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Unzufrieden mit dem US-Präsidenten: Fast die Hälfte will seine Amtsenthebung - Trumps Umfragewerte schlecht wie nie

Gut waren Donald Trumps Zustimmungswerte noch nie - aber die neuesten Zahlen toppen alles: 60 Prozent der US-Bürger sind unzufrieden mit ihrem Präsidenten. Bespiellos. Und schlimmer: 49 Prozent wollen ein Amtsenthebungsverfahren.

Donald Trump in Indiana

Donald Trump zeigt seine Mützen auf einer Wahlkampfveranstaltung in Indiana

AFP

Trotz seines Sieges über Hillary Clinton bei der Präsidentschaftswahl lässt die frühere Kontrahentin Donald Trump keine Ruhe. Bei einem Auftritt in Evansville, Indiana, griff er die Demokratin erneut frontal an: "Sie (die Medien, d.Red.) könnten die größten Geschichten über Hillary Clinton haben, ich meine, guckt euch doch mal an, mit was sie davonkommt, und wir werden sehen, ob sie damit davonkommt", rief er andeutungsweise in die Menge des Ford Centers, doch die weiß ohnehin, was er meint und skandiert, was sie bei jeder Erwähnung Clintons skandiert: "lock her up" - "sperrt sie ein".

Sonderermittler glaubhafter als der Präsident

Seit zwei Jahren schon beschuldigt der US-Präsident regelmäßig die Demokratin, mit Russland zusammengearbeitet zu haben. Irgendwie. Wie genau aber verrät Trump nicht. Der ständige Fingerzeig ist Teil seiner Verteidigungslinie gegen die Vorwürfe, er und/oder sein Wahlkampfteam hätten sich verbotenerweise mit Russland verbündet, um die Präsidentschaftswahl zu beeinflussen. US-Sonderermittler Robert Mueller kümmert sich um den Fall, zahlreiche frühere Mitarbeiter Trumps mussten bereits Verfehlungen einräumen. Das zeigt Wirkung: Die Amerikaner glauben zunehmend eher dem stillen FBI-Arbeiter Mueller als dem lauten Präsidenten.

Einer aktuellen Umfrage zufolge unterstützen 63 Prozent der Amerikaner die Untersuchung des Sonderermittlers, die Donald Trump regelmäßig als "Hexenjagd" verschmäht und jetzt sogar "illegal" genannt hat. Zuletzt wurden die Gerüchte immer lauter, dass Trump seinen Justizminister Jeff Sessions feuern würde. Der steht formal über Mueller und könnte ihn von dessen Aufgabe entbinden. Sessions aber hat die Aufsicht wegen Befangenheit abgegeben, weswegen wiederum Trump sauer auf ihn ist - offenbar hatte er gehofft, dass der ihm die lästigen Ermittlungen vom Hals halten würde. Bis zu den Zwischenwahlen im November aber habe der Justizminister Ruhe, wie der Präsident in einem Interview mit dem Nachrichtendienst "Bloomberg" sagte.

Ermittlungen zehren am Bild Trumps

Die Untersuchungen gegen das Wahlkampfteam von Trump, die erste Anklage und die zahlreichen Schuldeingeständnisse (die allesamt jedoch nicht im direkten Zusammenhang mit der Russland-Affäre stehen, sondern Beifang sind) ehemaliger Trump-Vertrauter zehren mittlerweile am Bild des US-Präsidenten. Seine ohnehin eher schlechten Zustimmungswerte erreichen in der ABC-News/"Washington-Post"-Umfrage ein Rekordtief: 60 Prozent der Befragten sind mit seiner Arbeit unzufrieden - eine so negative Bewertung hatte noch kein moderner US-Präsident. Der Querschnitt sämtlicher aktueller Umfragen zeigt nur ein leicht besseres Bild: Demnach missbilligen 54 Prozent der US-Bürger die Arbeit ihres Staatschefs.

Die Ermittlungen, die Schuldeingeständnisse ehemaliger Mitarbeiter und Trumps aggressiver Verteidigungskurs lenken den Blick auf ein mögliches Amtsenthebungsverfahren. Laut der ABC-News/"Washington-Post"-Umfrage wollen 49 Prozent der Amerikaner, dass ein Impeachment eingeleitet wird, 46 Prozent sind dagegen. Andere, neue Erhebungen, etwa von Suffolk University/"USA Today", ergeben ebenfalls ein knappes Meinungsbild, wenngleich hier die Gegner eines Amtsenthebungsverfahrens leicht in der Mehrheit sind. Der Versuch, Donald Trump aus dem Weißen Haus zu jagen, ist wegen der aktuellen Mehrheitsverhältnisse im Kongress zurzeit aussichtslos - was sich nach der Wahl im November natürlich ändern könnte. Dass aber überhaupt so viele Amerikaner ein Impeachment ernsthaft befürworten, ist beispiellos.

tis