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Dreiergipfel in Frankreich: Heikles blieb hinter Schlossmauern

Anlässe zum Streiten gab es genug auf dem 7. Dreiertreffen zwischen Frankreich, Deutschland und Russland, doch Merkel, Chirac und Putin gaben sich freundschaftlich verbunden. Und dann war da noch Osama bin Laden.

Es war vor allem ein hochrangiger Politplausch in historischem Ambiente. Als "Schlossherr" Jacques Chirac im geschichtsträchtigen Château de Compiègne den russischen Kollegen Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel zum 7. Dreiergipfel bat, lag zwar Konfliktstoff zuhauf auf dem Tisch. Doch das Treffen in der nordfranzösischen Picardie war informell und nicht darauf aus, den Streit um ein russisches Mitspracherecht beim Flugtechnikkonzern EADS sofort beizulegen oder auch Moskaus Drohungen gegen Ölkonzerne aus der Welt zu schaffen. Dafür ging auch die Interessenslage der prominenten Besucher des riesigen Schlosses zu weit auseinander.

Osama als ungebetener Gast

Das Château de Compiègne ist nicht Versailles und auch nicht Fontainebleau. Es bot aber dem französischen Staatschef die Bühne für ein erneutes französisch-russisch-deutsches tête-á-tête, wie er sie 1998 mit Boris Jelzin und Helmut Kohl eröffnet hatte. Als ungebetener vierter Gast gesellte sich aber bei diesem Dreiergipfel in Compiègne überraschend dann noch Terrorchef Osama bin Laden dazu - und zwar in der Form von Presseberichten über Geheimdienstnotizen über sein mögliches Ableben.

Die Kanzlerin indessen brachte einige Reserve für ihren ersten "Dreier" mit nach Compiègne, zumal sie den baltischen Staaten, Polen und nicht zuletzt den USA gegenüber den Eindruck vermeiden wollte, es werde eine Achse Moskau-Berlin-Paris zementiert. "Es muss klar sein, dass diese Treffen gegen niemanden gerichtet sind", hielt sie fest, dann seien sie richtig. Ansonsten lenkte sie der Ausflug ins Ausland, wo man sie schätzt, angenehm von trüben Umfragewerten daheim und dem stark an die Substanz gehenden Gerangel um die Gesundheitsreform ab.

Bevor Staatschef Putin über Energiegeschäfte, den gen Westen schielenden russischen Konzern Gasprom und jene Politik sprechen konnte, wonach eine Hand die andere wäscht, erinnerte ihn das von Chirac für das Treffen ausgewählte Château an die Geschichte: Das Schloss der 1300 Zimmer und fast 3000 Fenster ging im Jahr 1901 in die internationalen Annalen ein, als Zar Nikolaus II. hier mit dem Präsidenten Émile Loubet die Freundschaft zwischen Moskau und Paris besiegelte - Wahl des Gipfelortes zwecks Festigung sehr alter Bande?

"Gleiche Bedingungen bei Investitionen" gewünscht

Das vor Augen konnte Putin, von der Pariser Presse gern "der neue Zar" genannt, das von ihm gewünschte "Signal für gleiche Bedingungen bei Investitionen" ansprechen. Der angehäufte Konfliktstoff ist vor allem wirtschaftlicher Natur. Wobei Putin schon am Freitagabend von übertriebenen Gerüchten gesprochen hatte, was die russischen Pläne angeht, den Einfluss des französischen Ölkonzerns Total in Russland einzudämmen. Man kann also noch verhandeln. In Compiègne war Putin sehr bemüht, den Eindruck einer "aggressiven Politik" zu zerstreuen.

Chirac verbarg es hinter einer optimistischen Fassade, was ihm beispielsweise an der russischen Energiepolitik nicht gefallen kann. Dafür konnten er und Putin jedoch einmal mehr vorführen, wie sie beim Atomstreit mit dem Iran und in Nahost an einem Strick ziehen wollen, und die Kanzlerin ausführlich ihr Engagement für Beirut darstellen. Die Dreier-Gespräche in den historischen Appartements, in denen Napoléon III. gern den Herbst verbrachte, schlossen für Chirac als Höhepunkt eine Woche vollgefüllt mit außenpolitischen Aktivitäten in Paris und bei der UN-Generalkonferenz in New York ab - mit denen der 73-Jährige vor der Präsidentenwahl im Frühjahr 2007 Punkte sammelte.

Hanns-Jochen Kaffsack/DPA / DPA