vor allem Flüchtlingen in Syrien und den Nachbarländern zugutekommen, die jetzt unter dem Winter zu leiden haben. Damit beträgt die humanitäre Hilfe aus Deutschland inzwischen mehr als 90 Millionen Euro. Die Bundesrepublik gehört international zu den größten Geberländern.

Keine militärische Unterstützung - vorerst

Bei dem Treffen in Marrakesch soll die "Nationale Koalition" gegen Machthaber Baschar al Assad diplomatisch aufgewertet werden. Die "Freundesgruppe" aus mehr als hundert Staaten und internationalen Organisationen will das erst im vergangenen Monat gegründete Oppositionsbündnis ebenfalls zur legitimen Vertretung des syrischen Volkes erklären.

Obama sprach von einem "großen Schritt". "Die Anerkennung bedeutet natürlich auch Verantwortung", unterstrich er. Wie ABC unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, gehe mit der Anerkennung nicht die Aufnahme von Waffenlieferungen an die Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al Assad einher. Jedoch sei damit eine Tür in diese Richtung geöffnet worden.

Millionen Syrer auf Hilfe angewiesen

Westerwelle sagte kurz vor Beginn, neben dem politischen Signal der Anerkennung müsse die Opposition auch eine "handfeste Unterstützung ihrer Arbeit und der Menschen in Syrien" bekommen. Das Geld wird insbesondere dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz, dem Welternährungsprogramm und dem UN-Flüchtlingskommissariat für deren Programme zur Verfügung gestellt. Geplant ist auch die Einrichtung eines internationalen Hilfsfonds, mit dem Geld zum Wiederaufbau gesammelt werden soll.

Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass zu Beginn des neuen Jahres etwa vier Millionen Menschen in Syrien auf Hilfe von außerhalb angewiesen sein werden. Mehr als 460.000 Syrer sind bereits in Ausland geflohen, vor allem in Länder wie Jordanien, den Libanon und die Türkei.

200 Tote bei Angriff auf Dorf

Bei einem Angriff auf ein von Alawiten bewohntes Dorf sind laut Opposition bis zu 200 Menschen getötet worden. Eine Reihe von Explosionen habe am Dienstag mehrere Häuser in Akrab zerstört und 125 Menschen verletzt oder getötet, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die genaue Zahl der Opfer blieb unklar, mehrere Aktivisten sprachen aber übereinstimmend von zehn Toten. Sie machten die Armee von Präsident Baschar al Assad für die Angriffe verantwortlich. Er selbst gehört zur Minderheit der Alawiten. Seine Militärkräfte sollen Dorfbewohner als menschliche Schutzschilde missbraucht haben, so der Vorwurf der Rebellen. Es ist der erste Bericht über einen Angriff auf Alawiten dieser Größenordnung im Syrien-Konflikt.

Der seit 20 Monaten andauernde Aufstand gegen Assad wird vor allem von Sunniten getragen, die in Syrien in der Mehrheit sind. In den staatlichen Medien gab es zunächst keine Informationen zu dem Vorfall in Akrab, dessen Hintergründe weitgehend unklar blieben und unabhängig nicht ermittelt werden konnten. Syrien schränkt die Recherchen von Journalisten stark ein.

Ein Aufständischer berichtete in einem Telefoninterview, in dem Dorf werde schon seit vier Tagen gekämpft. Die Ungewissheit rund um den Bericht über den Angriff auf die Alawiten droht eine neue Welle der Gewalt zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen Syriens auszulösen. In der der Region hat es bereits eine Reihe von Berichten über Konflikte zwischen Sunniten und Alawiten gegeben. Die Alawiten sind in überwiegender Zahl solidarisch mit Assad.

swd/DPA/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker