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Meinung

Gipfel mit Kim Jong Un: Wäre er gar nicht erst gekommen – Donald Trump verzockt in Hanoi den letzten Rest seines Rufs

Es gib einen Grund, warum Gipfeltreffen nur das glanzvolle Ende von elendig langen Verhandlungen sind: Niemand steht vor laufenden Kameras als Loser mit leeren Händen da. Nach dem geplatzten Treffen mit Kim Jong Un weiß Donald Trump das nun auch.

"Manchmal ist es Zeit zu gehen und das war einer dieser Momente", sagte ein sichtlich matter Donald Trump auf der vorgezogenen Pressekonferenz in Hanoi. Keine zwei Stunden zuvor war der Gipfel mit Kim Jong Un sang- und klanglos geplatzt – ohne Ergebnis trennten sich die beiden Staatschefs. Als der US-Präsident und sein Außenminister vor die Journalisten traten, soll der nordkoreanische Diktator schon wieder auf dem Weg in die 4000 Kilometer entfernte Heimat gewesen sein.

Trump und Kim: ein Scheitern mit Ansage

Manchmal wäre es besser gewesen, gar nicht erst zu kommen, ließe sich beiden hinterherrufen – denn dieses fade Ende des mit dem Scheinriesen Hoffnung gestarteten Gipfels kommt nicht besonders überraschend. Im Gegenteil. Mit Blick auf die lange US-nordkoreanische Verhandlungsgeschichte und die offiziellen Äußerungen der vergangenen Tage, ja sogar Stunden, war es eigentlich ein Scheitern mit Ansage.

Eigentlich sollte es bei dem Treffen in Vietnam um die "Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel gehen". Für die USA (und den Rest der Welt) heißt das: Nordkorea wrackt bitte schön seine Atombomben ab. Doch bereits Tage vor dem Gipfel war davon kaum noch die Rede. Stattdessen hieß es, Trump und Kim könnten den Krieg, in dem sich Nord-und Südkorea offiziell noch immer befinden, endlich beenden. Es wäre ein symbolisches Ergebnis gewesen, aber immerhin ein historisches. Doch selbst dafür hat es nicht gereicht.

Nordkorea: 25 Millionen potentielle Elendsflüchtlinge

Der Grund für das Scheitern ist der gleiche, warum auch bislang alle Dialoge mit Nordkorea gescheitert sind: Die Hunger-Diktatur interessiert sich nicht dafür, was andere wollen. Für sie zählt nur eines: Unangreifbarkeit. Atomwaffen gehören daher zur Staatsdoktrin. Zur Lebensversicherung. Die gesamte Kim-Dynastie ist seit jeher davon überzeugt, dass allein Nuklearwaffen ihr Fortbestehen garantieren können. Vermutlich war das auch einmal so, doch diese Paranoia ist nur noch ein hartnäckiges Artefakt aus Zeiten des Kalten Krieges. Tatsächlich wäre wohl kein Land der Welt bereit, eine Auseinandersetzung wegen dieses verarmten Landes mit 25 Millionen potentiellen Elendsflüchtlingen zu riskieren.

Das kühl kalkulierende Regime in Pjöngjang weiß das natürlich. Und es weiß, wie sehr die Welt vor seinen Atombomben zittert, es weiß vor allem, wie man sie dennoch davon überzeugt, zu helfen. Die Verhandlungstaktik der Kims und ihrer Gesandten läuft seit Jahrzehnten gleich ab: Erst drohen, dann einlenken, Zeit kaufen (oder Lebensmittel) und schließlich: weitermachen wie bisher. So war das in den 1990ern und in den 2000ern und der einzige Unterschied zu damals: Nordkorea ist nun am Ziel angekommen, Atomwaffen und Langstreckenraketen zu entwickeln, die die USA erreichen können.

Kim am Ziel: Dialog mit dem US-Präsidenten

Nordkorea spielt im Konzert der ganz Großen mit und verhandelt sogar auf Augenhöhe dem Allergrößten: dem US-Präsidenten. Was will Diktator Kim Jong Un mehr?

Trumps Vorgänger Barack Obama hatte sich in Sachen Nordkorea – halb aus Mutlosigkeit, halb aus Alternativlosigkeit – hinter Sanktionen und "strategischer Geduld" versteckt. Sprich: direkte Gespräche mit Pjöngjang vermieden. Er tat dies auch in dem Wissen, dass Gipfeltreffen üblicherweise nur der feierliche Höhepunkt elendig langer Verhandlungen hinter verschlossenen Türen sind. Man kann Donald Trump zu Gute halten, dass er auf solche Konventionen pfeift und den direkten Dialog sucht – wie jetzt in Hanoi. Auch wenn darin das Risiko des Scheiterns liegt – wie jetzt in Hanoi.

Dieser schlecht vorbereitete Gipfel lässt deshalb nur Verlierer zurück. Die beiden Koreas bleiben im Kriegszustand. Der Norden sitzt weiter auf der Bombe, kann aber nicht mit Hilfen für seine darbende Bevölkerung rechnen. Die USA scheiden als seriöser Vermittler für globale Probleme zurzeit aus und Donald Trump, der all-in gegangen ist, steht nicht nur mit leeren Händen da, sondern hat auch noch den letzten Rest seines ohnehin zweifelhaften Rufs als "Dealmaker" verzockt.