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Auszählungskrimi in den USA "Verteidigt die Wahl": Trump bombardiert Anhänger mit Hetz-Mails und Spenden-Aufrufen

"Die Demokraten werden versuchen, die Wahl zu stehlen": Nur eine aus einer Flut von E-Mails, die Trumps Wahlkampfteam in den vergangenen Stunden an die Anhänger des Präsidenten verschickt hat
"Die Demokraten werden versuchen, die Wahl zu stehlen": Nur eine aus einer Flut von E-Mails, die Trumps Wahlkampfteam in den vergangenen Stunden an die Anhänger des Präsidenten verschickt hat
© Screenshot E-Mail von Team Trump / stern-online
Die Zitterpartie bei der US-Wahl zieht sich weiter hin. Präsident Donald Trump macht derweil bei seinen Anhängern massiv Stimmung gegen die Demokraten und versucht, Geld für Klagen gegen die Auszählungen einzutreiben.

Wer sich zur US-Präsidentschaftswahl auf den E-Mail-Verteiler von Donald Trumps Wahlkampfteam hat setzen lassen, kennt den Anblick: Man öffnet morgens sein Postfach und es ist voller Nachrichten des Präsidenten, seines Stellvertreters, seiner Wahlkampfzentrale oder seiner Berater und Verwandschaft, was ja häufig dasselbe ist.

28 Mails seit Schließung der Wahllokale

Monatelang hat das Team Trump unermüdlich eine Mail-Salve nach der anderen auf die Unterstützer des Präsidenten abgefeuert. Doch seit am Mittwoch um 7 Uhr MEZ die letzten Wahllokale in den USA geschlossen wurden, haben die (Nach-)Wahlkämpfer die Läufe endgültig zum Glühen gebracht. 28 Mails hat das Team Trump seither verschickt (Stand: Donnerstag, 12 Uhr), in 27 davon ist die Rede von Wahlbetrug.

"Die Demokraten versuchen, diese Wahl zu stehlen!",

heißt es etwa darin.

Oder:

"Genau wie ich von Anfang an vorausgesagt habe, führen die Briefwahlen zu einem Chaos, wie Sie es noch nie gesehen haben. [...] Die radikale Linke wird alles tun, was nötig ist, um Ihnen einen Trump-Pence-Sieg zu entreißen."

Oder:

"Ich wusste, dass die Demokraten eine weitere niederschmetternde Niederlage nicht akzeptieren würden, und jetzt versuchen sie, die Ergebnisse zu verfälschen. Das ist Wahnsinn!"

Präsidentschaftskandidat

Tatsächlich gibt es keinerlei Hinweise auf irgendeine Form der versuchten Wahlmanipulation durch die Demokraten oder irgendeine andere Institution und Trumps Wahlkämpfer liefern auch keinerlei Belege für ihre Behauptungen.

Trump richtet "Wahlverteidigungsfonds" ein

Das hat den Präsidenten aber nicht daran gehindert, einen "Official Election Defense Fund" einzurichten, wie er ihn nennt. Mithilfe dieses "Offiziellen Wahlverteidigungsfonds" soll der noch gar nicht feststehende, vermeintliche Wahlsieg des Präsidenten vor Gericht verteidigt werden. "Ich brauche jeden Patrioten, einschließlich Ihnen, der vortritt und sicherstellt, dass wir genügend Ressourcen haben, um die Integrität unserer Wahl zu schützen", appelliert Trump an seine Fans.

Mail-Flut nach der Wahl: E-Mail-Postfach voller Warnbotschaften und Spendenaufrufen des Team Trump
Mail-Flut nach der Wahl: E-Mail-Postfach voller Warnbotschaften und Spendenaufrufen des Team Trump
© privat / stern-online

Und an anderer Stelle fordert er: "Ich brauche Ihre Hilfe, um sicherzustellen, dass wir die Ressourcen haben, um die Ergebnisse zu schützen. Wir können nicht zulassen, dass der linke Mob unsere Wahl untergräbt. Ich fordere meine schärfsten und loyalsten Verteidiger wie Sie auf, zurückzuschlagen!"

Ähnliche Botschaften bekommen die Trump-Anhänger von Absendern wie "Mike Pence" (Trumps Vizepräsident), "Defend President Trump" (Verteidigt Präsident Trump), "Defend the Election" (Verteidigt die Wahl) oder "Election Defense Fund" (Wahlverteidigungsfonds). 

Jede dieser Mails ist mit der Aufforderung versehen, Geld zu spenden und enthält reihenweise Links zu Spendenseiten. Die Texte sind durchzogen mit Versalien und rot und gelb markierten Begriffen und Sätzen. Angesichts der Aufmachung und des aggressiven Tons der Botschaften und der aufgeladenen Stimmung in den USA kann man nur hoffen, dass keiner der Empfänger den Aufruf zurückzuschlagen wörtlich nimmt.

stern-Journalist Niels Kruse zu Trump und zur US-Wahl 2020

Sehen Sie im Video: Trump poltert, Biden wartet ab: Wie geht’s jetzt weiter? stern-Experte Kruse zur Zitterpartie in den USA.


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