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Enthüllungsbuch "Fire and Fury": Essen von McDonald's aus Furcht vor Vergiftung – so sieht's im Alltag von Donald Trump aus

Das Enthüllungsbuch "Fire and Fury" könnte Donald Trump politisch in die Enge treiben. Etwas anderes dürfte den US-Präsidenten auf die Palme bringen: teils skurrile Enthüllungen aus seinem Alltag – zwischen Cheeseburgern und Telefon-Tiraden.

Enthüllungsbuch über Trump: Das müssen Sie über "Fire and Fury…" wissen

An diesem Freitag soll es in den US-amerikanischen Buchläden liegen, und der Versandhändler Amazon wird abertausende Exemplare ausliefern von Michael Wolffs Enthüllungsbuch "Fire and Fury: Inside the Trump White House". Und wenn es veröffentlicht wird, geht im Weißen Haus in Washington ein 71-Jähriger vor Zorn an die Decke. Davon ist auszugehen.

Denn das Erscheinen des Buches bedeutet dann nicht nur, dass Donald Trump mit seiner Unterlassungsverfügung gegen Verlag und Autor erfolglos war, es könnte auch eine Wende in seiner Präsidentschaft einläuten: Die Gerüchte über die möglichen Russland-Verbindungen von Trump und/oder seiner Gefolgschaft erhalten durch "Fire and Fury" neue Nahrung (lesen Sie dazu hier im stern: "Ex-Berater Bannon wirft Trumps Wahlkampfteam 'Landesverrat' vor"), das Buch birgt politischen Sprengstoff.

Neue Details aus dem Alltag von Donald Trump

Was Trump außerdem wenig gefallen dürfte: Erneut werden Details aus seinem Privatleben bekannt gemacht, soweit man das eines US-Präsidenten überhaupt noch als privat bezeichnen kann. Bereits nachdem die "New York Times" im Dezember ein Bild von Donald Trumps Alltag zwischen Diät-Cola, Fernsehen und protzigen Badezimmern gezeichnet hatte, ließ er seiner Wut freien Lauf.

Sollte Trump Autor Michael Wolff nicht auf juristischem Wege zum Schweigen bringen, dürften noch einige weitere bizarre Episoden aus dem Weißen Haus hinzukommen. Das "New York Magazine" veröffentlichte vorab Auszüge des neuen Buches, die einen Vorgeschmack auf das geben, was die Leser noch erwartet. Der Ausschnitt liefert Bestätigungen für den "New York Times"-Bericht und neue Einblicke in das Leben des US-Präsidenten, das bisweilen wenig präsidial wirkt.

Es ist ein Leben, das Trump sich angeblich so gar nicht gewünscht hatte, rechnete er doch zunächst fest damit, dass seine Rivalin Hillary Clinton ins Weiße Haus einziehen würde. So hätte er seine Popularität, seinen Einfluss und seine TV-Präsenz gesteigert – allerdings ohne die große Verantwortung und die Arbeit, die das Präsidentenamt mit sich bringt, beschreibt Wolff Trumps ursprüngliches Vorhaben. Und er hätte noch mehr Zeit auf dem Golfplatz verbringen können, als er es ohnehin schon tut. Der frühere Chefstratege im Weißen Haus, Stephen Bannon, erzählte dem Autor unter anderem, dass Trump gleich zu Beginn seiner Amtszeit darum bemüht gewesen sei, seine Präsenz im Oval Office soweit herunterzufahren, dass er seine Golfgewohnheiten beibehalten könne.

Das Weiße Haus: "Ein wenig gruselig"

Möglicherweise hat der Wunsch nach Abwesenheit jedoch auch mit Trumps Abneigung gegen das Weiße Haus an sich zu tun. Er habe es "ein wenig gruselig" dort gefunden, schreibt Wolff unter Berufung auf Weggefährten des US-Präsidenten, und sich immer wieder in sein privates Schlafzimmer - getrennt von Ehefrau Melania - zurückgezogen. Um dort gleich nach Amtsantritt für einen ersten Disput mit seinen Personenschützern vom Secret Service zu sorgen: Trump habe ein Schloss an der Tür des präsidialen Schlafgemachs anbringen lassen, um nicht gestört zu werden – zusätzlich zum ohnehin vorhandenen Schloss und sehr zum Ärger seiner Leibwächter. Sie hätten darauf bestanden, stets Zugang zu dem Zimmer im zweiten Stock des Weißen Hauses zu haben. Es war offenbar nicht die einzige merkwürdige Anschaffung Trumps: Ebenfalls in den ersten Tagen seiner Präsidentschaft habe er sich dem Bericht zufolge zwei Fernseher ins Schlafzimmer liefern lassen, das eine im Raum vorhandene Gerät war nicht genug.

Diese drei Fernseher und das Telefon sind seitdem so etwas wie die inoffizielle Kommandozentrale des US-Präsidenten, so beschreibt es Wolff. Mit einem Cheeseburger ausgestattet, soll Trump regelmäßig durch die Kanäle zappen und Freund und Feind gleichermaßen per Telefon über seine Einschätzungen zu den Sendungen oder dem Weltgeschehen auf dem Laufenden halten. Einige der Gesprächspartner nutzten die Redseligkeit des Präsidenten, um US-Medien über die Inhalte der Telefonate in Kenntnis zu setzen.

"Am 6. Februar beschrieb Trump in einem seiner brodelnden, selbstmitleidigen und unaufgeforderten Anrufe seine (...) Verachtung für die Medien und die Illoyalität seines Personals", schreibt Wolff und stellt die These auf, dass der Präsident selbst die undichte Stelle im Weißen Haus sein könnte.

"Immer wieder die gleichen Geschichten"

Wer das zweifelhafte Glück hat, mit Trump telefonisch oder gar persönlich zu sprechen, berichtet in dem Buch vor allem eines: Dass ein Gespräch im herkömmlichen Sinne mit ihm nicht möglich sei. Er wird als unbelesen, desinteressiert und konzentrationsschwach beschrieben. "Ich würde Donald nicht zu viel zum Nachdenken geben", soll Wahlkampfstratege Roger Ailes gesagt haben, ein anderer Berater habe gemeint, mit Trump zu sprechen sei, "als würde ich versuchen herauszufinden, was ein Kind will". Politanalyst Sam Nunberg gab zur Gesprächsführung Trumps ein Beispiel zu Protokoll: Er habe dem jetzigen Hausherrn im Weißen Haus während des Wahlkampfes die amerikanische Verfassung näherbringen wollen. "Ich bin bis zum Vierten Zusatzartikel gekommen", zitiert ihn Wolff, "bevor er mit dem Finger an seiner Lippe spielte und mit den Augen rollte". Sein früherer enger Mitarbeiter Reince Priebus spricht davon, dass Trump in einer Unterhaltung nahezu ununterbrochen rede: "In einer Stunde, in der du mit ihm zusammen bist, wirst du 54 Minuten Geschichten hören, und es werden immer wieder die gleichen Geschichten sein." Und die sollen den Buchauszügen zufolge oft von Trump selbst und seinen vermeintlichen Erfolgen handeln.

Dass dazu auch folgende Geschichte aus "Fire and Fury" gehört, ist fraglich: Die Vorliebe Trumps für Fast Food ist hinlänglich bekannt, Wolff fügt in seinem Buch einen weiteren Aspekt hinzu. Dass Trump regelmäßig Essen von McDonald's zu sich nimmt, hat demnach einen einfachen Grund: Die "Angst davor vergiftet zu werden" – nur bei der Schnellrestaurantkette könne er sicher sein, dass das Essen schon vorgefertigt sei und sich niemand auf ihn als Besucher eingestellt habe.

Zu McDonald's – aus Angst vor Vergiftungen

Es ist offenbar nicht Trumps einziger Weg, einem möglichen Giftanschlag aus dem Weg zu gehen. Im Weißen Haus dürfe das Hauspersonal wegen dieser Furcht die persönlichen Gegenstände des Präsidenten nicht berühren ("vor allem nicht seine Zahnbürste") – eine weitere neue Regel betreffe die Ordnung in den privaten Gemächern: "Wenn mein Hemd auf dem Boden liegt, dann weil ich es auf dem Boden haben will!", soll Trump die Angestellten angeherrscht haben. Aufheben sei dem Personal verboten.


So weht nach den Beschreibungen Wolffs ein ganz neuer, eigenartiger Wind durch die Machtzentrale der USA. Dort residiert seit rund einem Jahr ein allem Anschein nach redseliger, etwas kindischer, paranoider, verschrobener 71-Jähriger mit Leidenschaften fürs Golfen, Fernsehen und Fast Food – aber ohne Bademantel ("Ich würde nie einen tragen, weil ich nicht so ein Typ bin."). 

Im Tagesverlauf wird die Welt dann voraussichtlich erfahren, wie Trump auf diese und andere Enthüllungen aus "Fire and Fury: Inside the Trump White House" reagiert – die meisten Menschen über seinen Twitter-Kanal, einige aber wohl auch per Telefon.