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Wahlkampfkundgebung trotz Corona "Beschämend", "rücksichtslos", "gefährlich": Gouverneur von Nevada liest Trump die Leviten

Steve Sisolak (l.) und Donald Trump
Steve Sisolak (l.) und Donald Trump
© Alex Wong / Andrew Harnik / AFP / DPA
Donald Trump hat in Nevada Wahlkampf in einer geschlossenen Halle gemacht – entgegen der dort geltenden Corona-Auflagen. Gouverneur Steve Sisolak machte dem US-Präsidenten deshalb auf Twitter die Hölle heiß.

Unter Missachtung von Vorschriften und Warnungen lokaler Behörden hat US-Präsident Donald Trump mitten in der Coronakrise im Bundesstaat Nevada eine Wahlkampfkundgebung in einem geschlossenen Saal abgehalten. Mehr als eine Stunde lang sprach Trump in einer Produktionsstätte des Baumaschinenherstellers Xtreme Manufacturing in der Stadt Henderson vor zum größten Teil unmaskierten Anhängern und feierte sich dabei selbst für sein Corona-Krisenmanagement, welches "Millionen von Leben gerettet" habe. "Wir haben eine unglaubliche Arbeit geleistet", schwärmte der Republikaner. "Wir bekommen absolut keine Anerkennung für die Arbeit, die wir geleistet haben."

Gouverneur Sisolak macht Trump schwere Vorwürfe

Gar nicht zum Feiern zumute war dem Gouverneur von Nevada, Steve Sisolak, angesichts der Massenveranstaltung in seinem Bundesstaat. In elf Tweets ließ der demokratische Politiker seiner Empörung über Trumps sorglosen Auftritt freien Lauf. Der Besucher aus Washington verhalte sich "rücksichtslos und egoistisch" und bringe in Nevada "unzählige Menschenleben in Gefahr", beklagte sich Sisolak. "Der Präsident scheint vergessen zu haben, dass sich dieses Land immer noch mitten in einer globalen Pandemie befindet."

Als Gouverneur habe er mit Spezialisten für die öffentliche Gesundheit und Infektionskrankheiten zusammengearbeitet, um Notfallrichtlinien zum Schutz der Menschen aufzustellen und die Wirtschaft wieder auf den richtigen Weg zu bringen, schrieb der 66-Jährige. Dazu gehörten begrenzte Versammlungsgrößen, eine Maskenpflicht und die Einhaltung von sozialer Distanz. "All dies hat der Präsident an diesem Wochenende in Nevada zu seinem eigenen Vorteil rücksichtslos missachtet."

Wie üblich glaube Trump nicht, dass die Regeln für ihn gelten, twitterte Sisolak weiter. Stattdessen ignoriere der 74-Jährige die Notstandsdirektiven, indem er in einem geschlossenen Raum eine Versammlung abhalte, die sein eigenes Gesundheitsministerium als "risikoreich" einstufe.

"Dies ist eine Beleidigung für jeden Bewohner Nevadas, der die Richtlinien befolgt, Opfer gebracht und das Wohl seiner Nachbarn über sein eigenes gestellt hat", empörte sich der Gouverneur. "Es ist auch eine direkte Bedrohung für all die jüngsten Fortschritte, die wir gemacht haben, und könnte uns möglicherweise zurückwerfen." Das Vorgehen des Präsidenten sei "beschämend, gefährlich und unverantwortlich".

Kaum Trump-Fans mit Maske - mit einer Ausnahme

Trumps Wahlkampfteam hatte vor der Kundgebung erklärt, man messe bei den Teilnehmern die Körpertemperatur und stelle Masken und Handdesinfektionsmittel bereit. Die allermeisten Besucher von Wahlkampfauftritten des Präsidenten tragen jedoch – ebenso wie Trump und seine Entourage – keinen Mund-Nase-Schutz und wahren in der Regel auch keinen größeren körperlichen Abstand.

So war es auch in Henderson, wie Aufnahmen der Veranstaltung belegen. "Relativ wenige in der Menge trugen Masken, mit einer klaren Ausnahme", schreibt die Nachrichtenagentur Associated Press dazu. "Diejenigen auf den Tribünen direkt hinter Trump, deren Bilder im Fernsehen landen würden, waren verpflichtet worden, Gesichtsschutz zu tragen."

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In Nevada sind Versammlungen von mehr als 50 Personen seit Mai nicht mehr erlaubt, eine Richtlinie, die auf Empfehlungen des Weißen Hauses basiert. Die Stadt Henderson hatte den Organisator Xtreme Manufacturing deshalb vorab gewarnt, dass das Unternehmen gegen staatliche Gesetze verstoße, sollte es die Kundgebung durchführen. Die Firma könne dafür mit einer Geldstrafe von bis zu 500 Dollar belegt werden und ihre Geschäftslizenz könne ausgesetzt oder entzogen werden.

Trumps Wahlkampfveranstaltung etwa 20 Meilen südlich von Las Vegas war seine erste Indoor-Kundgebung seit seinem heftig kritisierten Auftritt in Tulsa, im Bundesstaat Oklahoma, am 20. Juni. Die damalige Versammlung hatte nach Angaben eines hochrangigen Gesundheitsbeamten der Stadt wahrscheinlich zu einem Anstieg der Covid-19-Fälle in der Region beigetragen.

In den USA mit ihren rund 330 Millionen Einwohnern haben sich bislang mehr als 6,5 Millionen Menschen mit Sars-CoV-2 angesteckt. Fast 195.000 Infizierte sind gestorben, damit hat das Land die weltweit meisten Todesopfer in der Corona-Pandemie zu beklagen. Obwohl die landesweite Zahl der Coronafälle nach einem starken Anstieg im Juli zuletzt wieder zurückging, raten Experten auch in Hinblick auf die anstehende Grippe-Saison weiterhin, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen und physische Distanz zu wahren.

Quellen: Steve Sisolak auf Twitter, Associated Press


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