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Entführter US-Journalist: Die ungewisse Zukunft von IS-Geisel Steven Sotloff

Die Enthauptung von James Foley schockte die Welt. Mit Steven Sotloff scheint sich ein weiterer US-Journalist in der Gewalt der Terrororganisation IS zu befinden. Droht ihm das gleiche Schicksal?

Die Szenen gleichen sich auf erschreckende Art und Weise: Am gestrigen Mittwoch erschütterte ein Video die Welt. Der US-Journalist James Foley wurde von Dschihadisten des IS (Islamischer Staat) vor laufender Kamera enthauptet. In irgendeiner trostlosen Wüste, mit einem Messer. Foley kniet in einem orangefarbenen Overall, neben ihm ein vermummter IS-Terrorist. Doch das ist kein Einzelfall. Mit dem 31-jährigen Steven Sotloff befindet sich wahrscheinlich ein weiterer Journalist aus den USA in der Gewalt der Terroristen.

In den Sozialen Netzwerken tauchte ein Foto auf, dass Sotloff zeigen soll. Auch er kniet in einem orangefarbenen Overall in irgendeiner trostlosen Wüste. Am Kragen packt ihn ebenfalls ein vermummtes Mitglied des IS. Was mit dem Leben von Sotloff passiert hängt laut Medienberichten von den nächsten Entscheidungen Barack Obamas ab. Lässt der US-Präsident weitere Luftangriffe gegen IS fliegen? Werden Waffen an die Kurden im Nordirak geliefert? Das Sotloff unter einem dieser Umstände das gleiche Schicksal wie seinem Kollegen Foley droht, ist nicht auszuschließen.

"Ein ehrlicher und bedachter Journalist"

Steven Sotloff wird bereits seit Mitte 2013 vermisst. Der letzte Twittereintrag des US-Amerikaners datiert vom 3. August 2013. Laut "The Wire" ist er tags drauf in der Umgebung von Aleppo in Syrien verschwunden und wurde in Raqqa festgehalten. Sotloff arbeitete in der Vergangenheit für das TIME Magazin, die National Interest, den Christian Science Monitor, World Affairs und Media Line. Studiert hat er von 2002 bis 2004 an der University of Central Florida. In einem Statement würdigt "World Affairs" Sotloff als "ehrlichen und bedachten Journalisten".

Er selbst beschreibt sich auf seinem Twitter-Account augenzwinkernd als "Stand-up-Philosophen aus Miami". In seiner Zeit als freier Journalist schrieb Sotloff unter anderem über die Probleme syrischer Flüchtlinge in einer Zeltstadt, den Anschlag auf das US-Konsulat im lybischen Bengasi und dem wachsenden fundamentalistischen Krieg gegen die moderaten muslimischen Staaten. Freunde berichten von Sotloffs tiefer Leidenschaft über die islamische Welt zu berichten. Diese Leidenschaft wurde ihm jetzt zum Verhängnis. Seine Familien hat die Hoffnung jedoch noch nicht aufgegeben und ist zuversichtlich. Sie steht mit Offiziellen aus Washington in regen Kontakt. Zusammen versucht man, eine Freilassung des 31-Jährigen zu erreichen.

Weltweit werden derzeit 39 Journalisten vermisst, 20 davon allein in Syrien. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens 4000 Gefangene in Syrien in ihrer Gewalt. Darunter seien auch "einige Dutzend Ausländer", sagte ein Sprecher der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Rund 20 Gefangene seien Amerikaner und Europäer.

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