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Afghanistan-Strategie: So wütend reagieren Trumps treueste Anhänger auf seine Kehrtwende

Donald Trump bricht ein Wahlversprechen und stockt die US-Truppen in Afghanistan auf statt sie abzuziehen. Seine Unterstützer sind zutiefst verärgert. Trump sei die größte Bedrohung für seine eigene Wiederwahl.

Sie haben es ja gewusst. Sobald der frühere ultrarechte Chef-Stratege und "Präsidentenmacher" Steve Bannon nicht mehr im Stab von Donald Trump sein würde, werde der US-Präsident von seiner "America First"-Doktrin abrücken und "dieselben alten Pfade beschreiten, die die Amerikaner im November abgewählt hatten", wie das ultrarechte Portal "Breitbart" schon kurz nach Trumps Afghanistan-Rede schrieb. Für nicht wenige Kommentatoren, die Trump während seines Wahlkampfes mit Enthusiasmus gefolgt sind und zu seinem Wahlsieg beigetragen haben, ist genau dies nun passiert. Kaum ist Bannon seit vergangenem Freitag raus aus dem Weißen Haus enttäuscht der US-Präsident seine Anhänger mit einer "Business-As-Usual"-Rede zur Afghanistan-Strategie der USA.

Allen voran die stramm konservative Kommentatorin Ann Coulter. Die Autorin des Buches "In Trump We Trust" ließ ihrer Enttäuschung freien Lauf als sie twitterte: "Es ist egal wen Sie wählen, der militärisch-industrielle Komplex gewinnt. Einziger Unterscheid: Republikanische Präsidenten sprechen "Pakistan" richtig aus." Da klingt viel Frust mit.


In einem weiteren, späteren Tweet, der sich gar nicht mit dem Afghanistan-Thema beschäftigt, bezeichnete Coulter Trump selbst gar als "Bedrohung seiner Wiederwahl":


Donald Trump: "Eigentlich folge ich meinen Instinkten"

Tatsächlich versuchte auch Trump selbst nicht zu verbergen, dass er in der Afghanistan-Strategie eine Rolle rückwärts im Vergleich zu seinen markigen Wahlkampf-Aussagen gemacht hatte. "Wir müssen raus aus Afghanistan. Unsere Soldaten werden von den Afghanen getötet, die wir ausgebildet haben, und wir verschleudern Milliarden da. Nonsense!" Dieser Twittertext stammt vom 11. Janaur 2013:


Nun sagte Trump: "Mein ursprünglicher Instinkt war es, rauszugehen, und normalerweise folge ich meinen Instinkten." Aber nun habe er erkennen müssen, dass die Dinge anders aussehen, sobald man am Schreibtisch im Oval Office sitzt. Nach vielen Gesprächen sei er nun überzeugt, dass Afghanistan zu einem sicheren Rückzugsort für Terroristen werde, sobald die US-Truppen abgezogen seien. Dann würde das Land auch wieder zur Bedrohung für die USA. Um dies zu verhindern, müsse die Armee in Afghanistan bleiben, das Kontingent werde sogar aufgestockt. Eines müsse aber klar sein: "Wir bauen da keine Nation auf. Wir töten Terroristen."

Im gleichen Maße wie Nato und westliche Regierungen Trumps Worte begrüßten, hagelte es von Seiten seiner Unterstützer Kritik. "Afghanistan first", twitterte Fox News Radio-Moderator Todd Starnes kurz und bündig. Und Jesse Kelly, ein Autor für den erzkonservativen Polit-Blog "The Resurgent", stellte klipp und klar fest: "Es ist Zeit, Afghanistan zu verlassen. Ich bin komplett enttäuscht, dass Trump uns nicht rausbringt." Natürlich bringe es Vorteile, in jedem Land der Erde Truppen stationiert zu haben, argumentiert er in einer weiteren Mitteilung. Das bedeute aber nicht, dass es richtig sei.


"Das ist ein Staatsstreich"

Die Enttäuschung in seinem Lager sitzt offensichtlich tief. Ob dies Trump mehr schaden kann als seine bisherigen Eskapaden muss sich zeigen. Immerhin war es nicht zuletzt die massive Unterstützung konservativer bis rechter Medien, die den 71-Jährigen entgegen aller Voraussagen ins Amt brachte. Angesichts dessen klingen Tweets wie die von Justin Raimondo von der anti-interventionistischen Webseite "Antiwar.com" aggressiv: "Von America First zu America Last - das hat ja nicht lange gedauert". Raimondo warnt an anderer Stelle sogar davor, dass sich die Trump-Basis "radikalisiert", diese gar in "offener Rebellion" sei.

Vor allem wird Trump vorgeworfen, nun genauso zu reden wie sein Vorgänger Barack Obama und damit das im Wahlkampf so hasserfüllt attackierte Washingtoner Establishment. Der US-Journalist Michael Tracey twittert vielsagend einen Vergleich zwischen den Afghanistan-Statements von Obama im Jahr 2009 und jenen Trumps:


Schließlich twittert sich "Antiwar.com"-Mann Raimondo regelrecht in Rage und spricht von nichts weniger als einem Staatsstreich: "Wir haben nicht die Junta gewählt - wir haben jemanden gewählt, der sagte, lasst uns verdammt nochmal aus dem afghanischen Höllenloch verschwinden. Das ist ein Coup d'etat." 


dho / dho