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US-Wahl 2020 Drei gegen Donald: Sie wollen bei den Republikanern Trump die Kandidatur streitig machen





"Ich habe große Angst. Und ich war auch enttäuscht von beiden Kandidaten, die ich gestern gesehen habe, denn ich denke nicht, dass sie stark genug sind, Trump zu schlagen."


Amerika wählt: Und zuerst sind die Einwohner im US-Bundesstaat Iowa dran.


Weil die Wähler hier immer als erstes wählen dürfen, haben sie ausgesprochen viel Macht, das Rennen zu beeinflussen oder gar zu entscheiden.


stern-Auslandskorrespondent Jan-Christoph Wiechmann begleitet Robyn Wingerter auf zwei politischen Veranstaltungen.


Erster Halt: Eine Rede des Ex-Vizepräsidenten Joe Biden.


"Zuerst dachte ich, ich würde für Joe Biden abstimmen. Doch dann habe ihn gestern gesehen und dort ist es mir aufgefallen: Joe ist ziemlich schwach. Als er geredet hat, seine Kernargumente – es gab keine. Und das war für mich sehr beunruhigend."


"Der Unterschied zwischen seiner Energie und der von Elizabeth Warren war zu spüren."


Am selben Tag besucht Wingerter die Senatorin aus Massachusetts.


Elizabeth Warren fordert einen politischen und gesellschaftlichen Umbruch im Land: Krankenversicherung für alle, kostenlose staatliche Unis, eine Reichensteuer.


"Es sind großartige Ideen. Es ist, was wir hören wollen. Aber ich glaube nicht, dass es realistisch ist."
"So sehr ich eine US-Präsidentin miterleben möchte – denn ich denke, wir brauchen eine komplett unterschiedliche Perspektive in der Regierung – sehe ich nicht, wie sich das Land für Elizabeth erwärmt."


Wingerter muss sich noch entscheiden. Die 59-Jährige gehört zu keiner Partei, weiß aber sicher: Im November wird sie nicht Donald Trump wählen.


"Wir können keinen narzisstischen, frauenfeindlichen, entgleisten Mann, der auf niemanden aber sich selbst hört, haben. Er muss dringend gehen. Aber ich weiß nicht, wie das passieren kann.


Ich bezweifele sehr, dass die Demokraten, die wir nun haben, [Trump] besiegen können. Wir brauchen ein Wunder."
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Sie haben keine Chance, aber die wollen sie nutzen. Amtierende US-Präsidenten müssen normalerweise keine parteiinternen Widersacher fürchten. Aber was ist in Zeiten Donald Trumps schon normal? Drei Furchtlose fordern den Staatschef heraus.

Es gibt (bislang) eine Regelmäßigkeit im US-Wahlkampf, die allen Gegnern von Donald Trump Hoffnung machen könnte: Noch nie wurde ein US-Präsident wiedergewählt, der innerparteiliche Gegenkandidaten hatte. George Bush senior etwa erging es so oder auch Jimmy Carter. Doch seitdem Trump in Washington mitmischt, gelten die herkömmlichen Regeln nicht mehr. Und wie sehr sich die Republikanische Partei vor ihren Präsidenten ohnehin schon in den Schlamm geworfen hat, zeigte das Impeachment-Verfahren im US-Senat.

Trotz alledem: Es gibt sie, die Menschen, die Donald Trump die erneute Präsidentschaftskandidatur streitig machen wollen - und sie kämpfen bei den nun beginnenden Vorwahlen um jede Stimme.

Joe Walsh, erzkonservativer Radiomoderator

Donald Trump Gegenkandidat Joe Walsh
Joe Walsh
© Carolyn Kaster/AP / DPA

"Wir können keine vier weiteren Jahre Donald Trump ertragen. Deswegen kandidiere ich als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl", teilte der 57-Jährige im vergangenen Sommer auf Twitter mit. Wissend, dass seine Chance, von den Republikanern nominiert zu werden, verschwindend gering ist, müsse "es jemand wagen, Trump die Stirn zu bieten", sagte er dem Fernsehsender ABC. "Er lügt jedes Mal, wenn er den Mund aufmacht. Das Land hat genug von den Wutanfällen dieses Typen", so Walsh weiter. Der 57-Jährige gehört zu der erzkonservativen und populistischen Tea-Party-Bewegung und war 2011 für die Republikaner ins Repräsentantenhaus eingezogen. Walsh ist wegen früherer Äußerungen umstritten. Ihm wurde bei diversen politischen Attacken, etwa gegen den früheren US-Präsidenten Barack Obama, unter anderem Rassismus vorgeworfen.

Bill Weld, liberaler Rückkehrer

Bill Weld
Bill Weld
© Chip Somodevilla/Getty Images / AFP

"Ein besseres Amerika beginnt hier" – das ist die Botschaft, die der 74-Jährige schon im Frühjahr vergangenen Jahres per Video ausgesendet hat. Der frühere Gouverneur des Ostküstenstaats Massachusetts war der erste, der den amtierenden US-Präsidenten herauszufordern plant. Weld war in den 90er Jahren Republikaner, wechselte dann aber für einige Jahre zur Libertären Partei und kehrte nun wieder zu den Konservativen zurück, um sich als Alternative zum "Schulhof-Rabauken" Trump zu präsentieren. In seinem Bewerbungsvideo wirbt er mit den Erfolgen in seiner Zeit in Massachusetts und thematisiert unter anderem frühere frauenfeindliche Äußerungen Trumps sowie dessen unerfülltes Wahlversprechen, Mexiko werde für den Bau einer Grenzmauer zahlen.

Rocky de la Fuente, überparteilicher Tausendsassa

Rocky de la Fuente
Rocky de la Fuente
© rocky101.com / stern

Soll niemand behaupten, der 65-Jährige würde nicht alles versuchen, um in der Politik Fuß zu fassen: 2016 kandidierte der Geschäftsmann mit mexikanischen Wurzeln für das Präsidentschaftsrennen sowohl der Demokraten als auch mit seiner eigenen Partei (American Delta Party) und die Reform-Partei; zudem kandidierte er für den Senat, wiederum als Demokrat. 2017 trat er als Republikaner bei den New Yorker Bürgermeisterwahlen an, ein Jahr später bewarb er sich (weiterhin als Republikaner) in neun Bundesstaaten für einen Senatorensitz. Er verlor jede dieser Wahlen. In die im Herbst anstehende Wahl geht er sowohl als Präsidentschaftskandidat als auch als Bewerber um einen Sitz im Abgeordnetenhaus. Inhaltlich ist über das Programm des Immobilien- und Autohändlers wenig bekannt. Über seine aktuelle Bewerbung sagte er: "Ich plane, Trump zu schlagen."


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