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US-Präsident gegen Online-Netzwerk: Zoff geht in die nächste Runde: Twitter markiert Trump-Tweet als gewaltverherrlichend

Nächste Stufe in der Konfrontation zwischen Twitter und Donald Trump: Nachdem der US-Präsident eine stärkere Reglementierung der sozialen Netzwerke verfügt hat, kennzeichnete Twitter einen Trump-Tweet als gewaltverherrlichend.

Donald Trump vs. Twitter und Co.

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat sich vorerst nicht von einer Verfügung von US-Präsident Donald Trump beeindrucken lassen, mit der dieser die sozialen Netzwerke stärker regulieren will. Trump, bekanntermaßen eifriger Twitter-Nutzer, hatte aus Verärgerung darüber, dass einer seiner Tweets gemäß den Regeln des Dienstes erstmals einem Faktencheck unterzogen worden war, eine Reglementierung der sozialen Netzwerke angeordnet - angeblich, um die Meinungsfreiheit zu sichern. Am Freitagmorgen (MESZ) kennzeichnete Twitter nun einen Trump-Tweet zu den gewaltsamen Ausschreitungen nach dem Tod des Schwarzen George Floyd durch einen brutalen Polizeieinsatz als "gewaltverherrlichend" und unterdrückte damit gleichzeitig Kommentare zu dem Tweet.

Von Twitter als gewaltverherrlichend markierter Tweet

Von Twitter als gewaltverherrlichend markiert: Tweet von Donald Trump zu den Ausschreitungen in Minneapolis.

Das Posting Trumps hatte zuvor in den sozialen Medien bereits für Aufsehen gesorgt. Trump schrieb: "... diese SCHLÄGER beschädigen das Andenken an George Floyd, und ich werde das nicht zulassen. Ich habe gerade mit Gouverneur Tim Walz gesprochen und ihm versichert, dass das Militär an seiner Seite ist. Bei der kleinsten Schwierigkeit werden wir die Kontrolle übernehmen, aber wenn Plünderungen beginnen, beginnt das Schießen! Vielen Dank!"

Twitter: Trump-Tweet von öffentlichem Interesse

Einige Social-Media-Nutzer kritisierten zum einen, dass der Präsident die Demonstranten gegen die Polizeigewalt pauschal als "Schläger" bezeichne, vor allem aber wurde der letzte Satz als Drohung interpretiert, der zudem unterschwellig zur Gewalt aufrufe. Twitter kennzeichnete den Tweet als gewaltverherrlichend und versah ihn mit einer entsprechenden Notiz. Er bleibe aber auf der Plattform, weil dies im öffentlichen Interesse sei, hieß es in den Erläuterungen. In einigen Twitter-Ansichten sieht man statt des Tweets zunächst nur den Warnhinweis und muss sich erst zu dem Beitrag durchklicken.

Twitter-Hinweis, warum man den gekennzeichneten Tweet Donald Trumps zu den Ausschreitungen in Minneapolis nicht kommentieren kann.

Twitter-Hinweis, warum man den gekennzeichneten Tweet Donald Trumps zu den Ausschreitungen in Minneapolis nicht kommentieren kann.

Zudem ist die Möglichkeit, Trumps Tweet zu kommentieren, durch die Markierung unterdrückt. Wer einen Kommentar verfassen will, gelangt lediglich zu einer weiteren Erläuterung: "Wir versuchen zu verhindern, dass ein Tweet wie dieser, der anderweitig gegen die Twitter-Regeln verstößt, noch mehr Nutzer erreicht", heißt es dort. Die meisten Interaktionsmöglichkeiten seien daher unterdrückt worden. Trump, der in einem zweiten, gleichzeitigen Tweet die Ausschreitungen in Minneapolis scharf verurteilte sowie den Bürgermeister der Stadt als "radikal links" bezeichnete und ihm Führungsversagen vorwarf, hat bisher nicht auf die Kennzeichnung seines Tweets reagiert. Die Aktion könnte den Streit zwischen Twitter und dem US-Präsidenten weiter zuspitzen.

Quellen: Tweet Donald Trump, Nachrichtenagentur DPA, Twitter-Regeln: Ausnahme öffentliches Interesse

dho