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Berichte über "Fantasiewelt" Donald Trump glaubt offenbar wirklich, dass er im Sommer "wieder in sein Amt eingesetzt" wird

Donald Trump auf einem Foto vom November 2020
"So sehr von der realen Welt entfernt, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll, bei dem Versuch, ihn zu erklären": Ex-US-Präsident Donald Trump
© Andrew Caballero-Reynolds / AFP
Seit Monaten verbreiten Donald Trump und die Republikaner die Mär von einer gestohlenen Wahl und lassen vielerorts Stimmauszählungen prüfen. Berichten zufolge denkt Trump ernsthaft, dass ihn das demnächst zurück ins Weiße Haus bringt.

Am Dienstag postete die "New York Times"-Journalistin Maggie Haberman eine kaum zu glaubende Behauptung auf Twitter: Ex-US-Präsident Donald Trump soll ernsthaft davon ausgehen, dass er in wenigen Monaten wieder ins Weiße Haus einzieht. "Trump hat einer Reihe von Leuten, mit denen er in Kontakt steht, gesagt, dass er erwartet, dass er bis August wieder in sein Amt eingesetzt wird", twitterte Haberman und stellte in Klammern dahinter klar: (Nein, so funktioniert das nicht, aber [ich] teile einfach die Information).

Konservativer Autor bestätigt Trumps "Wahnvorstellungen"

So abwegig diese Vorstellung wirkt, sie scheint tatsächlich zu stimmen: "Die Berichterstattung von Haberman war korrekt", bestätigte der konservative Autor und Journalist Charles C. W. Cooke jetzt im US-Magazin "National Review". "Donald Trump glaubt in der Tat ganz ernsthaft, dass er – zusammen mit den ehemaligen Senatoren David Perdue und Martha McSally – in diesem Sommer 'wieder eingesetzt' wird in das Amt, nachdem 'Überprüfungen' der Wahlen von 2020 in Arizona, Georgia und einer Handvoll anderer Bundesstaaten abgeschlossen sind", schreibt Cooke unter Berufung auf "eine Reihe von verschiedenen Quellen".

Er könne außerdem bezeugen, dass Trump energisch versuche, Journalisten, Politiker und andere einflussreiche Persönlichkeiten zu rekrutieren, um diese Ansicht zu verkünden – "nicht als Mittel zum Spendensammeln oder infantiles Trollen oder als Versuchsballon, sondern als Tatsache", berichtete der Journalist.

Mit einer Wiedereinsetzung von Perdue und McSally, die bei den Wahlen im November ihre Sitze im Senat für die Bundesstaaten Georgia beziehungsweise Arizona verloren hatten, würden die Republikaner in der Kongresskammer ihre Stimmenmehrheit zurückbekommen.

Obwohl es für ein solches Szenario nicht die geringste verfassungsrechtliche Grundlage gibt, warnte Cooke die Konservativen davor, den Bericht herunterzuspielen oder abzutun. "Wir sprechen hier nicht über eine Randfigur innerhalb der republikanischen Lagers, sondern über einen Mann, der hofft, Unterstützung für seine haarsträubenden Ansprüche zu generieren, 'eine Art Lackmus-Test, während er entscheidet, wen er bei staatlichen und bundesstaatlichen Wettstreits 2022 und 2024 unterstützt.'"

US-Verfassung bietet keinerlei Grundlage für Wiedereinsetzung

Das Ausmaß von "Trumps Wahnvorstellungen" sei erschreckend und nicht nur eine exzentrische Interpretation der Fakten oder eine Marotte oder das Geschwätz eines verärgerten Ex-Präsidenten. "Es ist eine Ablehnung der Realität, eine Ablehnung des Gesetzes und letztlich eine Ablehnung des gesamten amerikanischen Regierungssystems."

Die Konservativen hätten nichts zu gewinnen, wenn sie Trump in seine "Fantasiewelt" folgten, erklärte Cooke. Dessen Hirngespinste abzulehnen, lösche nicht seine Errungenschaften aus oder mache alles andere, was er gesagt habe, falsch. Es unterstütze auch nicht seinen Nachfolger Joe Biden oder verrate die republikanische Partei. Es verlange lediglich, dass Trump wie jede andere Person betrachtet werde: "Er unterliegt der Schwerkraft, darf widerlegt werden und kann ausgelacht werden, wenn er sich so sehr von der realen Welt entfernt, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll, bei dem Versuch, ihn zu erklären."

Selbst wenn die Lüge vom Wahlbetrug 2020 wahr wäre, was sie nachgewiesener Maßen nicht ist, wäre Trumps Vorstellung immer noch absurd, hält Cooke fest. "Es könnte morgen bestätigt werden, dass Agenten, die für eine Kombination aus al Kaida, Venezuela und George Soros arbeiten, sich in jede einzelne Wahlmaschine im Land gehackt und die Gesamtzahlen um zig Millionen verändert haben, dann gäbe es immer noch keinen Mechanismus innerhalb der amerikanischen Rechtsordnung für eine Reversion jeglicher Art.

In einem solchen Fall würde es Anklagen, ein Amtsenthebungsverfahren und eine Verfassungskrise geben, schreibt Cooke. Aber Trump würde nicht wieder in die Präsidentschaft eingesetzt werden. So funktioniere Amerika nicht. "Amerikanische Politiker verlieren nicht ihre Wiederwahlrennen, nur um später wieder eingesetzt zu werden, so wie das zweitplatzierte Pferd in einem Rennen, dessen Sieger disqualifiziert wurde", erklärt der Journalist. "Die Idee ist weltfremd und obszön."

Quellen: "National Review", Maggie Habermann auf Twitter

mad

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