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Michael Cohen und Kim Jong Un: Donald Trump und seine mieseste Woche als US-Präsident

Er flog als Friedensstifter nach Vietnam und kehrt zurück als "Lügner und Betrüger": Donald Trump hat erst keinen Erfolg beim Gipfel mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un und dann packt auch noch sein Ex-Anwalt aus - Trumps mieseste Woche.

Donald Trump hatte eine miese Woche

Donald Trump erscheint nach ein paar miesen Tagen auf der Pressekonferenz in Hanoi

DPA

Wie mies die Woche für Donald Trump gelaufen ist, ließ sich eindrucksvoll an seiner Pressekonferenz ablesen. Die fing schon viel früher an als geplant, was daran lag, dass der so hoffnungsvoll gestartete Gipfel mit Kim Jong Un am zweiten Tag vorzeitig abgebrochen wurde. Der selbsternannte Dealmaker wollte nichts weniger als Frieden und Abrüstung und stand dann plötzlich mit leeren Händen da. Wie verkauft man das der Weltöffentlichkeit?

Vietnam, Pakistan, Indien, Venezuela

Der US-Präsident nahm also Anlauf, umkurvte das blöde Thema aber fürs Erste, indem er dem Gastgeberland Vietnam dankte, und die "unglaublichen Fortschritte" der letzten 25 Jahre dort lobte. Dann setzte er eine Sorgenmiene auf und sprach den Konflikt zwischen Pakistan und Indien an, der gerade eskaliert. "Wir versuchen, ihnen beiden zu helfen", sagte Trump als Vertreter der mit beiden Staaten verbündeten USA. Danach erwähnte er die ganzen Lebensmittel, die die USA versuchen würden ins kriselnde Venezuela zu liefern, um dann doch noch auf den eigentlichen Punkt der Veranstaltung zu kommen: der Gipfel mit Kim Jong Un.

Trump bemühte sich nicht einmal, das ergebnislos zu Ende gegangene Treffen irgendwie als Erfolg zu verkaufen. Er lobte auch den nordkoreanischen Diktator nicht über den grünen Klee wie sonst. Der sei ein guter Typ, sie beide hätten ein produktives Treffen gehabt, man sei sich näher als noch ein, zwei Tage zuvor, aber Nordkorea konnte oder wollte den USA nicht weiter entgegenkommen. Deshalb sei es Zeit gewesen zu gehen, so der Präsident. Wenn ihm die Fragen zu sehr ins Detail gingen, ließ er seinen Außenminister Mike Pompeo ans Mikrofon, der aber auch nur Floskeln von sich gab.

Donald Trump, der Abschweifer

Ab und an aber blitzte der bekannte Donald Trump auf. Der Marktschreier, der Abwiegler und Abschweifer.  So pries er einmal Nordkorea an wie einen seiner neuesten Wohntürme: "Herausragende Location. Die schönsten Strände der Welt. Ein Land mit soviel Potenzial wie kein anderes", schwärmte er und stimmte fast nahtlos das Hohelied auf sich selbst an. Unter seiner Präsidentschaft gehe es Amerika so gut wie noch nie. Es gebe Jobs ohne Ende, die Arbeitslosigkeit bei Schwarzen sei noch nie so niedrig gewesen und demnächst baue Fiat-Chrysler Autofabriken für vier Milliarden Dollar in Detroit.

Und dann fragte ein Reporter nach Michael Cohen.

Sein Ex-Anwalt, der, als der Präsident gerade im fernen Vietnam den Frieden verhandelte, in Washington von Abgeordneten verhört wurde. Ein "Fake Hearing", so Trump und an sich schon eine Unverschämtheit. "Das hätte man doch nächste Woche machen können", grummelte er. Und überhaupt - was sein alter Weggefährte und Ausputzer da gesagt habe, seien zu 95 Prozent Lügen gewesen. "95 Prozent, nur bei dieser einen Sache hat er die Wahrheit gesagt. Dass es keine Absprachen mit Russland gegeben hat. Ich wundere mich, warum er da nicht auch noch gelogen hat", sagte Trump offenbar ernsthaft verwundert. Sei's drum und so ließ er seine in diesem Zusammenhang üblichen Beschimpfungen los: "Hexenjagd", "sehr schlecht für das Land".

Cohen warnt vor unfriedlichem Machtwechsel

Diese ereignisreiche Woche ist noch nicht einmal zu Ende, und schon dürfte sie, wie gesagt, als eine der miesesten in seine Amtszeit eingehen. Er flog als Friedensstifter nach Vietnam und kehrt zurück als "Lügner und Betrüger" (Cohen), dessen mögliche Verfehlungen ihn vielleicht nicht das Amt kosten werden, aber danach einigen Ärger bereiten könnten. Wenn er denn überhaupt freiwillig das Feld räumt. Michael Cohen, der zehn Jahre lang für Trump die Drecksarbeit gemacht hat, mutmaßt bereits, "dass wenn sein alter Chef die Wahl 2020 verliere, "es nie einen friedlichen Machtwechsel geben wird". Es kann also noch mieser kommen.