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Als "Inlandsterroristin" bezeichnet: "Das bringt mich in Gefahr": Ocasio-Cortez berichtet von Todesdrohungen nach Republikaner-Attacken

Alexandria Ocasio-Cortez ist das neue Feinbild der Republikaner. In einer Rundmail haben republikanische Studenten sie jetzt sogar als "Inlandsterroristin" bezeichnet. Auf Twitter wehrte sich die Demokratin.

"Was braucht es, um aufzuhören?": Alexandria Ocasio-Cortez, seit Januar Abgeordnete der Demokraten im Repräsentantenhaus

"Was braucht es, um aufzuhören?": Alexandria Ocasio-Cortez, seit Januar Abgeordnete der Demokraten im Repräsentantenhaus

AFP

Sie wurde schon wegen eines Tanzvideos verspottet, wegen ihrer Kleidung, wgen ihrer Herkunft und wegen ihres Akzents: Die US-Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez ist für viele konservative Amerikaner ein rotes Tuch. Jetzt musste sich der Shootingstar der demokratischen Partei sogar gegen den Vorwurf des Terrorismus wehren.

Eine Ortsgruppe der "College Republicans" aus dem US-Bundesstaat Ohio hatte AOC, wie sich die 29-Jährige auch selbst nennt, in einer Rundmail als Terroristin bezeichnet. Die "College Republicans" sind eine nationale Vereinigung konservativer Studenten, die die republikanische Partei unterstützen. In die Betreffzeile eines Spendenaufrufs für den Präsidentschaftswahlkampf 2020 schrieb die Gruppe: "AOC ist eine Inlandsterroristin".

Gruppe will gegen Ocasio-Cortez "zurückschlagen"

"Meine Kommilitonen erzählen mir oft, dass Alexandria Ocasio-Cortez ein 'Vorbild' ist und dass Amerika eher wie das sozialistische Europa sein sollte", erklärte der Unterzeichner Tom Ferrall, Vorsitzender der Ortsgruppe, in dem Dokument. "Wir brauchen Eure Hilfe, um die Gehirnwäsche zu stoppen." Der Plan der "College Rpublicans" sei es, junge Konservative aufzuklären und zu mobilisieren und "gegen die 'Krieger für Soziale Gerechtigkeit' zurückzuschlagen". "Wir können eine gewaltige Armee von Freiwilligen aufbauen und uns die akademische Welt zurückerobern."

Alexandria Ocasio-Cortez spricht bei einer Veranstaltung des "National Action Network", eine Bürgerrechtsorganisation.

Der Journalist Dave Levinthal, Politikredakteur beim Center for Public Integrity, einer investigativen non-profit-Nachrichtenorganisation in Washington, verbreitete einen Screenshot des Spendenaufrufs via Twitter. Der "Washington Post" sagte Levinthal, dass Fundraising-E-Mails von politischen Gruppen zwar oft übertriebene oder irreführende Behauptungen oder nachweisbare Fehler enthielten, das Schreiben der "College Republicans" aber das erste ihm bekannte sei, "das eine amtierende Kongressabgeordnete mit Massenmördern gleichsetzt, die Gebäude in die Luft jagen oder Schulkinder töten".

Entsprechend empört reagierte auch Ocasio-Cortez auf das Dokument: "Das bringt mich jedes Mal in Gefahr. Fast jedes Mal, wenn diese unangebrachte Rhetorik von konservativen Gruppen hinausgeblasen wird, schießt die Zahl der Todesdrohungen, die wir an die Kapitol-Polizei weiterleiten, in die Höhe", twitterte die Demokratin. Und bei Drohungen gegen sie und auch Parteikolleginnen wie die muslimische Abgeordnete Ilhan Omar, sei es nicht geblieben. "Mehrere Leute, die versucht haben, mir, Ilhan und anderen etwas zuleide zu tun, wurden festgenommen", schrieb Ocasio-Cortez und fragte die republikanische Partei: "@GOP, was braucht es, um aufzuhören?"

Das US-Magazin "Time" berichtete bereits vor drei Wochen, dass seit AOCs Amtsantritt im Januar so viele Leute gedroht hätten, die Abgeordnete zu ermorden, dass ihr Mitarbeiterstab von den Sicherheitskräften des Kongresses darin geschult wurde, Risikobewertungen ihrer Besucher vorzunehmen.

"College Republicans" entschuldigen sich

Angesichts des Gegenwindes von Ocasio-Cortez und der Berichterstattung über den Fall in zahlreichen Medien haben sich die "College Republicans" aus Ohio mittlerweile von der E-Mail distanziert. Gegenüber dem britischen "Guardian" nannte die Gruppe das Schreiben "nicht autorisiert", ohne zu erklären, was sie damit meint.

"Wir entschuldigen uns bei der Kongressabgeordneten Ocascio-Cortez [sic] für den Gebrauch von inakzeptabler Sprache in dieser E-Mail, und wir billigen die übermittelte Botschaft nicht", zitiert die britische Zeitung aus der Stellungnahme. Tom Ferrall, dessen Name unter der E-Mail stand, habe in per E-Mail mitgeteilt, dass seine Gruppe über die Stellungnahme hinaus keine weiteren Kommentare abgeben werde.

Ocasio-Cortez feuert mit einer Rede im US-Kongress zurück

Quellen: "Washington Post""Time""Guardian", Twitter