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Washington Was auf Bushs Trauerfeier über Donald Trump gesagt wurde, ohne dessen Namen zu nennen

Bei der Trauerfeier für George H.W. Bush trifft Donald Trump auf seine Vorgänger. Hillary Clinton würdigt Trump keines Blickes. Auch zwischen Ex-Präsident Jimmy Carter und den Trumps findet keine Begrüßung statt. Die Bilder unterstreichen die große Diskrepanz zwischen dem amtierenden und den ehemaligen Präsidenten. Die ehemaligen Präsidenten und First Ladies haben offenbar nicht vergessen, was Donald Trump jedem einzelnen von ihnen bereits an den Kopf geworfen hat.
Tweet Donald Trump: "Natürlich denke ich nicht, dass Jimmy Carter tot ist (...). Ich hatte aber auch während seiner Präsidentschaft nicht gedacht, dass er lebendig ist, so steif!"
Tweet Donald Trump: "Die krumme Hillary Clinton ist die schlimmste und größte Verliererin aller Zeiten."
Tweet Donald Trump: "Erinnert euch daran, dass Bill Clinton Hillary gegen Obama 2008 helfen sollte. Er war schrecklich, hat übel versagt und wurde als Rassist bezeichnet!"
Tweet Donald Trump: "Michelle Obama möchte mit 'Eure Exzellenz' angesprochen werden." Sie ist exzellent darin, Steuergelder für sich selbst auszugeben."
Tweet Donald Trump: "Eine extrem glaubwürdige Quelle hat mir erzählt, dass Obamas Geburtsurkunde eine Fälschung ist."
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Vor der Trauerfeier von George Bush sen. hatte seine Familie versprochen, dass Donald Trump keine Kritik fürchten müsse. Sein Name fiel nicht einmal, doch die Trauerreden konnten auch so als Ohrfeigen für den US-Präsidenten verstanden werden.

Mehr als ein pflichtschuldiges Händeschütteln war nicht drin, als der Präsident der Vereinigten Staaten und seine Frau die National-Kathedrale in Washington betraten. Das Paar kam als letztes, nahm in der ersten Reihe Platz neben seinen Vorgängern Barack und Michelle Obama. Die beiden reichten dem Staatsoberhaupt die Hand hin, wie es Menschen tun, die wissen, dass sie sich nichts zu sagen haben. Trumps Vorvorvorgänger Bill Clinton rührte sich gar nicht, und dessen Frau Hillary, die immer noch vom US-Präsidenten angefeindet wird, ignorierte ihn eisig.

Niemand musste Donald Trumps Namen nennen

Es gibt im Englischen das Bild vom "Elefanten im Raum" – es beschreibt ein für jeden sichtbares Problem, das aber von niemandem angesprochen wird. An diesem Donnerstag, bei der Trauerfeier von Ex-US-Präsident George Bush dem Älteren, war dieser Elefant in Raum der aktuelle Amtsinhaber. Seine Anwesenheit dämpfte spürbar die Laune und obwohl die Familie Bush im Vorfeld ausdrücklich versprochen hatte, in den Reden keine Kritik an Trump anklingen zu lassen, geschah genau das. Ohne aber auch nur einmal seinen Namen zu nennen. Es reichte, in die Vergangenheit zu schauen, um das Unwohlsein des Jetzts zu beschreiben.

George W. Bush, Sohn des Verstorbenen und einer der Nachfolger im Weißen Haus, sagte in einer bewegend bis amüsanten Rede: "Wenn die Geschichtsbücher geschrieben werden, wird es dort heißen, dass George H. W. Bush ein großartiger Präsident der Vereinigten Staaten war. Er zeigte mir, was es bedeutet, ein Präsident zu sein, der mit Integrität dient, mit Mut führt und mit Liebe in seinem Herzen für die Bürger unseres Landes handelt." Integrität, Mut, Liebe im Herzen: Solche Worte mögen zwar übliche Schmeicheleien für verstorbene Staatsoberhäupter sein, aber die meisten in der Kirche konnten sie auch so verstehen: Es sind Eigenschaften, die der derzeitige Amtsinhaber vermissen lässt.

Golf spielt der eine so, der andere so

Auch eine andere Passage aus der Ansprache von Bush junior ließ sich als Fingerzeig auf Donald Trump deuten: "Er hat uns beigebracht, die Tage nicht zu verschwenden – deshalb spielte er auch immer Golf in einem atemberaubenden Tempo. Ich habe mich immer gefragt, warum eigentlich? Meine Vermutung: Er spielte so schnell, damit er rasch zum nächsten Termin kommt und dann ruhen kann. Vollgas und Schlaf – so wurde er geboren." Auch Donald Trump spielt gerne und oft Golf. Seine Kritiker monieren jedoch, dass er über seine Golfwochenenden öfters die Amtsgeschäfte vergisst.

Auch Alan Simpson, ein Freund der Bush-Familie und während der Präsidentschaft von Geoge W. Verkehrsminister, legte Wert auf eine Charakterisierung des Verstorbenen, die geneigte Ohren als das glatte Gegenteil des jetzigen Staatschef verstehen konnten: "Er sagte immer, wenn schwierige Entscheidungen anstehen, geht es um das Land – nicht um mich, nicht um Demokraten und Republikaner, es ist das Land, für das ich kämpfe." Der frühere Premierminister Kanadas, Brian Mulroney, wurde noch deutlicher: "Und ich sage ihnen, als George Bush Präsident der USA war, jedes Regierungsmitglied auf der ganzen Welt wusste, dass sie es mit einem Gentleman zu tun hatten. Ein echter Anführer, jemand, der repräsentativ, entschieden und mutig war."

Trump und Bush in einem Atemzug

All diese Botschaften musste niemand, aber konnte durchaus jeder auch auf die Zustände im Weißen Haus beziehen. Ob der Präsident so genau zugehört hat, ist nicht überliefert. Insgesamt wirkte er ziemlich teilnahmslos. Auf Twitter würdigte er dann Doug Wead, TV-Kommentator und Bushs früherer Assistent, der dessen Rückgrat und seine Durchsetzungsfähigkeit lobte und sagte: "Um moderne Präsidentschaftswahlkämpfe zu gewinnen, müssen Sie lernen - ob sie nun Bush oder Donald Trump heißen - ihren Namen zur Marke zu machen und immer zum Gegenschlag bereit zu sein." Sein Name in einem Zug mit dem verstorbenen George H.W. Bush und Gewaltmetaphern - so etwas hört der Chef des Weißen Hauses gerne.


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