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Twitter-Ausraster: "Armselige Ausrede": Trump beleidigt Londoner Bürgermeister erneut

Donald Trump hat nach dem Anschlag von London viel getwittert. Erst griff er den Londoner Bürgermeister an, forderte weniger politische Korrektheit und plädierte für das Einreiseverbot. Jetzt legte der US-Präsident nochmal nach.

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Donald Trump kann es nicht lassen. Der US-Präsident twitterte sich nach dem Anschlag von London am Samstagabend die Finger wund. Elf Kurznachrichten hat der US-Präsident seitdem abgesondert. Es ist zu befürchten, dass es noch mehr werden. Trump nutzte den Anschlag in der britischen Hauptstadt, um für seine eigenen politischen Ziele zu werben, und er griff den Londoner Bürgermeister, Sadiq Khan, eneut scharf an - von Beileid und tröstenden Worten für die Opfer keine Spur.

Stattdessen postete Trump noch am Samstagabend zuerst einen Tweet, in dem er seine Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime aus sechs Ländern bekräftigte. Am Pfingstmontag legte er nochmal nach und forderte eine "viel härter Version" als diejenige, über die das Oberste Bundesgericht der USA in naher Zukunft entscheidet.

Donald Trump beschimpft die eigenen Gerichte als "politisch"

Trump lederte los, das Justizministerium hätte bei der ursprünglichen Fassung des Verbots bleiben sollen und nicht dem Obersten Gerichtshof eine "verwässerte, politisch korrekte Version" vorlegen sollen. In einem zweiten Tweet fügte er wenige Minuten später hinzu, das Justizministerium hätte eine "beschleunigte Anhörung des verwässerten Einreiseverbots vor dem Obersten Gericht beantragen" sollen und eine "viel härtere Version" anstreben müssen. In einer dritten Kurzbotschaft erklärte er, in jedem Fall würden Einreisende in die USA "drastischen Kontrollen" unterworfen, "damit unser Land sicher bleibt". "Die Gerichte sind so langsam und politisch", setzte Trump hinzu.



Im Streit um den Einreisebann hatte das Justizministerium am Donnerstag den Obersten Gerichtshof angerufen. Zuvor hatte ein Berufungsgericht erneut entschieden, dass der von Trump angeordnete Einreisestopp vorerst ausgesetzt bleibt. In einem ungewöhnlichen Schritt beschloss das Gericht am Freitag, seine Entscheidung über eine Annahme der Klage zu beschleunigen. 

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Trump attackiert Londoner Bürgermeister per Twitter

Trump nutzte die Terrorattentate aber nicht nur, um für seine eigenen politischen Ziele zu werben. Er attackierte den Londoner Bürgermeister, Sadiq Khan, indem er, bewusst oder unbewusst, ein Zitat Khans aus dem Zusammenhang riss. Khan, der erste muslimische Bürgermeister Londons, hatte den Bürgern in seiner Stadt nach dem Attentat unter anderem gesagt, es gebe "keinen Grund alarmiert zu sein". Khan bezog sich mit seinem Zitat aber auf die extrem starke Polizeipräsenz auf den Straßen und nicht auf die Bedrohung durch Terroristen.

Wie unangenehm Trumps Attacke auf Khan selbst US-Diplomaten ist, wurde durch einen Tweet der US-Botschaft in London deutlich. Botschafter Lewis Lukens lobte den Bürgermeister ausdrücklich für seine "Führungsstärke" ("strong Leadership") - ein offener Affront gegen den US-Präsidenten: "Amerika trauert mit Ihnen. (…) Ich lobe die starke Führung des @MayorofLondon, mit der er die Stadt nach dieser heimtückischen Attacke voranbringt."

In einem weiteren Tweet erneuerte Trump den Vorwurf an Khan und sprach von einer "armseligen Ausrede" Khans. Dieser müsse jetzt schnell über seine Aussage nachdenken, es gebe keine Grund zur Panik.


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Mit Material von AFP