Schon wegen des Namens hätte es Donald Trump zumindest vermuten können: Kanadas Premier Justin Trudeau ist des Französischen mächtig. Das ist kein Fehler, wenn man Regierungschef eines Staates ist, in dem Französisch eine von zwei Amtssprachen ist. In der Provinz Québec ist es sogar die einzige Amtssprache, New Brunswick im Osten des Landes ist zweisprachig, immerhin 24 Prozent der Kanadier sind frankophon, 31 Prozent sprechen fließend Französisch. Dass es während der gemeinsamen Pressekonferenz von Trudeau und des US-Präsidenten zu französischen Fragen und Antworten kommen würde, war also nicht sonderlich überraschend.
Sicherlich ist es der Unerfahrenheit des neuen Chefs im Weißen Haus zuzuschreiben, dass Trump daran offenbar nicht gedacht hatte. Bis der Republikaner den Ohrhörer mit der Simultanübersetzung endlich an seinem Platz hatte, hatte der flinke Kanadier die Sprache schon wieder gewechselt. Es brauchte aber ein bisschen, bis Mr. President auch das wiederum registrierte. Immerhin: Trump machte das alles so unauffällig wie möglich; die Kameras hielten natürlich dennoch alles fest:
Justin Trudeau: Englisch und Französisch - Donald Trump: Lügen und Bullshit
In den sozialen Netzwerken sorgte die kleine Episode für amüsierte Reaktionen. "Trump sieht aus wie der peinliche betrunkene Onkel, der versucht, eine Hochzeitsrede rauszubringen", heißt es in einem Tweet. "Weder Trump noch irgendjemand von seinen Helfern in der ersten Reihe tragen Ohrhörer, um Trudeaus Äußerungen auf Französisch zuzuhören", hat ein anderer Twitterer beobachtet. Amüsiert-böses Fazit: "Trudeau zweisprachig: Englisch und Französisch. Trump zweisprachig: Lügen und Bullshit."
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