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Schlagabtausch auf Twitter Trump verpasst Joe Biden einen Kuss auf den Kopf - und der schlägt zurück

Donald Trump verhöhnt Joe Biden und die Sexismus-Vorwürfe, die dem Demokraten aktuell um die Ohren schlagen.


Der US-Präsident teilt dieses nachträglich bearbeitete Video auf Twitter.


Der ehemalige Vize-Präsident wird hier von "sich selbst“ belästigt.


Biden wird von mehreren Frauen vorgeworfen, sie unsittlich berührt zu haben.


In einer Videobotschaft hatte sich der Demokrat zuvor gegen die Vorwürfe verteidigt:


"In my career I have always tried to make a human connection. Thats my responsibility. I shake hands, I hug people. I grab men and women by the shoulders and tell them you can do this."
"In meiner Karriere habe ich immer versucht, eine menschliche Verbindung herzustellen. Das ist meine Verantwortung. Ich schüttele Hände und umarme Menschen. Ich fasse Männer und Frauen an die  Schultern und sage: 'Sie schaffen das.'"


Bidens Verhalten ist mittlerweile so bekannt in den USA, dass es dafür sogar einen Namen gibt: "Tactile Politics“ – Tastbare Politik.


"Social norms have begun to change. They have shifted. And the boundaries with protecting personal space have been reset. And I get it. I get it. I hear what they-re saying. I understand it. And Ill be much more mindful. Thats my resposibilty."


"Sozialnormen verändern sich. Sie haben sich verändert. Und die Grenzen des persönlichen Raums wurden neu festgesetzt. Ich verstehe das. Ich verstehe das. Ich höre zu. Ich verstehe es. Ich werde das deutlich stärker beachten. Das ist meine Verantwortung."


Obamas ehemaliger Vize-Präsident gilt als einer von Trumps womöglich aussichtsreichsten Gegnern im Wahlkampf 2020.


Obwohl der 76-Jährige seine Kandidatur für das Präsidentschaftsamt noch nicht offiziell angekündigt hat, bleibt er ein Favorit in den Umfragen.


Dass Donald Trump bereits versucht, den Demokraten zu verspotten, zeigt wie ernst der US-Präsident den Herausforderer nimmt.


Allerdings sollte sich ausgerechnet Donald Trump nicht über sexuelle Belästigungsvorwürfe lustig machen.


Insgesamt 21 Frauen werfen dem amtierenden Präsidenten vor, sie sexuell belästigt zu haben.
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Wenn man im Glashaus sitzt, sollte man nicht mit Steinen werfen, lautet das berühmte Sprichwort. Donald Trump und Joe Biden pfeifen darauf und verspotten sich gegenseitig. 

Mit Spott über den politischen Gegner ist es so eine Sache. Wer nicht frei von eigenen Verfehlungen ist, läuft Gefahr, dass die Häme auf ihn selbst zurückfällt. Ein Beispiel dieser Art liefern US-Präsident Donald Trump und sein potenzieller demokratischer Herausforderer bei der Wahl 2020, Joe Biden.

Der frühere US-Vizepräsident Biden hatte in den vergangenen Tagen mit Vorwürfen mehrerer Frauen zu kämpfen. Die beschuldigten den 76-Jährigen, er habe sich in der Vergangenheit übergriffig verhalten - durch ungebetene körperliche Nähe oder ungewollte Liebkosungen wie ein Tätscheln des Oberschenkels oder einen Kuss auf den Hinterkopf.

In einem Video, das der einstige Stellvertreter von US-Präsident Barack Obama am Mittwoch auf Twitter veröffentlichte, gelobte er Besserung. Er werde künftig mehr Respekt vor dem persönlichen Raum von Menschen haben, sagte Biden da. Er habe immer versucht, eine Verbindung zu Menschen aufzubauen. "Ich schüttele Hände, ich umarme Leute, ich fasse Männer und Frauen an den Schultern und sage ihnen: 'Du schaffst das.'" So sei er immer gewesen. Aber er verstehe, dass sich die sozialen Normen im Umgang mit dem persönlichen Raum von Menschen geändert hätten.

Donald Trump gibt seinen Senf dazu 

Trump konnte sich eine Reaktion darauf nicht verkneifen. Am Donnerstag twitterte er einen abgewandelten und gekürzten Clip von Bidens Botschaft, der davor schon im Netz die Runde gemacht hatte, an seine fast 60 Millionen Follower. Darin taucht bei Bidens Passage, in der er seine Praxis von Händeschütteln und Umarmungen beschreibt, ein animierter Biden auf, der sich an den echten Biden heranschleicht, ihm von hinten die Hände auf die Schultern legt und einen Kuss auf den Hinterkopf gibt. Dazu schrieb Trump in Großbuchstaben den Kommentar: "Willkommen zurück, Joe!"

"Der fetteste, hässlichste Mistkerl im Raum"

Trump weiß ziemlich genau, wie es sich anfühlt, öffentlich der Übergriffigkeit beschuldigt zu werden. Diverse Frauen haben ihm in der Vergangenheit sexuelle Belästigung vorgeworfen, was Trump zurückwies. Während des Wahlkampfes 2016 wurde außerdem eine alte Tonaufnahme publik, in der sich Trump anzüglich und herabwürdigend über Frauen äußerte - und darüber, dass er sie überall anfassen könne. Trump entschuldigte sich danach - zumindest halbherzig - und bezeichnete die Kommentare als "Umkleidekabinen-Gerede".

Biden wiederum war einer von denen, die Trump wegen dieser Sprüche heftig attackierten. Noch vor rund einem Jahr sagte Biden bei einer Rede an einer Universität: "Wenn wir an der High School wären, würde ich ihn hinter die Turnhalle bringen und ihn grün und blau schlagen." Bidens unerbittliches Urteil: "Ich war mein ganzes Leben lang in vielen Umkleideräumen. Jeder Typ, der so gesprochen hat, war normalerweise der fetteste, hässlichste Mistkerl im Raum."

Nun ist Biden, der kurz vor der Entscheidung steht, ob er bei der Wahl 2020 antreten will, selbst Kritik ausgesetzt - wenn auch wegen weit weniger schwerer Vorwürfe. Und Trump reagiert mit einer Retourkutsche auf den Spott von damals, was Erinnerungen an seine eigenen Fehltritte weckt. Das Risiko, dass sie ihr Spott bei diesem Thema wieder einholen könnte, ließen wohl beide außer Acht.

Unterdessen reagierte Biden auf den Spott von Trump. "Ich sehe, Sie sind am arbeiten und wie immer präsidial", kommentierte er sarkastisch auf Twitter.

ivi DPA

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