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Wahlkampfspot Team Trump wirbt mit Anhängern - doch sind es Darsteller, die nicht einmal aus den USA kommen

Stockfotos nennen sich in der Fachsprache symbolische Bilder für allerlei Typen, Berufe, Situationen und Umstände. Gerne wird eine Nahaufnahme eines Blaulichts für Polizeieinsätze benutzt oder Flatterband für Tatorte. Vor einiger Zeit haben sich Bilder von "Frauen, die mit Salat lachen" großer Beliebtheit erfreut. Stockmaterial kommt immer dann zum Einsatz, wenn keine andere Bebilderung möglich ist und leider umweht diese Art von Fotos (oder auch Videos) auch der Hauch von steriler Leb- und Lieblosigkeit. Und genau solche Fotos verwendet US-Präsident Donald Trump für einen Werbespot, der ihm Wählerstimmen unter  jungen Frauen und jungen Großstädtern bringen soll.
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Es gibt Zielgruppen, mit denen tut sich Donald Trump schwer: Junge Frauen und junge Großstädter. In einem Video für den US-Präsidenten trommelt genau diese begehrte Wählerschaft für den Mann im Weißen Haus. Nur leider handelt es sich um Schauspieler.

Wie viele Anhänger Donald Trump treu ergeben sind, ist trotz zahlloser Umfragen und Studien im Grunde unklar. Rund ein Drittel aller wahlberechtigten Amerikaner wählt die Republikaner, aber restlos von ihrem Präsidenten überzeugt ist schätzungsweise die Hälfte davon, was immer noch fast 30 Millionen Menschen sind. Die Chance also, dass sich unter ihnen der ein oder andere kamerataugliche Fan befindet, der seinem Idol huldigt, dürfte hoch sein – doch diese Wählernähe interessiert die Wahlkampfmanager nicht, sie setzen lieber auf sprachlose Models von der Stange.

Stockfotos: steril, leb- und lieblos

Stockfotos nennen sich in der Fachsprache symbolische Bilder für allerlei Typen, Berufe, Situationen und Umstände. Gerne wird eine Nahaufnahme eines Blaulichts für Polizeieinsätze benutzt oder Flatterband für Tatorte. Vor einiger Zeit haben sich Bilder von "Frauen, die mit Salat lachen" großer Beliebtheit erfreut. Stockmaterial kommt immer dann zum Einsatz, wenn keine andere Bebilderung möglich ist und leider umweht diese Art von Fotos (oder auch Videos) auch der Hauch von steriler Leb- und Lieblosigkeit. Tracey und Thomas machen da keine Ausnahme.

Die beiden sind "Darsteller" in einem Trump-Werbevideo, dass über die Facebook-Seite des US-Präsidenten verbreitet wird. Sie läuft am Strand entlang und wird als "Tracey aus Florida" vorgestellt, er lehnt an einem Tresen und soll "Thomas aus Washington" sein. Beide lächeln, sprechen aber erkennbar nicht, stattdessen legt eine Stimme aus dem Off ihnen Trump-preisende Worte in den Mund. Und dann gibt es noch einen "AJ aus Texas". Rein optisch entsprechen die drei nicht dem Klischee eines typischen Trump-Wählers (was vermutlich auch Absicht ist) und wer genau hinschaut, sieht auch die Einblendung "actual testimonial, actor portrayal" – was so viel bedeutet wie: Trump-Fan-Darsteller.

Dass für Politwerbefilme Schauspieler gebucht werden, ist zwar nicht ungewöhnlich, dennoch stören sich so viele Menschen an dem eilig zusammengezimmert wirkenden Spot, dass Profis die Bilder nachrecherchiert haben – und siehe da: Es handelt sich dabei um Stock-Massenware, die nicht einmal aus den USA stammt. Laut CNN läuft "Tracey" etwa nicht am der Küste Floridas entlang, sondern an einem Mittelmeer-Strand und die Bar in der "Thomas", ein bärtiger, tätowierter Hipster, arbeiten soll, liegt nicht in Washington sondern in Tokio – die japanischen Schriftzüge im Hintergrund wurden einfach unkenntlich gemacht. Zu finden ist das Bildmaterial in der Stockbilddatei von Getty Images, einer der größten Fotoagenturen der Welt, mit der auch der stern zusammenarbeitet.

"Thomas" auf der iStock-Seite von Getty Images
Motiv "Thomas, der Hipster" auf der iStock-Seite von Getty Images
© Screenshot iStock / Getty Images

Der Journalist Judd Legum verfolgt Trumps Werbeaktivitäten in den sozialen Netzwerken und er schreibt, dass diese Art von Spots methodisch produziert werden – um genau die gewünschten wie benötigten Zielgruppen anzusprechen, die eher nicht Trump wählen: junge Frauen, junge, männliche Großstädter oder ältere Latinos. In diesen Wählerschichten schneidet der amtierende Präsident den Umfragen zufolge besonders mies ab, doch für einen erneuten Wahlerfolg er braucht sie dringend. Denn, soviel ist sicher: Trumps Wählerschaft, mag sie noch so fest hinter ihrem Mann im Weißen Haus stehen, ist zu klein, um ihn eine zweite Amtszeit zu bescheren.

Quellen: "Medium.com", "Realclearpolitics", CNN, BBC, 538.com


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