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Lob und Mahnung: "Bleibt stark und kämpft für unser Land": Trumps abstruse Ansprache an Fox News

Donald Trump hat sich am Sonntag direkt an seinen Lieblingssender Fox News gewandt. Seine Ansprache wurde eine seltsame Mischung aus Lob und Mahnung. Was dahinter steckt.

Vor der Zentrale von Fox News gab es unter der Woche Protest, vor allem gegen Tucker Carlson und Jeanine Pirro

Vor der Zentrale von Fox News gab es unter der Woche Protest, vor allem gegen Tucker Carlson und Jeanine Pirro

Getty Images / AFP

Fox News ist Donald Trumps Lieblingssender, das ist bekannt. Wie der US-Präsident aber eben jenen am Sonntagmorgen via Twitter zugleich lobte und mahnte, das war selbst für seine Verhältnisse ungewöhnlich. Fox News müsse "stark bleiben und mit aller Kraft gegenan kämpfen", schrieb Trump dort. "Hört auf sooooo hart daran zu arbeiten, politisch korrekt zu sein, was euch ohnehin nur zu Fall bringen wird, und kämpft weiter für unser Land. Diese Verlierer wollen nur haben, was ihr habt. Gebt es ihnen nicht. Seid stark und gedeiht, seid schwach und sterbt", fuhr er pathetisch fort. Die Konkurrenz sei doch nur neidisch. "Sie können euch nicht schlagen, ihr könnt euch nur selbst schlagen."

Was war da los? Wie Trump in den Tweets auch selbst schreibt, geht es ihm um Jeanine Pirro und Tucker Carlson, zwei der bekanntesten Gesichter von Fox News und erklärte Fans von Donald Trump. Beide haben eigene Sendungen, in denen sie bissig und angriffslustig ihre Sicht der Dinge darlegen. Ihre Shows gehören zu den Quotengaranten des erzkonservativen Senders.

Aktuell machen sie Fox News jedoch Probleme, denn beide sind, so zumindest sehen es einige Werbepartner, zuletzt teilweise übers Ziel hinausgeschossen. Mehrere Firmen wollten nicht mehr, dass ihre Werbung in deren Sendungen gezeigt wird, was bei Pirro sogar dazu führte, dass ihr Programm am Samstagabend nicht ausgestrahlt wurde. "Bring back Judge Jeanine Pirro" startete Trump am Sonntagmorgen seine drei-tweetige Ansprache.

 

 

Jeanine Pirro und Tucker Carlson unter Druck

Bei der provokanten Kommentatorin dreht sich die Aufregung vor allem um ihre Sätze zur demokratischen Politikerin Ilhan Omar. Die Abgeordnete des Repräsentantenhauses trägt Kopftuch, was Pirro veranlasste zu fragen, ob sie denn auch eine Anhängerin der Scharia sei und gegen die Verfassung der USA.

Fox News distanzierte sich in einem ungewöhnlichen Schritt anschließend von Pirros Äußerungen, die bereits vor mehr als einer Woche gefallen waren. Normalerweise steht der Sender hinter seinen Moderatoren, provozieren gehört für Fox schließlich zum Geschäft.

Bei Tucker Carlson sorgen vor allem verschiedene Radio-Interviews von 2006 bis 2011 für Aufregung. Das non-profit Medienbeobachtungsprojekt "Media Matters", das sich vor allem konservative Medien vorknöpft, hatte einen Mitschnitt dieser Gespräche vor kurzem veröffentlicht. Darin verteidigt Carlson etwa, einen 27-Jährigen, der Sex mit einer 16-Jährigen hatte, in den USA als sogenannte statutory rape, also Vergewaltigung, eine schwere Straftat. An anderer Stelle nennt er Frauen "primitiv" und Iraner "einen Haufen primitiver, halb-gebildeter Affen" und immer wieder benutzt er harte englische Schimpfwörter.

Mehrere Firmen zogen nach der Veröffentlichung ihrer Werbung aus dem Umfeld von Carlsons Show zurück. Andere stehen jedoch zu ihren Engagement, die Show läuft weiterhin auf Fox News.

Donald Trump redet Fox News ins Gewissen

Eben diese beiden Moderatoren bekommen nun Hilfe von ganz oben. "Die radikal-linken Demokraten arbeiten eng mit ihrem Lieblingspartner zusammen, den Fake-News-Medien, und nutzen jeden Trick, den sie haben, um eine Mehrheit unseres Landes ZUM SCHWEIGEN ZU BRINGEN", meint der Präsident. Gegen "Fox-News-Moderatoren, bei denen es zu gut läuft", würden Kampagnen laufen. Fox News solle den Menschen "treu bleiben, die euch dahin gebracht haben, wo ihr heute seid", findet Trump. "Kämpft für Tucker, kämpft hart für Jeanine."

Einige Stunden nach der Tweet-Serie legte Trump dann noch einmal nach, und attackierte drei Fox-News-Moderatoren, die ganz offenkundig nicht zu seinen Lieblingen gehören. Ob zwei davon von CNN ausgebildet worden seien, fragte er in den Raum, um hinterherzuschieben, dass sie dort auf jeden Fall hingehörten zusammen mit dem dritten im Bunde.

In der Zwischenzeit hatte er einen zweiminütigen Clip von Fox News geteilt, der ihm deutlich besser gefiel, als die "Wochenend-Moderatoren", wie er es nennt. Der Clip zeigt ein Interview mit einem Sheriff, der zwei Minuten lang erzählen darf, wie toll Donald Trump ist, dass dieser "endlich" was gegen die dringenden Probleme unternimmt und wie froh er selbst sei, dass "dieses Land endlich einen richtigen Anführer hat". 

Quellen: Youtube / Twitter / Mediamatters.org / "New York Times" / "Washington Post" 

Donald Trump und Beto O'Rourke gestikulieren