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Interview des Pornostars: Die politische Dimension von Stormy Daniels - warum die Uralt-Affäre toxisch für Trump ist

Sein Uralt-One-Night-Stand mit Pornostar Stormy Daniels klebt an Donald Trump wie Kaugummi. Mit der Ex-Affäre rückt auch Trumps Anwalt Michael Cohen in den Mittelpunkt, den bereits US-Sonderermittler Robert Mueller auf dem Zettel hat.

Für Donald Trump und seine Familie müssen es quälend lange 60 Minuten gewesen sein. Eine sehr lange Stunde lang plauderte die frühere Pornodarstellerin Stormy Daniels über ihr Schäferstündchen mit dem jetzigen Präsidenten. Nicht, dass das irgendjemand etwas angehen würde, dass sie ihm mit einer aufgerollten Zeitschrift (mit Trump-Cover) den Hintern versohlt haben will oder wie er erzählt habe, dass sie ihn an seine Tochter erinnere. Aber die Geschichte betrifft nun einmal den mächtigsten Mann der Welt und könnte an den Festen seiner Amtszeit rütteln.

Im Fadenkreuz: Anwalt Michael Cohen

Früher einmal hätte ein außereheliches Techtelmechtel Bill Clinton fast das Präsidentenamt gekostet. Jetzt, 20 Jahre später, ist der Sex mehr unterhaltsames Beiwerk als moralischer Ballast, aber damals wie heute ist es der Umgang mit dieser Angelegenheit, die dem Staatsoberhaupt Probleme bereitet. Wie auch in der nicht enden wollenden Russland-Affäre laufen bei dem Uralt-Affärchen mit der Sexarbeiterin, die bürgerlich Stephanie Cliffords heißt, die Fäden beim Anwalt Michael Cohen zusammen.

Die Details, die Cliffords in der Sendung "60 Minutes" verriet, möchte man weder als Sohn noch als Tochter, geschweige denn als Ehefrau und frischgebackene Mutter wissen. So gesehen ist es durchaus verständlich, dass Trumps Anwälte die 39-Jährige zum Schweigen verdonnern wollten. Doch leider erinnert sie die Begleitmusik der ganzen Affäre stark an die Titelmelodie eines Mafiafilms. So berichtete Cliffords von einer Begegnung auf einem Parkplatz 2011. Da sei jemand auf sie und ihre Tochter zugekommen und habe etwas von "schade, wenn der hübschen Mutter etwas zustoßen würde" gesagt.

Donald Trump vs. Stormy Daniels geht vor Gericht

Damals hatte sie im Magazin "In Touch" über das Tête-à-Tête ausgepackt, doch das Interview wurde nach einer Klage von Trumps Anwalt Cohen nicht gedruckt und erst vor wenigen Wochen veröffentlicht. Fünf Jahre später im Präsidentenwahlkampf 2016, habe Cohen dann eine Schweigevereinbarung mit ihr getroffen und dafür 130.000 Dollar gezahlt. Bei Zuwiderhandlung würde ihr der finanzielle Ruin drohen - eine Million Dollar soll die Summe betragen, die jedes Mal fällig wird, wenn sie das Stillschweigen bricht. Dass sie sich dennoch nicht mehr an den Vertrag gebunden fühlt, begründet sie mit Trumps fehlender Unterschrift unter dem Schriftstück. Die Sache wird demnächst vor Gericht landen, die Juristen des Präsidenten versuchen derzeit ein Gericht zu finden, das eher öffentlichkeitsarm arbeitet.

Etwas unpassend jedoch: Donald Trumps Anwälte bereiten ihm derzeit Sorgen. Erst Ende vergangene Woche hat sein Chefjurist John Dowd das Verteidigerteam verlassen. Grund waren offenbar unterschiedliche Ansichten über das weitere Vorgehen in der Russlandaffäre, die den Präsidenten ernsthafter zusetzt als die frühere Affäre mit Stormy Daniels (und weiteren Frauen). Beide Geschichten kreuzen bei Michael Cohen, den der US-Sonderermittler Robert Mueller aber bereits auf dem Kieker haben soll. Offen ist etwa seine Rolle bei Verhandlungen über den Bau eines Trump Towers in Moskau. Auch die Schweigegeldzahlung an Cliffords könnte als Verletzung der Wahlkampffinanzierungsregeln gewertet werden.

Was macht Michael Cohen?

Interessant wird zu sehen sein, wie Cohen als langjähriger Vertrauter mit der zunehmend verzwickten Situation umgehen wird. Offiziell bestreitet er nicht, Clifford die 130.000 Dollar gezahlt zu haben, aus eigener Tasche. Von Schweigegeld aber will er natürlich nichts wissen. Medienberichten zufolge soll er sich jedoch darüber beschwert haben, dass es gedauert habe, bis er die Summe zurückerhalten hat. Sollte das stimmen, könnte das wiederum bedeuten, dass er im Namen von Donald Trump gehandelt habe, was den Präsidenten wiederum in Bedrängnis bringen könnte.

Möglicherweise ist der Umgang mit dem alten One-Night-Stand nur ein kleines Teilchen in dem riesigen juristischen Problemberg vor dem Trump und seine Anwälte derzeit stehen. Aber möglichweise ist es auch das Teil, das dazu führt, die Glaubwürdigkeit des Präsidenten und seiner Verteidiger nachhaltig zu erschüttern. Sollte sich Michael Cohen zudem auf rechtliches Glatteis begeben haben, könnte es sein, dass US-Sonderermittler Mueller die Schwäche ausnutzt, um Cohen zur Kooperation zu bewegen. Der 51-Jährige schwirrt seit vielen Jahren im Trump-Orbit herum und wäre sicher eine hervorragende Quelle.

nik/feh