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US-Präsident : Umstände von Trumps Klinikbesuch lösen Spekulationen über seine Gesundheit aus

"Gesund und voller Energie": Das ist das offizielle Ergebnis des Gesundheitschecks, den Donald Trump am Wochenende absolviert hat. Doch der ungewöhnliche Krankenhausbesuch des US-Präsidenten weckt Zweifel daran.

Trump auf dem Weg ins Walter-Reed-Militärkrankenhaus

Nach dem Klinikaufenthalt von Donald Trump am Samstag wird darüber gerätselt, ob hinter dem zweistündigen Besuch im Walter-Reed-Militärkrankenhaus mehr steckt, als in der offiziellen Begründung angegeben. Das Weiße Haus hatte mitgeteilt, Trump habe in der Klinik bei Washington einen Teil seines alljährlichen Gesundheitschecks machen lassen - "Phase eins meiner jährlichen körperlichen Untersuchung", wie der Präsident später selbst twitterte. Laut Trumps Sprecherin Stephanie Grisham nutzte der 73-Jährige "ein freies Wochenende hier in Washington" um in Erwartung eines "sehr arbeitsreichen Jahres 2020" eine "kurze Untersuchung und Labortests" vornehmen zu lassen. "Der Präsident ist gesund und voller Energie, wie seine wiederholt kraftvollen Wahlkampfauftritte vor Tausenden von Amerikanern mehrmals pro Woche zeigen", fasste Grisham die Untersuchungsegebnisse zusammen.

Personal nicht über Donald Trumps Visite informiert

Doch die Umstände von Trumps Krankenhausaufenthalt ließen Gerüchte aufkommen, dass der US-Präsident ein gesundheitliches Problem gehabt haben könnte. Der Klinikbesuch sei nicht nach dem bei einer routinemäßigen Untersuchung üblichen Protokoll abgelaufen, berichtet der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf "eine mit der Angelegenheit vertraute Person". So sei das Walter-Reed-Personal anders als sonst nicht vorab über die Visite informiert worden. Üblicherweise hätten die Mitarbeiter immer eine allgemeine Mitteilung über einen "VIP"-Besuch im medizinischen Zentrum erhalten, um sie über bestimmte Schließungen in der Einrichtung zu informieren, schreibt CNN. Dass dies diesmal nicht passiert sei, deute darauf hin, dass es sich um einen kurzfristig angesetzten, nicht routinemäßigen Besuch gehandelt habe.

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Zudem seien beide Gesundheitschecks, die Trump bislang während seiner Amtszeit absolviert habe, vorzeitig vom Weißen Haus publik gemacht und in seinem öffentlichen Terminkalender notiert gewesen. Der Klinikbesuch am Samstagnachmittag sei dagegen bis zum Samstagmorgen noch nicht einmal auf dem internen Zeitplan des Präsidenten aufgetaucht, berichtet CNN. "Die Autokolonne des Präsidenten fuhr unangekündigt zum Klinikum und die Reporter hatten die Anweisung, vor der Ankunft im Walter Reed Hospital nicht darüber zu berichten", schreibt der Sender. Darüber hinaus fahre Trump üblicherweise gar nicht mit dem Auto in die Klinik, sondern er nutze den Präsidentenhubschrauber Marine One dafür.

Eine separate Quelle, die mit der Situation vertraut sein soll, beschrieb Trumps Besuch demnach als "anormal", fügte aber hinzu, dass der Republikaner am späten Freitag in guter Verfassung gewesen zu sein schien.

Ist er wirklich so gesund, wie er vorgibt? US-Präsident Donald Trump

Ist er wirklich so gesund, wie er vorgibt? US-Präsident Donald Trump

DPA

Ex-Secret-Service-Agent wundert sich

Auch Zeit und Ort von Trumps Gesundheitscheck gäben "Anlass zur Sorge", schreibt das "New York Magazine". So habe Sprecherin Grisham zwar erklärt, der US-Präsident habe ein "freies Wochenende" dafür genutzt, die jährliche Untersuchung sei aber eigentlich erst wieder im Februar fällig gewesen. Außerdem habe Trump bisher in diesem Jahr an 54 Wochenendtagen Golf gespielt, was darauf hindeute, dass freie Tage nicht so knapp bemessen sein dürften.

Der ehemalige Mitarbeiter des für den Präsidentenschutz verantwortlichen Secret Service, Jonathan Wackrow, äußerte sich ebenfalls irritiert über den Ort der Untersuchung: "Das ergibt keinen Sinn; die medizinische Abteilung des Weißen Hauses hat sehr umfangreiche Einrichtungen im Haus, die mit Leichtigkeit fast alles, was für einen jährlichen Gesundheitscheck nötig ist, bieten." Als ehemaliger für den US-Präsidenten zuständiger Secret-Service-Agent habe er noch nie gesehen, dass die jährliche Gesundheitsuntersuchung schrittweise erfolge.

Trump war zuletzt im Februar nach einer Routineuntersuchung von Präsidentenarzt Sean Conley für "sehr gesund" erklärt worden. Allerdings habe er zugenommen und gelte mit seinen 110 Kilogramm Gewicht bei einer Größe von 1,90 Metern als fettleibig, hieß es damals.

Abgesehen von seiner Leidenschaft, dem Golfspielen, legt Trump bekanntermaßen wenig Wert auf Sport. Außerdem liebt er Fastfood und Softdrinks, nicht gerade die gesündeste Ernährung. Andererseits ist der 73-Jährige Nichtraucher und trinkt keinen Alkohol.

mad