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Nach Kritik an China: Trump lässt US-Air Force Korea überfliegen

Donald Trump geht mit China hart ins Gericht. Sein Vorwurf: Peking tue nichts gegen das Raketenprogramm Nordkoreas. Als Warnung an Nordkorea hielten die USA mit ihren Verbündeten Südkorea und Japan gemeinsame Militärmanöver ab.

Erst äußert Donald Trump sich enttäuscht über China nach dem Test einer Interkontinental-Rakete in Nordkorea - dann handelt der US-Präsident selbst, wie es aussieht. Das legen zumindest Berichte nahe, die unter anderem von der Nachrichtenagentur Reuters ausgehen. Demnach hat Trump zwei Kampfflugzeuge der Air Force über der koreanischen Halbinsel fliegen lassen. Die Bomber vom Typ B-1B seien im US-Bundesstaat Texas gestartet, über den japanischen Luftraum geflogen und seien über der Halbinsel von südkoreanischen Kampfjets begleitet worden, heißt es. 

Trump wirft China Untätigkeit vor

Trump erhöht damit offenbar den Druck auf China. Er warf Pjöngjangs wichtigstem Verbündeten vor, nichts gegen die fortwährenden Provokationen Nordkoreas zu unternehmen. "Ich bin sehr enttäuscht von China", erklärte Trump am Samstag auf Twitter.


Trump warnte Peking mit den Worten: "Wir werden das nicht länger zulassen. China könnte dieses Problem leicht lösen." Seine Vorgänger hätten zugesehen, wie Peking "hunderte Milliarden Dollar jährlich durch Handel" erwirtschaftet habe, schrieb Trump offenbar in Bezug auf die US-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen. "Aber bisher tun sie nichts für uns mit Nordkorea, sie reden nur."

Nordkorea hatte nach US-Angaben am Freitag zum zweiten Mal innerhalb eines Monats eine Interkontinentalrakete abgefeuert. Machthaber Kim Jong Un sagte, der Test zeige, dass Nordkorea "jederzeit" das gesamte Festland der USA treffen könne.

Trump nennt den Test "rücksichtslos und gefährlich"

Der erneute Raketentest war bereits der zweite innerhalb eines Monats und erfolgte nur wenige Stunden nach einem Sanktionsbeschluss des US-Senats gegen die Führung in Pjöngjang. Bereits am 4. Juli hatte Nordkorea verkündet, es habe in einem "historischen Durchbruch" als "Geschenk" an die USA erstmals erfolgreich eine Interkontinentalrakete getestet.

Die internationale Gemeinschaft verurteilte den jüngsten Raketenabschuss. Trump bezeichnete den Test als "rücksichtslos und gefährlich". Die EU warf Pjöngjang "eine ernsthafte Bedrohung des internationalen Friedens" vor. Auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel erklärte, Nordkorea habe "erneut in skrupelloser Weise gegen geltendes Völkerrecht verstoßen und den regionalen und internationalen Frieden bedroht".


Die Regierung in Peking verurteilte den erneuten Raketentest ebenfalls. Zugleich rief das chinesische Außenministerium alle Parteien zur Zurückhaltung auf, um eine weitere Zuspitzung des Konflikts zu vermeiden. China gilt als wichtigster Verbündeter der international weitgehend isolierten Führung in Pjöngjang.

USA halten Nordkorea für größte Gefahr

Die USA pochen seit langem darauf, dass Peking den Druck auf Nordkorea erhöht. US-Außenminister Rex Tillerson warf China und auch Russland am Samstag vor, sie trügen eine "eindeutige und besondere Verantwortung" für die Verschärfung des Konflikts, indem sie Nordkoreas Raketenprogramm wirtschaftlich ermöglichten.

Als Warnung an Nordkorea hielten die USA und Südkorea ein gemeinsames Militärmanöver ab. Nach Angaben der US-Armee feuerten die Streitkräfte am Samstagmorgen Kurzstreckenraketen vor der Ostküste Südkoreas ins Meer. Außerdem überflogen US-Langstreckenbomber sowie südkoreanische und japanische Kampfflugzeuge bei einer mehrstündigen Übung die koreanische Halbinsel. Zudem erörterten die USA und Südkorea laut Pentagon "mögliche militärische Antwortoptionen".

Von Nordkorea gehe weiterhin die größte Gefahr für die regionale Stabilität aus, sagte US-Luftwaffengeneral Terrence O'Shaughnessy. Falls die USA dazu gezwungen würden, seien sie bereit, "mit überwältigender Kraft" zuzuschlagen. Nordkorea arbeitet seit Jahren an der Entwicklung von Atomwaffen sowie Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe womöglich bis in die USA getragen werden könnten. Der UN-Sicherheitsrat verhängte mehrfach Sanktionen gegen das international weitgehend isolierte Land.

jen / AFP