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Reaktionen auf "Becoming": "Schön, wie Michelle Obama jede Gelegenheit nutzt, ihrem Mann einen mitzugeben"

Für die einen ist es Michelle Obamas Autobiografie "Becoming" ein gutes, berührendes Buch, für die anderen nur Geldmacherei mit Trump-Schelte. Lesen Sie hier die ersten Reaktionen auf den Bestseller.

Michelle Obama

Michelle Obamas neue Autobiografie erscheint am 13. November

Getty Images

Eheprobleme, künstliche Befruchtung, Schulterklopfen mit der Queen und, ja, auch etwas Donald Trump. Michelle Obama, einstige First Lady der USA, hat einiges zu erzählen aus ihrem Leben. Wenig überraschend, dass ihr Buch "Becoming - meine Geschichte" schon jetzt auf der Bestsellerliste ganz oben steht. Der Leser bekommt auf über 420 Seiten alles - von der Schlüsselloch-Perspektive bis zur Polit-Nachhilfe. Dem stern hat sie als einem von nur vier Magazinen außerhalb der USA ein Interview gegeben.

Die ersten Reaktionen auf Michelle Obamas Buch

Das US-Nachrichtenmagazin Vox.com

"Das Schönste an Michelle Obamas Memoiren ist, wie sie jede Gelegenheit nutzt, ihrem Mann einen mitzugeben. Barack Obama mag Amerikas erster schwarzer Präsident und ein Friedensnobelpreisträger sein, aber Michelle Obama erinnert die Welt lieber daran, wie er zu einer Verabredung einmal erschien, als sei er zuvor im Miami-Vice-Kostümfundus gewesen oder wie er als Praktikant zu seinem ersten Arbeitstag zu spät kam – als sie noch sein Boss war. Aber jedes Mal wenn sie über ihren Mann lästert, dann spürt man ihre Zuneigung und die Worte machen die Obama-Ehe noch authentischer und bewundernswerter."

stern-Journalistin Cornelia Fuchs: Michelle Obama: Wie die ehemalige First Lady die Welt beeinflusst

Laura Ingraham, Moderatorin beim konservativen Sender Fox News

"Michelle Obama bringt ihre neuen Memoiren mit dem Titel "Becoming" unters Volk und zwar so, wie wir es von den Obamas erwartet haben: mit Fanfaren, einer 13-Städte-Tour und Hallen-Wohlfühl-Gesprächen mit Promis. Dieser Buchverkaufsstart ist eigentlich auch nur ein weiteres Beispiel für jemanden, der damit Kasse macht, Donald Trump in die Pfanne zu hauen."

Nachrichtenagentur DPA

"Wer das Buch von Michelle Obama liest, dem wird bewusst, welche Zeitenwende stattgefunden hat. Es ging der coole Power-Präsident, nachdenklich und sportlich, witzig und prägnant, mit einer Familie, die modern und verwurzelt für den Fortschritt der amerikanischen Gesellschaft steht. Es kam der grantige Nationalist, die Schuld stets bei anderen suchend, mit einer Kopf-durch-die Wand-Politik - und einer Präsidentenfamilie, die in der Öffentlichkeit kaum vorkommt. Was Obama vorlegte, ist jenseits allen PR-Rummels auch schlicht ein gutes, lesenswertes, kurzweiliges Buch."

Autobiografie "Becoming - Meine Geschichte": Michelle Obama - Bilder aus dem Leben der einstigen First Lady wider Willen
Als Michelle Robinson wurde die spätere First Lady im Januar 1964 im Süden Chicagos geboren

Als Michelle Robinson wurde die spätere First Lady im Januar 1964 im Süden Chicagos geboren

Melania Trump über Obamas (Buch-)Bemerkung, dass sie keine Tipps von ihrer Vorgängerin annehmen wollte.

"Mrs. Trump ist eine starke und unabhängige Frau, die ihre Rolle als First Lady auf ihre eigene Art ausfüllt", so Trumps Sprecherin Stephanie Grisham.

Die konservative Fox-Moderatorin Tomi Lahrin auf Twitter über Obamas' Bemerkung, sie habe bei Trumps Amtseinführung  nicht einmal mehr versucht zu lächeln:

"Das ist ok, wir alle haben gelächelt, als du und dein Mann das Weiße Haus verlassen haben. Tschüss."

Die liberale "New York Times"

"Ein paar Tage vor Erscheinen von Michelle Obamas Autobiografie habe ich mir in der National Portrait Gallery ihr Porträtbild von ihr angesehen. Die Menschen, die ebenfalls da waren, nannten sie 'wunderschön', 'inspirierend', 'bedeutend'. Einige erklärten, dass sie sie liebten und vermissten. Ich glaube, sie wird deswegen so verehrt, weil sie immer offen mit den Untiefen des Lebens umgegangen ist. Als First Lady musste sie sich oft zügeln – das hat uns Frauen stets daran erinnert, warum sie uns so tief berührt. Ihre Memoiren sind dafür das neueste Beispiel."

Der britische "Guardian"

"Nachdem sie jahrelang ein Leben auf dem Präsentierteller des Weißen Hauses geführt hat, schuldet uns Michelle Obama nichts. Aber für Millionen von Menschen ist ihr Eingeständnis, ihre beiden Töchter per künstliche Befruchtung empfangen zu haben, ein Akt der Großzügigkeit. Denn obwohl künstliche Befruchtung immer üblicher wird, bleibt es oft ein Tabu darüber zu sprechen. Und für die von uns, die das durchmachen, kann es einen großen Unterschied machen, dass es Prominente gibt, die sich nicht schämen, eine von uns zu sein."

Der britische "Telegraph"

"Michelle Obama ist absolut inspirierend. Aber ihre Geschichte ist wahr und hart. Diejenigen, die sie dafür geliebt haben, dass sie im TV mit Ellen DeGeneres getanzt oder bei 'Carpool Karaoke' mit James Corden gesungen hat, werden herausfinden, dass ihre Kindheit keine Comedy-Nummer war, sondern eine Geschichtsstunde voller Frauen, die nicht den Mund aufmachen, schwarzer Männer, die ihre Hoffnungen herunterschraubten und schwarzer Jungen, die von der Polizei angehalten wurde, weil die vermutete, ihr Fahrrad sei gestohlen."

Das "Wall Street Journal"

"'Becoming' hat signifikanten Wert für die etwas skeptischeren Leser, nicht so sehr wegen seiner Beschreibungen der bekannten Großereignisse, sondern für seine lebendige Sprache und die Einblicke, manche von ihnen unbeabsichtigt, in die jüngste ethnische und kulturelle Geschichte."

Barack Obama

Der ehemalige US-Präsident und Gatte der Autorin gesteht selbst, "ein bisschen voreingenommen" zu sein. "Aber sie ist nun mal auch brillian, witzig und weise - schlicht einzigartig. Dieses Buch erzählt ihre durch und durch amerikanische Geschichte. Ich liebe es, weil es die Frau, die ich so lange schon liebe, ehrlich wiedergibt." 

 

nik/fin