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Parade am Nationalfeiertag: Überraschende Rede: Donald Trump lobt völlig uneitel etwas, das nicht er selbst ist

Kein Feuer und Zorn, sondern Lob und Huldigung war am US-Nationalfeiertag von Donald Trump zu hören. Bei seinem Auftritt in Washington hielt der Meister der Aufmerksamkeit eine überraschend uneitle Rede. Letztlich aber ging es dennoch nur um ihn.

Washington: Trump feiert das Militär mit pompöser Flugschau – "Der Himmel gehört den USA!"

"Was für ein Scheiß" – mit diesen Worten soll George W. Bush vor zweieinhalb Jahren die Antrittsrede seines Nachfolgers Donald Trump kommentiert haben. Statt sich staatsmännisch und versöhnlich ans amerikanische Volk zu wenden, hatte der frisch eingeführte US-Präsident einfach nur eine weitere, übelgelaunte Wahlkampfrede gehalten. Das Entsetzen war groß, auch deshalb, weil Antrittsreden üblicherweise den Sound einer Präsidentschaft setzen. Und da macht auch ein Donald Trump keine Ausnahme. Regelmäßig irritiert er Freunde und Verbündete mit seiner Amerika-gegen-alle-Egoshow. Umso überraschender nun sein Auftritt am Nationalfeiertag.

Donald Trump wünschte sich Bombast

Üblicherweise ist der 4. Juli reserviert für Barbecue und Familie, die Staatsoberhäupter besuchen im Freizeitdress verdiente Bürger, nur Donald Trump schert sich nicht um solche Konventionen. Inspiriert durch den Feiertagspomp der Franzosen ließ auch der US-Präsident zum Unabhängigkeitstag Militär auffahren und auffliegen. Nicht so bombastisch wie ursprünglich erhofft, aber bombastisch genug, um sich den Unmut der Opposition zuzuziehen. Und als wäre das alles nicht schon Eskapade genug, musste sich Donald Trump mit einer Rede noch mehr in den Mittelpunkt stellen, als er und seine Regierung an diesem Tag ohnehin schon standen.

Donald Trump blickt nach oben.

Gegen den Regen ist selbst ein US-Präsident machtlos

AFP

Joe Biden, Präsidentschaftsbewerber und früherer Vizepräsident sagte, die Zeremonie diene mehr dazu, Trumps "Ego zu streicheln als die amerikanischen Ideale zu feiern". Doch zumindest im letzten Punkt sollte er sich irren. Selten war der US-Präsident so voll des Lobes über etwas, das nicht ihn selbst betrifft. Hinter einer regennassen Wand aus schusssicherem Glas pries er die "außergewöhnlichste Nation in der Weltgeschichte", für die "nichts unmöglich ist" und die "besten Soldaten auf der Erde" beheimate. Er ging auf wichtige Momente der US-Geschichte ein, pries die Armee und ihre Erfolge, feierte wissenschaftliche Entdeckungen und Pioniertaten in der Raumfahrt. Er würdigte die Polizei und Einsatzkräfte bei den Terroranschlägen vom 11. September sowie Vertreter der US-Einwanderungspolizei ICE.

Präsidialer Patriotismuspathos

Kurzum: Seine Rede bestand aus 98 Prozent fantastischer USA und zwei Prozent Trump. Möglicherweise betrachtet er die in den schillernsten Farben getünchten Errungenschaften Amerikas als seinen persönlichen Verdienst. Auszuschließen ist das nicht. Aber was das Publikum zu hören bekam, war schlicht präsidialer Patriotismuspathos. "Heute ist unsere Nation stärker als jemals zuvor", rief Trump am Lincoln Memorial wo schon der Bürgerrechtler Martin Luther King seine berühmte "I Have a Dream"-Rede gehalten hatte. Trumps Anhänger, die zu abertausenden aus dem ganzen Land angereist waren, bejubelten die Worte mit "USA! USA!"-Rufen.

Obwohl der US-Präsident nur selten eine Gelegenheit auslässt, seine echten wie vermeintlichen Gegner und Kritiker zu schmähen, verzichtete er diesmal auf Feuer und Zorn. Stattdessen rief er seine Nation zur Einheit auf. "Mit dieser sehr besonderen Ehrenbezeugung für Amerika kommen wir heute als eine Nation zusammen", sagte er. "Wir feiern unsere Geschichte, unser Volk und die Helden, die stolz unsere Flagge verteidigen. Wir sind ein Volk, das einen Traum und ein großartiges Schicksal verfolgt. Wir alle teilen dieselben Helden, dasselbe Zuhause, dasselbe Herz, und wir sind alle von demselben allmächtigen Gott geschaffen worden."

Auch wenn Trumps ungewohnt uneitle Worte den einen Kritiker widerlegt und den anderen sogar gelangweilt haben mögen, einen neuen Sound wird man vom US-Präsidenten eher nicht erwarten können. Eine brauchbare Rede macht noch lange keinen Staatsmann, außerdem beträgt die Halbwertszeit seiner Äußerungen selten mehr als wenige Tage – wenn überhaupt. Das alles wird den Meister des Mittelpunkts ohnehin kaltlassen, denn er weiß, dass seine Konventionslosigkeit ihm die gewünschte Aufmerksamkeit einbringt. Alles andere interessiert ihn ohnehin nicht.