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Neues Enthüllungsbuch: "Verlieren ist gewinnen" - wieso Donald Trump nie US-Präsident werden wollte

Plötzlich ergibt das Chaos, das irrationale Verhalten Sinn: Donald Trump wollte nie Präsident werden, er wollte die Kandidatur nur zu Werbezwecken nutzen. So erzählt es jedenfalls Michael Wolff in seinem Buch über die ersten Monate im Weißen Haus.

Donald Trump und Roger Ailes

Donald Trump und der mittlerweile verstorbene Roger Ailes. Sein alter Kumpel hatte ihm geraten, wie man in Fernsehen richtig Karriere macht

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Kurz vor der Präsidentschaftswahl wähnte sich der Kandidat an seinem ultimativen Ziel: Nein, nicht die Wahl zu gewinnen, sondern der "berühmteste Mann der Welt zu werden". Schließlich habe doch sein alter Weggefährte, der mittlerweile verstorbene Roger Ailes, gesagt: Wenn du es im Fernsehen zu etwas bringen willst, bewirb dich ums Präsidentenamt, danach sei die Marke Trump mächtiger als zuvor, unzählige neue Möglichkeiten würden sich ergeben. "Das ist größer, als ich es mir jemals erträumt habe. Wir haben in jeder Hinsicht gewonnen", soll der Republikaner seinem Vertrauten Ailes eine Woche vor der Wahl gesagt haben.

All das Chaos ist nun erklärbar

Wenn diese Geschichte zutrifft, die der Kolumnist und Autor Michael Wolff in seinem neuen Buch "Fire and Fury - Inside the White House" erzählt, dann würde sie all das Chaos, die Durchstechereien, die unzähligen Personalrochaden, die halbseidenen und möglicherweise illegalen Treffen mit russischen Vertretern, die finanziellen Interessenskonflikte kurzum den gesamten Wahnsinn der ersten Monate der Trump-Präsidentschaft neu beleuchten.

Enthüllungsbuch über Trump: Das müssen Sie über "Fire and Fury…" wissen


An einer Stelle zitiert Wolff eine Aussage von Michael Flynn, die sehr tief in das Selbstverständnis des Wahlkampfteams blicken lässt. Der Kurzzeit-Sicherheitsberater Trumps hatte als US-General im Ruhestand einmal eine Rede in Moskau gehalten und dafür 45.000 Dollar bekommen. Als ein Bekannter während des Wahlkampf meinte, dies sei keine gute Idee gewesen, habe Flynn nur lapidar geantwortet: "Nun ja, das wird nur ein Problem, wenn wir gewinnen würden." Offenbar hat nicht einmal der Kern von Trumps Mannschaft mit dem Wahlsieg gerechnet.

Alles super - durch Donald Trumps Fastsieg

Michael Wolff, der für sein Buch 200 Interviews mit Weißen-Haus-Mitarbeitern, Trump-Vertrauten und dem Präsidenten selbst geführt hat, schreibt, sogar der Kandidat selbst habe gewusst, wie mies seine Wahlkampagne gewesen sei und dass die meisten Beteiligten Loser gewesen seien. "Trump und seine Top-Mitarbeiter glaubten, sie könnten all die Vorteile einer Kandidatur genießen ohne dass sie irgendetwas in ihrem Leben ändern müssten - nur durch den Fast-Sieg Trumps."

Deshalb habe er auch nie seine Steuererklärung veröffentlicht. Deswegen habe sich nie jemand Gedanken über mögliche Konflikte gemacht, die seine Geschäfte und Immobilienanteile mit dem Amt des Präsidenten auslösen könnten. "Sobald er die Wahl verloren hat, wäre Trump irrwitzig berühmt, seine Tochter und sein Schwiegersohn Ivanka und Jared international bekannt. Steve Bannon würde de-facto-Chef der reaktionären "Tea-Party"-Bewegung sein. Medienchefin Kellyanne Conway ein TV-Star, Gattin Melania könnte wieder unerkannt essen gehen." Mit der Wahlniederlage wäre allen geholfen gewesen, so Auto Wolff, "verlieren ist gewinnen".