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Die "dreckigen Steine" sind wieder aufgetaucht

1997 hatte Naomi Campbell bei einem Besuch in Südafrika Rohdiamanten geschenkt bekommen und sie sogleich an die Mandela-Stiftung weitergereicht. Deren Chef übergab sie nun der Polizei - er hatte die Steine die ganze Zeit unter Verschluss gehalten. Ihm war wohl klar, dass möglicherweise Blut an ihnen klebt.

Die mutmaßlichen Blutdiamanten, die das britische Topmodel Naomi Campbell von Liberias Ex-Präsident Charles Taylor erhalten haben soll, sind nun im Besitz der südafrikanischen Polizei. Die Steine seien der Polizei am Donnerstag von einem Mitarbeiter der Kinderstiftung des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela übergeben worden, teilte Polizeisprecher Musa Zondi am Freitag in Johannesburg mit. Die Steine würden nun von den Behörden überprüft.

Der Mitarbeiter der Kinderstiftung gab an, die Diamanten von Campbell am 26. September 1997 erhalten zu haben. "Drei kleine ungeschliffene Diamanten wurden mir von Naomi Campbell übergeben" sagte Jeremy Ratcliffe vom Nelson Mandela Children's Fund am Freitag. Das Model habe gewollt, dass die Kinderstiftung die Diamanten nutze. Dass es sich bei den im Luxuszug "Blue Train" in Kapstadt übergebenen Edelsteinen um ein moralisch höchst zweifelhaftes Geschenk handelte, war dem Stiftungschef wohl klar: Er habe die Steine nicht für die Stiftung verwenden wollen, weil er die Gefahr sah, dass er damit gegen südafrikanische Gesetze verstoße, gab Ratcliffe an. "Schließlich habe ich einfach entschieden, sie zu behalten." Er habe niemandem davon erzählt, um das Ansehen der Stiftung sowie das Mandelas und Campbells nicht zu gefährden.

Campbell wollte "irgendetwas Gutes tun"

Am Donnerstag hatte Campbell in Den Haag vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal gegen Taylor bestätigt, vor 13 Jahren ein Diamantengeschenk erhalten zu haben. An dem fraglichen Abend 1997 in Südafrika hatten Taylor und Campbell an einem Benefiz-Dinner auf Einladung Mandelas teilgenommen. Ob die "schmutzig aussehenden Steine" von Taylor stammten, konnte das 40-jährige Mannequin aber nicht eindeutig beantworten. Sie gab in ihrer Zeugenaussage vor dem UN-Sondergericht für Sierra Leone an, die Diamanten an einen Bekannten der Kinderstiftung gegeben zu haben - "um irgendetwas Gutes zu tun".

Die Anklage in Den Haag will mit der Zeugenaussage des Topmodels die Angaben Taylors widerlegen, niemals Rohdiamanten besessen zu haben. Der frühere Präsident Liberias soll während des Bürgerkriegs im Nachbarland Sierra Leone die Rebellengruppe RUF mit Waffen unterstützt und dafür sogenannte Blutdiamanten erhalten haben. Die RUF-Rebellen setzten in dem 2001 beendeten Bürgerkrieg zahlreiche Kindersoldaten ein, plünderten, folterten und mordeten. Schätzungen zufolge wurden in den Jahren des Bürgerkriegs mindestens ein Drittel aller Frauen und Mädchen in Sierra Leone Opfer einer Vergewaltigung.

Dem heute 62-jährigen Taylor werden vor dem Haager Tribunal Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt. Die Anklage vermutet, dass er Rohdiamanten mit nach Südafrika genommen hatte, um damit Waffen zu kaufen.

joe/AFP/DPA/DPA

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