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Ein-Kind-Politik: Warum China wegen fünf Schweinchen auf einer Briefmarke Kopf steht

Eine Schweine-Familie auf einer Briefmarke heizt in China Diskussionen an: Will das Regime mit dem putzigen Motiv eine neue Familien-Politik einläuten? Es wäre nicht das erste Mal.

Die Schweine-Familie könnte eine neue Familien-Politik in China ankündigen

Die Menschen im Reich der Mitte geraten in Wallung. Stein des Anstoßes sind fünf Schweinchen auf einer Briefmarke. Nun schießen die Spekulationen ins Kraut, Peking könnte die Vorschriften in der Familienpolitik lockern. Es wäre nicht das erste Mal, dass das Regime große Veränderungen mit putzigen Tierchen auf Briefmarken propagiert.

Für den westlichen Beobachter bietet sich zunächst ein recht banales Bild: Eine Schweinefamilie mit Vater, Mutter und drei Kindern lachen dem Betrachter an. Laut der Zeitung "China Daily" ist die Briefmarke Teil eines Sets, das am 5. Januar 2019 veröffentlicht werden soll - dann beginnt in China das Jahr des Schweins. Das andere Motiv ist dickes Schwein, das glücklich drauflos rennt. Ein Symbol für Wohlstand. Die Familie soll für Einheit und Glück stehen.

Bereits 2016 bewarb das Regime seine Zwei-Kind-Politik mit Äffchen

Kommentatoren in sozialen Netzwerken wollen aber in der Schweine-Familie mehr erkennen, als einen Feier-Akt für den chinesischen Tierkreis: Peking könnte mit der Briefmarke zu Jahresbeginn eine neue Familienpolitik ausrufen. Statt zwei Kinder sollen es bitte drei sein. Auf der Bloggersite "Sina Weibo" verweisen viele Leser darauf, dass Peking bereits 2016 Marken mit einer Affenmutter und ihren zwei Jungen drucken ließ. Exakt in jenem Jahr, in dem die Regierung ihre langjährige Ein-Kind-Politik beendete. Die Schweine-Familie könnte nun ein Vorzeichen sein, dass weitere Restriktionen fallen.

Chinas Gesellschaft altert rapide

Es wäre ein plausibler Schritt, das Ruder herumzureißen. Denn der Aufruf des Regimes, zwei Kinder zu kriegen, fruchtet nicht so recht. Seit 1979 hatte es den Menschen eingeimpft, nur ein Kind zu bekommen, ansonsten drohten empfindliche Strafen. Das hat sich seit 2016 grundlegend geändert.

Die Gesellschaft Chinas altert rasant. Laut des Senders BBC werden im Jahr 2050 die Hälfte aller 1,3 Chinesen 65 Jahre alt sein. Um die Sozialsysteme aufrecht zu erhalten, müssten jährlich 20 Million Babys geboren werden. Tatsächlich kommen aber nur 17 Millionen Knirpse zur Welt. Die Behörden locken mit Zuwendungen, wenn sich Familien für zwei Kinder entscheiden. Bis lang können sich viele Menschen finanziell nur ein Kind leisten. Das Jahr des Schweins soll vor Prosperität strotzen und damit auch die Geburtenrate ankurbeln, zitiert das "Wallstreet Journal" regimenahe Zeitungen.

Die Behörden wollen nichts kommentieren

Weder die chinesische Post noch die Gesundheitsbehörde wollen sich an diesen Spekulationen beteiligen. Selbst in chinesischen Medien lassen sie sich zu keinem Kommentar hinreißen. Auch der Briefmarken-Zeichner ließ im Wallstreet Journal verlauten, keine politischen Botschaften verbreiten zu wollen.

Manche Beobachter bei Twitter bleiben skeptisch. Bereits 2007 hatte China eine Briefmarke mit einer Wutz und ihren fünf Ferkeln veröffentlicht. Doch mehr Freiheiten sei den Menschen bei der Familien-Planung damals nicht eingeräumt worden.