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"Ich bin der Auserwählte": Die grotesk-trumphafte Woche des US-Präsidenten Donald Trump

Beendet der US-Präsident die Woche, wie er sie begonnen hat, dürfte einem Eklat beim G7-Gipfel nichts im Wege stehen. Größenwahnsinnig, dünnhäutig und selbstmitleidig: Donald Trump beweist gerade, wie zutreffend manch unschmeichelhafte Zuschreibungen sind. 

Donald Trump bezeichnet sich selbst als den "Auserwählten"

Als Mitte August die ersten Gerüchte durchsickerten, dass der US-Präsident plane, Grönland zu kaufen, da war in Washington DC. gerade Vollmond und manchen Menschen bereiten die hellen Nächte ja Probleme. Ob Donald Trump zu ihnen gehört, ist nicht bekannt, aber es könnte erklären, warum die letzten Tage noch trumphafter waren als die an grotesker Trumphaftigkeit ohnehin nicht armen Tage seiner bisherigen Amtszeit. Nur deutlich weniger amüsant.

Donald Trump meinte es ernst. Sehr ernst

Nachdem Donald Trump also mehr oder weniger offiziell sein Interesse an Grönland bestätigt hatte, teilte er auf Twitter ein Bild, das einen goldenen Trump-Tower in der steinigen Umgebung der Rieseninsel zeigt und schrieb dazu: "Ich verspreche, das Grönland nicht anzutun." Diese Selbstironie beruhigte kurz die Gemüter, denn vielleicht meinte er ja alles nicht so ernst. Doch, tat er. Sogar ernster als befürchtet, wie die darauffolgenden Tage zeigten. Weil Dänemark als "Besitzer" Grönlands natürlich nicht über einen Verkauf der Insel reden wollte, spielte Trump die beleidigte Leberwurst, sagte erst den geplanten Staatsbesuch ab und trat dann noch gegen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nach.

Soweit so befremdlich, selbst für Trump-Verhältnisse. Allerdings war das weder die einzige noch die größte Anmaßung: Am Mittwoch nannte er sich dann "der Auserwählte".

"Das ist nicht mein Handelskrieg. Das ist ein Handelskrieg, der schon lange von anderen Präsidenten hätte geführt werden müssen. Jemand musste es machen", sagte er vor Journalisten. Dann breitete Trump seine Arme aus, blickte gen Himmel und sagte: "Ich bin der Auserwählte." Vermutlich meinte es der US-Präsident in diesem Zusammenhang nur als theatralische Zuspitzung seiner Rolle als Staatsoberhaupt, vielleicht sogar wie die Juden als Verpflichtung und nicht als Privileg. Doch sicher ist das nicht.

Trump, der "König von Israel"

Hinzu kam, dass er sich die Tage zuvor mit dem "auserwählten Volk" angelegt und gleich mehrfach Demokraten-wählende Juden als "illoyal" beleidigt hatte – sowie zu allem Überfluss auch noch die Quatschbehauptung eines rechten Verschwörungstheoretikers dankend weiterverbreitete, nach der er, der US-Präsident, "König von Israel" sei, gar die "zweite Wiederkehr Gottes".

In anderen Worten: Trump hat es mit nur wenigen Sätzen geschafft, sich zu einem als juden/israelfreundlicher US-Präsident zu verkaufen, sich zum anderen aber im gleichen Atemzug antisemitischer Klischees zu bedienen, um sich am Schluss auch noch mit dem "König der Juden" zu vergleichen (worunter man üblicherweise Jesus Christus versteht). "Juden lieben ihn wie Jesus", fasst jemand Trumps bizarre Gedankenwelt auf Twitter sarkastisch zusammen.

Doch das war nur ein Teil der befremdlichen letzten Tage, der andere sah so aus:

  • entgegen seinen Äußerungen nach den Massakern in Texas und Ohio plant der US-Präsident nun wohl doch keine Verschärfung der Waffengesetze.
  • von seinem Plan, die Lohnsteuer zu senken, ist Donald Trump nach nur einem Tag wieder abgerückt.
  • er drängt die US-Notenbank zu weiteren Zinssenkung, um die Wirtschaft zu unterstützen, die seinen eigenen Worten zufolge aber brummt wie nie zuvor.
  • ohne Absprache mit den Verbündeten bringt er erneut die Wiederaufnahme von Russland in den Kreis der G7-Staaten ins Gespräch, blitzt aber ab. Selbst bei Boris Johnson, seinem Bruder im Geiste.
  • und dann spielt er offen mit dem Gedanken, eines der amerikanistischen aller Rechte abzuschaffen: die automatische US-Staatsbürgerschaft bei Geburt auf US-Boden.

Der US-Nachrichtensender CNN, mittlerweile in offene Feindschaft zum US-Präsident getreten, fragte angesichts der jüngsten Eskapaden: "Entweder hält Trump jeden zum Narren oder er denkt, er sei Gott." Im Grunde neigt Donald Trump schon lange, zu leichtem Größenwahn. So behauptete er nach der Amtseinführung, dass sein Publikum das größte aller Zeiten gewesen wäre, regelmäßig wiederholt er die Behauptung, kein Präsident habe zum Zeitpunkt der jeweiligen Amtszeit so viel erreicht wie er. Und vor zwei Jahren machte ein Mitschnitt die Runde, der zeigte, wie Trumps Minister ihm bis zur Unterwürfigkeit ihren Respekt zollten.

Donald Trump G7 in Malbaie

Donald Trump beim G7-Gipfel 2018. Das Bild eines trotzigen US-Präsidenten, auf den die Verbündeten verärgert einreden, ging um die Welt.

DPA

Was passiert beim G7-Gipfel?

Dem US-Präsidenten wurde schon oft vorgeworden, dünnhäutig zu sein, selbstmiteidig auch, anmaßend, aggressiv sowie undiplomatisch und konfus, doch nur selten hat er in kurzer Zeit so eindrücklich bewiesen, wie sehr diese Zuschreibungen zutreffen. Am Wochenende steht der G7-Gipfel in Südfrankreich an. Die letzten beiden Treffen dieser Art wurden jeweils von einem trotzköpfigen US-Präsidenten überschattet. 2017 spaltete er die Runde mit Beschimpfungen in Richtung Deutschland und 2018 zog er die Abschlusserklärung noch auf seiner Rückreise wieder zurück. Und 2019? Beendet der US-Präsident die Woche wie er sie begonnen hat, dürfte einem Eklat nichts mehr im Wege stehen. 

Quellen: "Washington Post", "New York Times", N-TV, CNBC, CBS, Time and Date, DPA, AFP, Snopes.com, CNN