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Charles Taylor: Eine Biografie voller Blutspuren

Er gilt als einer der Hauptverantwortlichen für die Destabilisierung Westafrikas: Liberias Präsident Charles Taylor. Der Ex-Rebellenführer ist zurzeit der einzige amtierende Staatschef, der von einem UN-Tribunal als Kriegsverbrecher angeklagt ist.

Charles Taylor neigt nicht zu Selbstzweifeln. "Auch Jesus Christus wurde seinerzeit angeklagt, ein Mörder zu sein", sagt der liberianische Präsident, derzeit der einzige amtierende Staatschef, der von einem UN-Tribunal als Kriegsverbrecher angeklagt ist. Der 55-Jährige, der es vom Rebellenführer bis zum Staatschef brachte, gilt in den USA und in Europa als einer der Hauptverantwortlichen für die Destabilisierung ganz Westafrikas.

Wechselvolle Vita

Sein Vater gehörte der elitären Schicht der afro-amerikanischen Liberianer an, die ihre Söhne zum Studium gern in die USA schickten. Mit einem Wirtschaftsdiplom in der Tasche kehrte Tayor 1980 von dort zurück, als Rebellenführer Samuel Doe die Macht übernahm. Taylor erhielt einen Posten, der ihm Zugang zur Staatskasse verschaffte. Er wurde beschuldigt, etwa eine Million Dollar veruntreut zu haben, floh in die USA und wurde dort festgenommen.

Taylor gelang die Flucht aus dem Gefängnis, kehrte in seine Heimat zurück und gründete seine eigene Rebellenbewegung.

Gewaltorgien auf dem Weg zur Macht

1990 wurde Samuel Doe, der als 28-jähriger Armeefeldwebel die neokoloniale Ära mit einem blutigen Militärputsch beendet hatte und gemeinsam mit Taylor das Kabinett erschießen ließ, selbst in einer Gewaltorgie ermordet: Auf Videoaufnahmen sah man, wie Doe nach stundenlangen Folterungen seine eigenen Ohren aufessen musste.

Nach einem siebenjährigen Bürgerkrieg setzte sich Taylor schließlich gegen die übrigen Milizen durch und ließ sich zum Präsidenten wählen. "Er hat meinen Vater und meine Mutter getötet, aber ich wähle ihn trotzdem", lautete eine Aussage, zu der damals viele kriegsmüde Liberianer bereit waren. Die Liberianer wussten, für wen sie sich zu entscheiden hatten: Taylor teilte vor der Wahl mit, die Stimmabgabe sei nur eine "Formalität".

Anklage wegen Unterstützung der Rebellenbewegung

Hintergrund für die Anklage als Kriegsverbrecher ist Taylors Unterstützung der Rebellenbewegung RUF in Sierra Leone. Dies erleichterte ihm den Zugang zu den Diamantenminen in dem Nachbarland. Ein UN-Bericht wirft ihm den Handel mit so genannten Blutdiamanten vor. Vor zwei Jahren verhängte der UN-Sicherheitsrat ein Reiseembargo über Taylor und verbot Liberia den Diamantenhandel.

Seit eine britische Militärintervention den Krieg in Sierra Leone beendete, ist Taylor selbst zur Zielscheibe mehrerer Rebellenbewegungen geworden, die von Guinea und von der Elfenbeinküste aus vordringen. Auf Druck der USA zeigte sich Taylor grundsätzlich bereit, nach Nigeria ins Exil zu gehen.

Die älteste Republik Afrikas

Liberia ist die älteste Republik Afrikas. Sie wurde 1847 von freigelassenen amerikanischen Sklaven ausgerufen. Seit etwas mehr als zwei Jahrzehnten wird das Land am westafrikanischen Golf von Guinea von Willkürherrschaft und Bürgerkrieg geplagt. Rund drei Millionen Menschen leben in Liberia, das mit knapp 98 000 Quadratkilometern etwas kleiner ist als Ostdeutschland. Im Großraum der Hauptstadt Monrovia wohnen mehr als 400 000 Menschen. Eine der wichtigsten Einnahmequelle des Landes ist der Export von Tropenholz. Durch den Verkauf seiner "Billig"-Flagge verfügt Liberia über die zweitgrößte Schiffsflotte der Welt.

Fünf Prozent der Bevölkerung sind Nachfahren der eingewanderten Sklaven (Americo-Liberianer), die bis 1980 den Ton angaben. Dann putschte sich Samuel Doe mit Hilfe des Militärs an die Macht. Korruption und Menschenrechtsverletzungen führten Ende der 80er zu einem blutigen, sieben Jahre andauernden Bürgerkrieg, an dem auch der heutige Präsident Charles Taylor und seine Nationalpatriotische Front (NPFL) beteiligt waren.

UN verlängerten Waffenembargo

Nach der Wahl Taylors zum Präsidenten 1997 kam das Land nur kurz zur Ruhe. Seit 1999 versucht die Rebellenbewegung LURD (Vereinigte Liberianer für Versöhnung und Demokratie), Taylor zu stürzen. Im Mai 2003 verlängerten die UN das Waffenembargo und das Verbot des Diamantenhandels um ein Jahr.