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Zwists unter US-Präsidenten: Donald Trump vs. Barack Obama – Twitter-Dauerfeuer und Treffer über Bande

Twitter ist Donald Trumps liebste Waffe. Eines seiner liebsten Ziele: Barack Obama. Obwohl der schon seit Jahren nicht mehr US-Präsident ist. Der schießt auch gern mal zurück – ohne auch nur einmal den Namen des Amtsinhabers zu nennen.

Donald Trump

Wann genau Donald Trump damit begann, Barack Obama zu verabscheuen, ist nicht endgültig geklärt. Verbürgt aber sind 299 Tweets, in denen der jetzige US-Präsident gegen den Vorgänger-Präsident pestet. Normalerweise lässt Obama solche Seitenhiebe an sich abprallen, manchmal aber geht er selbst in die Offensive: Wie nun, als er an den elften Jahrestag seines Wirtschaftsprogramms erinnerte, und damit an den Start eines beispiellosen Booms am Jobmarkt. So selten diese Form des Eigenlobs war, so erwartbar reagierte Donald J. Trump darauf: zornig.

Bei der Konjunktur reagiert Trump giftig

"Haben Sie vom neuesten Beschiss gehört? Präsident Obama versucht, die Lorbeeren für den Wirtschaftsboom zu ernten, der unter der Trump-Regierung stattfindet", schrieb er auf Twitter. Der aktuelle Amtsinhaber reklamiert die brummende Konjunktur ausschließlich für sich, obwohl alle Daten zeigen, dass sie schon vor seiner Präsidentschaft gut war und zum Teil sogar besser lief als zurzeit.

Doch solche Details interessieren Trump nicht. Nicht nur weil Wahlkampf ist, sondern vor allem dann nicht, wenn es um Barack Obama geht. Um ihm eins auszuwischen ist dem US-Präsidenten ziemlich viel recht. Verbürgt etwa ist, dass Trump irgendwann im Jahr 2010 auf den "Birther"-Zug aufgesprungen war. Die Anhänger dieser Verschwörungstheorie behaupten, Obama sei nicht in den USA geboren worden und könne daher kein legitimer US-Präsident (gewesen) sein. Obama selbst hat sich über die "Birther" im Allgemeinen und über Trump im Besonderen einmal auf dem Korrespondentendinner im Weißen Haus 2011 lustig gemacht. Trump saß im Publikum und ertrug den Spott nur mit Zornesröte im Gesicht. Angeblich war das der Moment, in dem er beschloss, US-Präsident zu werden und Rache zu nehmen.

Trump hat Twitter-Kanal auf Dauerfeuer gestellt

Sicher ist, dass der jetzige US-Präsident in dem Jahr damit begann, seinen Twitterkanal auf den US-Präsidenten zu richten – und er hat bis heute nicht damit aufgehört zu feuern. So schrieb er im November 2011: "Um gewählt zu werden, wird Barack Obama einen Krieg gegen den Iran starten." Und im Oktober 2012 twitterte der damalige TV-Star: "Lasst Obama nicht die Iran-Karte spielen, indem er einen Krieg beginnt, um wiedergewählt zu werden – seid vorsichtig, Republikaner!" Es sind nur zwei von 66 Tweets, die Obamas Umgang mit dem Iran zum Thema haben. In den meisten wirft Trump dem Staatschef vor, sich von den Mullahs in Teheran an der Nase herumführen zu lassen.

Nur ganz selten hat der US-Präsident versöhnliche Worte für seinen Vorgänger übrig: Etwa als sich beide nach Trumps Wahl im Weißen Haus erstmalig zur Amtsübergabe getroffen haben. "Die Chemie stimmt", schrieb er kurz danach. Die gute Laune hielt nicht lange an. Zweieinhalb Jahre später hat die "Washington Post" bereits 130 Gesetze und Vorgaben aus der Obama-Zeit gezählt, die Trumps Regierung wieder abgeschafft oder rückgängig gemacht hat.

Der, dessen Namen nicht genannt werden muss

Ganz anders der Ton des Ex-Präsidenten. Wenn Obama etwas über die aktuelle Politik zu sagen hat, und das tut er durchaus häufig, dann auf indirektem Weg. Wie etwa Anfang Februar, als er einen Artikel des Magazins "The Atlantic" retweetete, in dem beschrieben wird, wie Desinformation über Soziale Medien dazu beiträgt, die US-Gesellschaft zu spalten. "Das Gegengift ist Bürgersein: sich engagieren, organisieren und mobilisieren", schreibt Obama dazu. Eine ziemlich unmissverständliche Kritik an der aufwieglerischen Art Trumps und seiner Anhänger. In eine ähnliche Richtung zielt der Verweis auf einen Beitrag des US-Portals Vox.com, der Tipps für konstruktiveres Streiten gibt.

Obama nennt nie auch nur einen Namen, wenn er seinem Nachfolger einen mitgeben will. Braucht er auch nicht, denn seine Worte sind meistens deutlich genug. Wie etwa im August vergangenen Jahres, als ein 21-Jähriger im texanischen El Paso 22 Menschen getötet hatte. Nur Stunden später gab es in Dayton, Ohio einen weiteren Todesschützen, der zehn Menschen erschoss. Nach diesen Vorfällen verurteilte Obama eine von Politikern genutzte Sprache der Angst und des Hasses: "Es gibt Führer, die andere Untermenschen nennen, Menschen dämonisieren, weil sie anders aussehen, oder so tun, als gehörten die Vereinigten Staaten nur bestimmten Leuten."

Für die allermeisten Amerikaner war offensichtlich, dass der ehemalige Präsident den aktuellen Staatschef meinte. Auch seine Frau versteht sich gut in derartigen Breitseiten: Ende 2017 hielt Michelle Obama eine Rede in Kanada, wo sie über Twitter und Co. erklärte, es sei "nie eine gute Idee" den ersten Gedanken am Morgen in den sozialen Medien auszubreiten. Bislang hat dieser Ratschlag im Weißen Haus allerdings noch keine Wirkung gezeigt.