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US-Abgeordnete: Wer ist schuld an Schul-Amokläufen? Pornos, natürlich!

Im Schnitt gibt es in den USA jede Woche eine Schulschießerei. Gründe: Hormonchaos, verkorkste Biografien und: Pornografie - letzteres behauptet ernsthaft eine republikanische Abgeordnete. Eine naheliegendere Ursache verschweigt sie.

Diane Black und Donald Trump

Diane Black und Donald Trump

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Donald Trump hat zu sehr vielen Themen eine Meinung, oft sogar gleich mehrere und das auch nicht erst seit er US-Präsident ist. Nach dem Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule vor sechs Jahren etwa er gab via Twitter kund, dass gewalttätige Videospiele "Monster erschaffen" würden. Die beliebte These, nach der "Killerspiele" zu Amokläufen führten, stimmte schon damals nicht, aber weil sie so schön einfach klingt, ist sie einfach nicht aus der Welt zu schaffen. Trumps Parteikollegin Diane Black ist da schon einen Schritt weiter. Für die Abgeordnete und Krankenschwester aus Tennessee gibt es viele Gründe, aber vor allem: Pornografie.

Verfall der Familien, Gewaltfilme und Pornografie

"Warum sind unsere Kinder so gewalttätig? Was ist da draußen los? Was bringt sie dazu?", fragte die Republikanerin bei einer Pastoren-Anhörung in Clarksville, Tennessee. Und lieferte die Antwort gleich mit: "Als Krankenpflegerin suche ich die Wurzel des Übels und ich glaube dazu gehört der Verfall der Familien, Gewaltfilme und Pornografie." Den exakten Zusammenhang konnte sie allerdings nicht nennen. Nur so viel: "Pornografie ist erhältlich. Man findet sie im Regal im Supermarkt. Ja, man muss sich danach bücken, aber es gibt sie. Sie ist erhältlich ohne elterliche Aufsicht", so Black in der Runde, deren Audiomitschnitt der "Huffington Post" vorliegt.

CNN wollte es genauer wissen und fragte bei Blacks Pressesprecher nach, was genau die Politikerin damit gemeint haben könnte. Dem Sender sagte er: "Ich finde der Zusammenhang liegt auf der Hand. Diane glaubt, dass der Zusammenbruch von Familien und der Gemeinschaften eine entscheidende Rolle bei gewalttätigen Schul-Zwischenfällen spielt." Zumindest die Einschätzung, dass fehlende soziale Bindungen zu Problemen führen können, teilen die meisten Experten.

Die meisten Täter sind Teenager

Die Gründe von Amokläufen an Schulen sind komplex aber recht umfassend erforscht. Verantwortlich sind unter anderem Kränkungserlebnisse, psychosoziale Entwurzelung, manchmal auch psychische Störungen oder kaputte Elternhäuser. Die allermeisten Täter sind pubertierende Jungs und da kommen Ballerspiele und Pornos ins Spiel. Denn zum Leben der meisten männlichen Teenager gehören Ballerspiele und Pornos. Anders gesagt, die meisten jugendlichen Schul-Amokläufer haben vielleicht Sexfilmchen geguckt und den Gangster bei GTA gemacht, aber umgekehrt wird nicht jeder Jugendliche zum Schulschützen.

In diesem Jahr kommt es bislang durchschnittlich einmal pro Woche zu einem Schusswaffenvorfall an einer US-Schule und vor allem konservative Politiker stoßen bei ihrer Ursachenforschung nie so Recht auf eine der entscheidenden Wurzeln dieses Übels. Und wollen es wohl auch nicht: die oft laschen Waffengesetze. Statt damit aufzuhören, Gewehre und Pistolen zu glorifizieren und sie ständig verfügbar zu machen, schieben Abgeordnete wie Diane Black lieber fadenscheinige Gründe wie Pornos oder eine ominöse "Kultur des Todes" (der Gouverneur von Kentucky) vor. Sogar Rockmusik wurde schon als Grund für Amokläufer genannt. Alles böse - außer Knarren.


fin