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US-Republikaner: Trumps Vizekandidat - Abtreibungsgegner und Schwulenfeind

Um die Ernennung des Kandidaten für die US-Vizepräsdentschaft gab es viel Gezerre. Dass Donald Trump den erzkonservativen Mike Pence auserkor, ist reines Kalkül - die beiden trennen teilweise Welten.

Donald Trump und sein Vizekandidat Mike Pence (l.)

Donald Trump und sein Vizekandidat Mike Pence (l.): Inhaltlich trennen beide Welten

Gute Freunde sehen anders aus. Kollegen, die sich mögen, irgendwie auch. So richtig hat bislang niemand verstanden, warum Donald Trump den Gouverneur des US-Bundesstaates Indiana Mike Pence als Kandidaten für seine Vizepräsidentschaft auserkor. Deshalb wird heute, am dritten Tag des Parteikongresses der Republikaner in Ohio, mit Spannung erwartet, was Pence den Delegierten zu sagen hat.

"Wir erwarten keine flammende Rede", sagt Robert Schneider, der mit einer Abordnung aus Texas angereist ist. "Pence ist mit seinem Temperament das Gegenteil von Trump. Ich glaube, er hat sich für ihn entschieden, weil Pence erzkonservative Positionen vertritt. Denn viele in unserer Partei zweifeln noch, ob Donald Trump überhaupt konservativ genug ist."

Vize-Kandidat ist strammer Abtreibungsgegner

In diesem Punkt lässt Mike Pence keine Wünsche offen. In Amerika ist er als einer der härtesten "pro life"-Aktivisten bekannt. Pro life - das bedeutet, er ist gegen Abtreibung. Im März unterschrieb der Gouverneur ein Gesetz, das Frauen in Indiana sogar dann einen Schwangerschaftsabbruch verbietet, wenn ihr Kind schwerbehindert zur Welt kommen würde. Außerdem, so fordert das Gesetz, müssen Föten nach einer Abtreibung oder Fehlgeburt beerdigt oder kremiert werden.

Frauenorganisationen halten das Gesetz für einen Eingriff in ihre Privat- und Intimsphäre. "Hände Weg von meinem Körper", lautet ihr Slogan. Sie fechten das Gesetzt an. Zumal Abtreibungen in den USA nach einer Grundsatzentscheidung des Supreme Court aus den 70er Jahren generell erlaubt sind. Doch konservative Bundesstaaten setzen sich gerne darüber hinweg.

Um zu zeigen, wie lächerlich viele Frauen das Pence-Gesetz finden, erhält er nun seit Monaten Emails wie diese: "Sehr geehrter Herr Gouverneur! Ich habe meine Regel vier Tage zu spät bekommen. Deshalb kann ich nicht ausschließen, dass es sich um eine Fehlgeburt handelt. Was soll ich tun?" Pence reagierte auf die Kritik mit den Worten: "Ich habe gebetet, als ich das Gesetz unterschrieb."

Pence passt eigentlich nicht zu Trump

Der 57-Jährige ist ein schlanker weißhaariger Mann. Neben Trump wirkt er geradezu zierlich. Um seine Ernennung gab es viel Gerangel. Vergangene Woche hieß es erst, Trump werde ihn auf einer Pressekonferenz in New York vorstellen. Pence war bereits angereist. Doch dann sagte Trump die Pressekonferenz urplötzlich ab. Angeblich mit Rücksicht auf das Attentat von Nizza. Doch US-Medien berichten, er habe kurz davor gestanden, seine Entscheidung noch einmal zu ändern. Was verständlich gewesen wäre. Pence ist zwar ein guter Kandidat, um die Trump-Kritiker in der republikanischen Partei zu beschwichtigen. Aber für die eigentlichen Präsidentschaftswahlen im November ist er ein schlechter Partner. Denn da muss Trump vor allem Wähler in der Mitte überzeugen.

Viele Experten vermuten, dass sich Trump trotzdem für Pence entschieden hat, weil er als seriös gilt. Und wegen seiner Erfahrung in Washington. Er kann Trump mit dem Wissen versorgen, dass ihm als Politneuling fehlt. Von 2001 bis 2013 saß Pence im Repräsentantenhaus. Vor allem aber war Trumps Auswahl an potentiellen Kandidaten extrem dürftig. Die meisten prominenten und vor allem talentierten jungen Republikaner vermeiden Nähe zu Trump. Aus Angst, ihre politische Karriere zu ruinieren. Das Internetportal Politico brachte die Lage so auf den Punkt: "Als geeignet für die Vizepräsidentschaft galt schon, wer überhaupt bereit war."

Seit Pences Ernennung zum "running mate" haben Trump und Pence ein gemeinsames Interview gegeben. Sie saßen nebeneinander auf Thron-ähnlichen Sesseln. Trump ließ Pence kaum zu Wort kommen und unterbrach ihn manchmal mitten im Satz. Doch Pence beteuerte tapfer, dass er keinen Moment zögern würde, auch einem Präsident Trump deutlich die Meinung zu sagen: "Ich würde in sein Büro gehen, die Tür hinter mir schließen und meinem Herzen Luft machen."

Keine Einigkeit beim Thema Schwule und Lesben

Wie weit die beiden voneinander entfernt sind, zeigt schon ihr Privatleben. Während Trump bereits zum dritten Mal verheiratet ist, lebt Pence noch immer mit seiner ersten Frau zusammen. Er ist ein fleißiger Kirchgänger. Trump dagegen versichert erst seit kurzem, wie sehr er an Gott glaubt. Dass ist für einen konservativen Präsidentschaftskandidaten unerlässlich. 

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Am meisten liegen Trump und Pence jedoch beim Thema Schwule und Lesben auseinander. Trump sagt, ihm sei es egal, wer mit wem ins Bett geht. Pence sieht das ganz anders. Vergangenes Jahr gab es in Indiana einen Skandal, weil sich ein Restaurant weigerte, ein schwules Paar zu bedienen. Das Paar klagte gegen den Wirt. Daraufhin unterschrieb Gouverneur Pence ein Gesetz, dass es jedem Geschäftsmann erlaubt, einen Kunden aus religiösen Gründen abzulehnen.