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Erdbeben: Mehrere Verletzte bei Protesten in der Türkei

Bei Protesten im türkischen Erdbebengebiet beklagten Demonstranten die unzureichende Versorgung der Opfer. Die Polizei reagierte gewaltsam und fuhr mit einem Wagen quer durch die Menge. Mehrere Personen wurden verletzt.

Proteste gegen die unzureichende Versorgung von Erdbebenopfern haben in Bingöl zu gewaltsamen Zusammenstößen geführt. Polizisten feuerten in der südosttürkischen Stadt minutenlang Warnschüsse in die Luft, nachdem hunderte Demonstranten Polizeifahrzeuge zerstört hatten. Mehrere Personen wurden verletzt. In der Ortschaft Celtiksuyu wurden 117 Schüler aus den Trümmern eines eingestürzten Internats gerettet, 34 wurden noch vermisst. 47 Kinder wurden tot aus dem Schutt geborgen.

Polizeiwagen verletzte mehrere Demonstranten

Die Demonstranten in Bingöl forderten den Rücktritt von Gouverneur Hüseyin Avni Cos. Er habe es versäumt, sie mit Zelten, Lebensmitteln und Wasser zu versorgen. Die Lage eskalierte, als die Polizisten vergeblich versuchten, die Menge zu zerstreuen, die den Sitz des Gouverneurs stürmen wollte. Mehrere Personen wurden von einem Polizeiwagen verletzt, der durch die Gruppe der Demonstranten fuhr. Zwei Sicherheitskräfte und drei Journalisten erlitten Verletzungen, als sie von Steinen getroffen wurden, wie die Nachrichtenagentur Anatolia meldete.

Gouverneur Cos beschuldigte kurdische Rebellen, die Bevölkerung aufgehetzt zu haben. Die Provinz Bingöl ist mehrheitlich von Kurden bewohnt. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Proteste als "schwere Provokation".

Zur Räumung der Trümmer des Internats in Celtiksuyu setzten die Helfer ab Mittag Kräne und andere schwere Geräte ein, was vorher aus Rücksicht auf mögliche Überlebende vermieden wurde. 34 Kinder und Jugendliche wurden noch vermisst, die Suchhunde und elektronischen Geräte meldeten jedoch keine Anzeichen auf weitere Überlebende, wie der Leiter des Notfallzentrums an der Unglücksstelle mitteilte. Die Suche werde jedoch fortgesetzt, betonte er. Mehr als 30 Kinder waren im Laufe des Vormittags noch lebend aus den Trümmern geborgen worden.

Kritik an der Konstruktion der Schule

Das Internat war erst 1999 für 7- bis 16-Jährige aus den umliegenden kurdischen Dörfern erbaut worden. Bereits am Donnerstag wurde Kritik an der Konstruktion der Schule laut. Ministerpräsident Erdogan versprach, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Selbst der Chef des Verbands türkischer Bauunternehmer, Nihat Özdemir, erklärte, die Bauunternehmer würden zu wenig kontrolliert.

Das türkische Rote Kreuz hat 3.700 Zelte und 13.000 Decken in die Erdbebenregion geschickt. Gouverneur Cos erklärte jedoch, es würden 20.000 weitere Zelte benötigt. Nach Behördenangaben fehlte es auch an Lebensmitteln und Trinkwasser. Die Zahl der bestätigten Todesfälle stieg auf 115. Etwa 1.000 Menschen wurden bei dem Beben verletzt.

Selcan Hacaoglu