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Nach Präsidentenwahl Demonstrant in Belarus getötet - neue Proteste gegen Wahlfälschungen

Protest Belarus
Hochgerüstet ging die weißrussische Polizei gegen Demonstranten vor
© Siarhei Leskiec / AFP
Erneut protestieren die Weißrussen gegen die Wahlfälschungen, dabei ist nach Regierungsangaben ein Mensch ums Leben gekommen. Die Polizei in Belarus geht gewaltsam gegen die Demonstranten vor.

Bei regierungskritischen Protesten in Belarus ist nach Regierungsangaben ein Demonstrant getötet worden. Der Mann habe tödliche Verletzungen erlitten, als ein "Sprengsatz" in seinen Händen explodiert sei, erklärte das Innenministerium. Wegen Manipulationsvorwürfen protestieren die Menschen in Belarus (Weißrussland) den zweiten Tag in Folge. In der Hauptstadt Minsk zogen wieder Tausende Menschen ins Zentrum, wie auf Videos in sozialen Netzwerken zu sehen war. Offenbar wurden dabei Kreuzungen blockiert und viele Autos fuhren hupend als Zeichen des Protestes durch Minsk. Viele Menschen klatschten und schwenkten mit ihren Handykameras. Den Berichten zufolge soll dort das Gebäude des Geheimdienstes mit Flaschen und Eiern beworfen worden sein. Immer wieder sind auf Videos beim Nachrichtenkanal Telegram Schreie zu hören, wenn Demonstranten sich gegen ihre Festnahme wehren.

Auf den Bildern ist auch zu sehen, wie Uniformierte mit schwarzen Schutzmasken auf Demonstranten einschlagen haben, die Einsatzkräfte prügelten den Aufnahmen zufolge auch auf friedliche Menschen ein und nahmen augenscheinlich wahllos Bürger auf den Straßen fest - selbst Jugendliche sollen darunter sein. Die Rede war auch davon, dass die Sicherheitskräfte erneut Blendgranaten und Gummigeschosse eingesetzt haben. Augenzeugen berichteten auch von Tränengas.  Über die Zahl der Verletzten war zunächst nichts bekannt. Augenzeugen berichteten von blutüberströmten Menschen.

Überall in Belarus Aufruf zu Protesten

Aufrufe zu Protesten gegen Wahlfälschung gab es auch in anderen Städten des Landes. Auch von dort gab es Berichte, dass Polizisten zentrale Plätze mit Schutzgittern abgesperrt haben. In Brest an der Grenze zu EU-Mitglied Polen sollen Demonstranten Einsatzkräfte mit Flaschen und Feuerwerkskörper attackiert haben.

Zuvor hatte die Wahlleitung der ehemaligen Sowjetrepublik den amtierenden Staatschef Alexander Lukaschenko mit 80 Prozent der Stimmen zum Sieger erklärt. Herausforderin Swetlana Tichanowskaja kam demnach auf nur zehn Prozent. Sie erkennt das Ergebnis nicht an und verlangt eine Neuauszählung der Stimmen.

3000 Festnahmen und viele Verletzte

Den Protesten will sich Tichanowskaja ihrem Wahlkampfstab zufolge zunächst nicht anschließen, um die Polizei nicht zu provozieren. Lukaschenko, der bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert an der Macht ist, regiert das Land zwischen Polen und Russland mit harter Hand. Bereits in der Nacht zum Montag waren landesweit Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen. Es kam zu blutigen Zusammenstößen mit mehr als 3000 Festnahmen und vielen Verletzten.

nik DPA AFP

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