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Neu gewählter Kongress nimmt Arbeit auf: Von "Europa ist mir egal" bis zum "Shutdown" – Trump zwischen Attacke und ausgestreckter Hand

Der "Shutdown" in den USA zwingt Donald Trump dazu, im Inland versöhnlichere Töne anzuschlagen – dafür teilt der US-Präsident gegen Europa aus.

US-Präsident Donald Trump

US-Präsident Donald Trump

DPA

Inmitten des teilweisen Stillstands der Regierungsgeschäfte in den USA kommt der Kongress erstmals in neuer Konstellation zusammen. Die oppositionellen Demokraten übernehmen am Donnerstag (18.00 Uhr MEZ) die Kontrolle über das Repräsentantenhaus, im Senat haben die Republikaner von US-Präsident Donald Trump weiter die Mehrheit. Bei der Kongresswahl Anfang November waren alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie 35 der 100 Sitze im Senat neu vergeben worden. Beide Kammern tagen an diesem Donnerstag erstmals in neuer Besetzung.

Seit fast zwei Wochen liegen die Regierungsgeschäfte zum Teil lahm. Kurz vor Weihnachten war eine Haushaltssperre für mehrere Bundesministerien in Kraft getreten, weil ein Budgetgesetz für diese Ressorts fehlt. Trump hatte sich geweigert, ein Gesetz zu unterzeichnen, wenn darin nicht rund fünf Milliarden Dollar für die von ihm seit langem geforderte Mauer an der Grenze zu Mexiko bereitgestellt würden. Die Demokraten lehnen Trumps Forderung jedoch ab. Wegen des "Shutdowns" sind Hunderttausende Regierungsbedienstete zu Zwangsurlaub verdammt oder müssen vorerst ohne Gehalt arbeiten.

Im Streit um den "Shutdown" brachte am Mittwoch auch ein Treffen von Trump mit Spitzen der oppositionellen Demokraten und seiner Republikaner keinen Durchbruch. Die designierte demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, kündigte nach dem Gespräch an, bei der konstituierenden Sitzung der Kammer an diesem Donnerstag einen Entwurf für ein Budgetgesetz vorzulegen. Das Weiße Haus hat die Vorlage aber als "Rohrkrepierer" abgetan, weil darin nicht die nötigen Mittel für eine Grenzsicherung vorgesehen seien.

Ringen um die Mauer zu Mexiko

Trump hatte kurz vor dem Treffen betont, er fordere weiterhin 5,6 Milliarden Dollar für den Bau eines Teils einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Der Fraktionschef von Trumps Republikanern im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, sagte nach dem Treffen am Mittwoch, Trump habe für diesen Freitag um ein weiteres Gespräch mit Spitzenvertretern beider Parteien im Weißen Haus gebeten.

Nach dem Spitzentreffen am Mittwoch rief Trump beide Parteien dazu auf, für ein Budgetgesetz zusammenzuarbeiten, "das diese Nation und ihr Volk schützt". Er sei bereit, dafür mit den Demokraten zusammenzuarbeiten, schrieb Trump auf Twitter.

Die Demokraten schlagen ein Budgetgesetz vor, das die Finanzierung fast aller vom "Shutdown" betroffenen Ministerien bis Ende September sicherstellen würde. Das Heimatschutzministerium – in dessen Aufgabengebiet die Grenzsicherung fällt – wäre lediglich bis zum 8. Februar finanziert. Pelosi verwies darauf, dass dadurch ein guter Monat Zeit bleibe, um den Streit über die Mauer auszuräumen.

Donald Trump: "Europa ist mir egal"

Mit ihrer neuen Dominanz im Repräsentantenhaus können die Demokraten Trump auch in anderen Fragen das Leben schwer machen. Sie können etwa Untersuchungen gegen ihn einleiten oder Gesetzesvorhaben blockieren. Pelosi will sich bei der Auftaktsitzung zur Vorsitzenden der Kammer wählen lassen.

In der Außenpolitik stehen die Zeichen derweil auf Konfrontation: Der US-Präsident sieht sich in seiner Politik durch die Unbeliebtheit in weiten Teilen Europas bestätigt. 

"Wenn ich in Europa beliebt wäre, würde ich meine Arbeit nicht machen", sagte Trump am Mittwoch am Rande einer Kabinettssitzung vor Journalisten im Weißen Haus. "Europa ist mir egal. Ich bin nicht von Europäern gewählt, sondern von Amerikanern." Der republikanische US-Präsident betonte erneut, dass europäische Staaten wie Deutschland seiner Ansicht nach nicht ausreichend in ihre Verteidigung investieren und stattdessen die USA ausnutzen. 

Der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat und künftige Senator Mitt Romney hatte am Mittwoch in einem Gastbeitrag in der "Washington Post" Kritik unter anderem an Trumps Außenpolitik geäußert. Romney hatte dabei auch auf Trumps oftmals schlechte Beliebtheitswerte in Europa verwiesen. 

wue / DPA