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Corona-Krise Sprunghafter Anstieg bei Infizierten und Toten: Spanien verschärft noch einmal den Alarmzustand

Coronavirus in Madrid: Mehrere Patienten liegen auf dem Boden im spanischen Krankenhaus




Dieses Video verbreitet sich in den sozialen Netzwerken: Es soll die dramatischen Zustände im Infanta Leonor de Vallecas Krankenhaus in Madrid zeigen.


Die spanische Zeitung "El Mundo" verifiziert die Echtheit der Aufnahme und zitiert das Gesundheitsministerium:


"Es handelt sich um einen bestimmten Moment, der in der Nacht am 20. März aufgrund eines großen Zustroms von Patienten in
der Notaufnahme des Krankenhauses auftrat."


Laut der Zeitung habe sich die Lage vor Ort aber wieder entschärft.


Die Regierung in Madrid hoffe auf eine Entlastung der Krankenhäuser mit der Eröffnung von neuen medizinischen Zentren, in denen Infizierten mit milden Symptomen behandelt werden können.


Die sogenannten "Arche Noah" basieren auf dem chinesischen Eindämmungsmodell.


Spanien ist nach Italien das am stärksten von der Pandemie betroffene Land in Europa. Mehr als 35.000 Menschen wurden mit dem Coronavirus infiziert, über 2300 sind bereits gestorben.
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Spanien verlängert wegen des grassierenden Coronavirus' den Ausnahmezustand. Bis zum 11. April dürfen die Menschen nur im Notfall das Haus verlassen. In Andalusien kommt es bereits zu Ausschreitungen gegen Rentner.

In Spanien liegen die Nerven blank und wer soll es den Menschen verdenken? Doch was am vergangenen Dienstagabend in dem andalusischen Städtchen La Línea de la Concepción vorgefallen ist, erinnert an Lynchjustiz: Rund 30 ältere Corona-Patienten sollten von ihrem Heim aus in Quarantäne verlegt werden. Doch als Krankenwagen die Rentner wegfahren wollten, wurde die Kolonne von quergestellten Fahrzeugen und Barrikaden behindert, Dutzende bewarfen sie mit Steinen.

In der Nacht darauf gab es wieder Auseinandersetzungen, Nachbarn warfen Sprengkörper auf das Wohnheim, Müllcontainer wurden in Brand gesetzt.

Spanien ist nach Italien das am stärksten vom Coronavirus betroffene Land Europas. Trotz Alarmzustands, Ausgangssperren und anderer Maßnahmen zur Verlangsamung der Virus-Ausbreitung überholte Spanien China bei der Zahl der Todesfälle.

Mehr als 3400 Spanier sind an den Folgen der Sars-CoV-2-Infektion gestorben, 48.000 Menschen haben sich angesteckt – fast 8000 mehr als noch am Tag zuvor.

Ausgangssperre verlängert

Um die weitere Verbreitung des Virus zu verlangsamen, müssen die knapp 47 Millionen Bürger nun sogar bis zum 11. April weitgehend zu Hause bleiben. Das Parlament in Madrid billigte einen Antrag der linken Regierung auf Verlängerung des Alarmzustands um weitere zwei Wochen. Im Rahmen dieser dritthöchsten Notstandsstufe ist seit dem 15. März im ganzen Land unter anderem ein strenges Ausgangsverbot in Kraft.

Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach in seiner Rede von einem "Albtraum", der aber "bald vorbei sein" werde. Dafür tue seine Regierung alles. Die Verlängerung des Alarmzustands wurde nach einer elfstündigen Marathonsitzung gegen zwei Uhr morgens ohne Gegenstimmen angenommen. Nur 43 der insgesamt 350 Abgeordneten nahmen an der Debatte und der anschließenden Abstimmung im "Congreso de los Diputados" persönlich teil. 307 zogen es wegen des Virus vor, aus sicherer Ferne die Stimme abzugeben.

Die Behörden hoffen, dass der Krisenhöhepunkt dank der strengen Maßnahmen schon diese Woche erreicht wird. Erlaubt sind derzeit nur Fahrten zur Arbeit, zum Arzt sowie zum Kauf von Lebensmitteln und Medikamenten. Die Bürger dürfen ihr Heim auch verlassen, um Kinder, Ältere und Hilfsbedürftige zu betreuen oder mit dem Hund rauszugehen. Im Gegensatz zu anderen Ländern mit ähnlichen Beschränkungen der Bewegungsfreiheit untersagt Madrid auch Sport oder Spaziergänge im Freien. Es gibt sehr viele Polizeikontrollen, Regelbrechern drohen hohe Geld- oder sogar Haftstrafen.

Regierung in Spanien bittet Nato um Hilfe 

Die Regierung sieht sich sogar gezwungen, offiziell die Nato um Unterstützung zu bitten, sie hat beim Militärbündnis Corona-Test-Sets, Beatmungsgeräte und Schutzmasken angefordert. Auf EU-Ebene werden auch finanzielle Hilfsmaßnahmen diskutiert. Die Staats- und Regierungschefs mehrerer EU-Länder, darunter neben Spanien auch Belgien, Frankreich, Italien und Luxemburg fordern die Einführung von sogenannten Corona-Bonds.

Die Idee dahinter: Mehrere Euro-Länder geben gemeinsam diese Anleihen heraus, damit finanziell angeschlagene Länder von der Bonität stärkerer Staaten wie Deutschland profitieren können. Während die deutschen Grünen den Vorschlag begrüßen, wird er vor allem von der CDU abgelehnt.

nik DPA AFP

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