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Ominöses Treffen in New York: Ex-Berater Bannon wirft Trumps Wahlkampfteam "Landesverrat" vor

Steve Bannon kennt als Ex-Chefstratege alle Interna von Donald Trumps Wahlkampfteam. In einem neuen Buch erhebt er Vorwürfe gegen Trumps Sohn und Schwiegersohn. Ihr Treffen mit einer Russin sei "landesverräterisch" gewesen.

Donald Trump und Steve Bannon

US-Präsident Donald Trump und sein damaliger Chef-Stratege Stephen Bannon 

Steve Bannon, Donald Trumps früherer Chefberater, erhebt schwere Vorwürfe gegen das Wahlkampfteam des US-Präsidenten. Ein Treffen von Donald Trump Jr., Schwiegersohn Jared Kushner und dem damaligen Wahlkampfchef Paul Manafort mit der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja im New Yorker Trump Tower sei "landdesverräterisch und unpatriotisch", so Bannon in einem Enthüllungsbuch, das am 9. Januar in den USA erscheint.

"Sie hätten dem FBI Bescheid geben sollen"

Dem britischen "Guardian" liegt ein Exemplar von "Fire and Fury: Inside the Trump White House" vor, die Zeitung zitiert die entsprechenden Passagen des rechtskonservativen Ex-Beraters. Über das Treffen im Trump-Tower, das 2016 stattfand, sagte er: "Selbst wenn man geglaubt hätte, dass da kein Landesverrat, etwas Unpatriotisches oder übler Scheiß vorgegangen wäre, und ich bin sicher, das ist es, dann hätte man sofort dem FBI Bescheid geben müssen."  

Die schicksalhafte Begegnung in New York wurde erst im vergangenen Jahr bekannt. Danach seien Trumps Wahlkampfteam von russischer Seite Informationen über Hillary Clinton angeboten worden, die die demokratische Präsidentschaftskandidatin hätten schädigen sollen. Donald Trumps Sohn Donald Jr. hatte eine entsprechende Mail zuvor mit den Worten "Wenn es das ist, was sie sagen, liebe ich es", beantwortet. Nach seiner Aussage habe das Treffen durchaus stattgefunden, sei allerdings ergebnislos zu Ende gegangen.

Bannon lästert in dem Buch nun: "Drei Chefberater fanden es sei eine gute Idee, sich mit einer ausländischen Regierung zu treffen, mitten im Trump Tower in einem Konferenzraum im 25. Stock – ohne Anwälte. Sie hatten keine Anwälte dabei." Der umstrittene frühere Chefstratege Trumps will nach eigener Aussage keinen Kontakt zu irgendwelchen russischen Kreisen gehabt haben. Bannon, obwohl der Hauptarchitekt von Trump Wahlsieg, war nach nur wenigen Monaten entlassen worden und ist zu seinem alten Arbeitgeber "Breitbart-News", einer rechten Nachrichtenseite, zurückgekehrt.

Auch Trumps Schwiegersohn im Visier

In den USA ermittelt seit Monaten ein Sonderermittler gegen Trumps Wahlkampfteam. Robert Mueller untersucht, ob Russland sich in den US-Wahlkampf eingemischt hat und ob es eine Zusammenarbeit mit Trumps Mannschaft gegeben hat. Einige Ex-Mitarbeiter haben bereits ein Fehlverhalten eingestanden. Im Visier ist auch Jared Kushner. Stephen Bannon glaubt, das Trumps Schwiegersohn wegen Geldwäsche belangt werden könnte. "Dieser Kushner-Scheiß ist schmierig", so Bannon, der dem Vernehmen nach mit Kushner in herzlicher Abneigung verbunden ist.

Für das Buch "Fire and Fury" hat der renommierte Autor Michael Wolff 200 Interviews mit Mitarbeitern des Weißen Hauses, aus dem direkten Umfeld des US-Präsidenten als auch mit dem Präsidenten selbst geführt, zu dem er einen guten Draht hat. Der "Guardian" schreibt über das Werk: "Wolff blickt in ein Weißes Haus, das von Krise zu Krise taumelt und dabei noch intern Krieg führt. Selbst einige der engsten Vertrauten Trumps drücken ihre Verachtung für den Präsidenten aus." Konkret nennt der Autor auch einen Namen: Milliardär Thomas Barrack Jr, einer von Trump ältesten Geschäftspartnern, habe über den Präsidenten gelästert: "Er ist nicht nur verrückt, er ist auch dumm."