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Sea-Watch-Kapitänin: Carola Rackete: "Wir nehmen die Gesetze als Einzige wirklich genau"

Carola Rackete hält sich nach wie vor an einem geheimen Ort auf, kann sich wegen massiver Drohungen nicht frei bewegen. Im Interview mit dem ZDF spricht die Kapitänin über ihre Situation und ihre Entscheidung, trotz Verbots in Lampedusa anzulegen.

Kapitänin Carola Rackete war unerlaubt mit 40 Migranten an Bord in den Hafen von Lampedusa gefahren. Daraufhin wurde sie zeitweise festgenommen und unter Hausarrest gestellt. Dieser wurde später wieder aufgehoben. Nun hat die 31-Jährige in einem ZDF-Interview über ihre aktuelle Situation und ihre Entscheidung gesprochen. 

Rackete befindet sich weiterhin auf Sizilien an einem geheimen Ort. "Es gab nach meiner Festnahme viele Drohungen gegen mich persönlich, die dann von der Polizei als relativ kritisch eingestuft wurden. Deswegen haben wir beschlossen, meinen Aufenthaltsort weiter nicht zu erwähnen. Juristisch bin ich vollkommen frei nach dem Urteil der Haftrichterin, aber frei bewegen kann ich mich im Moment nicht", erklärte sie im ZDF.

Carola Rackete bereut ihre Entscheidung nicht

Ihre Entscheidung, nach Lampedusa zu fahren, bereut die Kapitänin nach wie vor nicht: "Die Entscheidung war vollkommen richtig. Die Entscheidung hat sich insbesondere auf den Situationsberichten des Ärzteteams begründet, aber auch aufgrund der Aussagen anderer Crewmitglieder, die mit den Flüchtlingen tagtäglich in Kontakt waren. Es hat sich einfach gezeigt, dass die Lage sich so zugespitzt hatte, dass wir für die Sicherheit der Menschen nicht mehr garantieren konnten. Selbstverständlich würde ich wieder genauso handeln, weil das Retten von Menschenleben natürlich viel wichtiger ist als die juristische Verfolgung."

Carola Rackete ist die Kapitänin der Sea Watch 3

Den Vorwurf, dass sie das Seerecht, die Seenotrettung und das Prinzip der sicheren Häfen missbrauchen würde, um Menschen nach Europa zu schmuggeln, weist sie zurück: "Ich denke, dass wir die Gesetzte als Einzige wirklich genau nehmen und nicht einfach die Leute dann irgendwo abladen, sondern uns tatsächlich darüber Gedanken machen, wie wir alle Gesetze zum Schutz dieser Menschen nutzen können."

Warum ihr Fall so stark in der Öffentlichkeit diskutiert wird, erklärt sich Rackete so: "Die Situation hatte sich etwas aufgeschaukelt, da das italienische Innenministerium dieses Gesetz während unserer Reise für dieses Schiff, für diese Situation veröffentlicht hat. Auch der italienische Innenminister hat die Organisation sehr persönlich angegriffen und diese Polarisierung durch seine Rhetorik hervorgerufen." 

Sea-Watch veröffentlicht Video von Rackete

In einer von der Hilfsorganisation Sea-Watch veröffentlichten Videobotschaft hat sich Rackete ebenfalls geäußert. Darin erklärte sie, dass sie in ihrer vorübergehenden Festnahme auch positive Folgen sieht. Durch die große Aufmerksamkeit für ihren Fall seien andere Rettungen von Hilfsorganisationen schneller gelöst worden. So habe zum Beispiel das Schiff "Alan Kurdi" der Regensburger Organisation "Sea-Eye" bei der letzten Rettung Migranten schnell an Malta abgeben können, damit diese dann auf andere EU-Länder verteilt werden. "Dass diese politische Möglichkeit, die für uns (...) ausgeschlossen war, in diesem Fall jetzt möglich war, steht sicher in einem direkten Zusammenhang mit meiner Verhaftung." 

Bei der nächsten Anhörung am 18. Juli wolle sie vor allem darauf dringen, dass das Schiff "Sea-Watch 3" wieder freigelassen wird. Es ist derzeit festgesetzt in Sizilien. Zudem müsse die EU ihre Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache beenden. Libyen sei ein Bürgerkriegsland. Flüchtlinge, die dorthin zurückgebracht werden, seien Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Sea-Watch werde sich nicht entmutigen lassen und weiter auf Mission gehen. "Seenotrettung ist heute genauso nötig wie vor vier Jahren." Es gebe immer wieder tödliche Bootsunglücke. "Es gibt großen Bedarf, dass wir weitermachen." Das Video wurde laut Sea-Watch am Dienstag auf Sizilien aufgenommen.

Quellen: "ZDF"; "Facebook Sea-Watch"; DPA

vit