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Doha: Die "goldene Chance" der UN-Klimakonferenz

Eine "historische Konferenz" soll es werden, kündigt Katar zu Beginn der Klimaverhandlungen an. Doch das muss sich in den kommenden zwei Wochen erst noch zeigen. Die Positionen scheinen unverändert.

Gastgeber Katar hat zur Eröffnung des UN-Klimagipfels in Katar alle 193 Teilnehmerstaaten dringend zur Zusammenarbeit aufgerufen. "Vor uns, in den kommenden Tagen, liegt eine goldene Chance. Wir müssen sie nutzen", sagte der Vizepremier des Golfstaates, Abdullah bin Hamad Al-Attiyah, zur Eröffnung der zweiwöchigen Konferenz am Montag. Der Klimawandel sei eine gemeinsame Herausforderung aller Staaten. Doch die Fronten scheinen sich zu Beginn der Konferenz nicht verändert zu haben.

Geopolitisch komme dieser Klimakonferenz eine ganz besondere Rolle zu, sagte die Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres. Erstmals finden die Verhandlungen in einem arabischen Land statt. Damit biete sich der Golf-Region eine unvergleichliche Weltbühne, um ihr Energiewachstum nachhaltiger zu gestalten und eine stärkere und sicherere Energieversorgung für alle Staaten auf den Weg zu bringen.

Das Gas- und Ölland Katar hat den höchsten Pro-Kopf-Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase weltweit. "Wir sollten uns aber nicht auf die Pro-Kopf-Emissionen konzentrieren", sagte Al-Attiyah bei einer Pressekonferenz. Vielmehr gehe es um die Gesamtemissionen einzelner Länder, sagte er und verwies auf nationale Klimabemühungen Katars, etwa bei der Solarenergie und der Forschung zur CO2-Abscheidung. "Wir glauben daran, dass Technologie die Probleme lösen wird." Katar sei der richtige Ort für die Klimaverhandlungen.

Katar als Schlüsselrolle in der arabischen Welt

Klimaschützer äußerten zu Beginn der Verhandlungen die Hoffnung, dass die kleine Golfmonarchie aus der Konferenz als Spitze einer regionalen Allianz progressiver Länder hervorgehen würde. Dazu gehörten etwa die Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten, sagte Thomas Hirsch von Brot für die Welt. Saudi-Arabien blockiere bislang. Katar spielt bei der Lösung politischer Konflikte in der arabischen Welt zunehmend eine Schlüsselrolle.

Das Emirat ist aber nicht nur Klimasünder. Es ist selbst vom Klimawandel bedroht: Der durch die Erderwärmung ansteigende Meeresspiegel gefährdet die niedrig gelegenen Küstenstreifen. Außerdem ist das von einer Wüstenlandschaft geprägte Emirat von Nahrungsimporten abhängig. "Wir machen das nicht, um zu zeigen, dass wir die Guten sind", sagte Al-Attiyah mit Blick auf die Klimakonferenz. "Wir machen es für unser Land." In zwei Wochen will Katar einen Erfolg vermelden und kündigt schon jetzt einen "Wendepunkt in den Verhandlungen über den Klimawandel" an.

Doch die Positionen der Länder scheinen sich zum Beginn der Konferenz nicht geändert zu haben. Bei der Frage nach der Verantwortung der USA bei der Reduktion der weltweiten CO2-Emissionen verwies der Vertreter aus Washington auf die Verantwortung aller Staaten - und sprach von "wichtigen neuen Akteuren". Die USA seien für weniger als 20 Prozent der weltweiten Emission verantwortlich, Spitzenreiter sei China mit über 25 Prozent.

Greenpeace fordert "drastischen Richtungswechsel"

China rief dagegen die Industriestaaten auf, eine Vorreiterrolle bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes einzunehmen. "Wir haben bereits ehrgeizige Schritte ergriffen, um die Emissionen zu senken", sagte ein Vertreter der chinesischen Delegation. Von der neuen Führung in Peking wird keine andere Klimapolitik erwartet als bisher. Das bevölkerungsreichste Land stützt sich zu zwei Drittel auf Kohle. Gleichzeitig aber investiert es weltweit am meisten in erneuerbare Energien. Die Organisation Oxfam warnte, die Klimakonferenz drohe ein Flop zu werden, wenn nicht höhere Klimaschutz-Ziele auf den Tisch kämen.

Die Staaten haben bereits beschlossen, mit ihrer Klimapolitik dafür zu sorgen, dass die Erde sich um maximal zwei Grad erwärmt. Das sehen Wissenschaftler als gerade noch beherrschbar. Jüngste Berichte aber zeigen, dass die Welt dank steigender CO2-Emissinen eher auf bis zu vier Grad bis zum Jahr 2100 zusteuert. Um das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen, bedürfe es eines "drastischen Richtungswechsels in der Klimapolitik aller Länder", teilte die Umweltorganisation Greenpeace mit. Figueres erhöhte den Handlungsdruck auf die Industriestaaten, indem sie sagte: "Wir haben die Gelder dafür, wir haben die Technologie."

fle/DPA / DPA