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Eta-Bomben auf Mallorca Terror als Zeichen der Schwäche


Mit ihren Anschlägen auf Mallorca hat sich die baskische Terrororganisation Eta ins Bewusstsein Europas zurückgebombt. Ihre Hochphase liegt lange zurück, ihre Ziele sind längst unerreichbar.
Eine Analyse von Niels Kruse

Seit Ende Juli hat die Eta zuerst im nordspanischen Burgos gebombt, dann viermal auf Mallorca. Die blutige Bilanz der Anschläge: Zwei tote Polizisten auf der Ferieninsel, mehr als 60 Verletzte auf dem Festland. Nur die jüngsten Anschläge in der Nähe von Palma de Mallorca verliefen glimpflich - die Terroristen hatten vor der Detonation der Bomben gewarnt. Per Telefonanruf.

Mit diesen Anschlägen hat sich eine Terrororganisation ins europäische Bewusstsein zurückgebombt, die eigentlich im Verschwinden begriffen war. Ihr politisches Hauptziel, die Unabhängigkeit des Baskenlandes, ist undenkbar, Nachwuchs gibt es ebenso wenig wie Unterstützung in der Bevölkerung. Aber offenbar markieren die jüngsten Anschläge den zynischen Versuch, dem Terror durch Terror neues Leben einzuhauchen.

Vor genau 50 Jahren gegründet

Eta ist die Abkürzung für den baskischen Ausdruck "Euskadi Ta Azkatasuna". Übersetzt bedeutet er etwa "Freies Baskenland." Unter diesem Namen wurde die Organisation vor 50 Jahren gegründet, im Sommer 1959, ursprünglich, um die baskische Kultur gegenüber den Zentralisierungsbestrebungen der Franco-Diktatur zu schützen. Doch im Laufe der Jahre entwickelte sie sich zu einer Terrororganisation, die bis heute vorgibt, für ein unabhängiges Baskenland zu kämpfen. Zum Baskenland gehört nicht nur der Nordwesten Spaniens, sondern auch der Südwesten Frankreichs. Dabei galten die französischen Basken nie als große Unterstützer der Eta, auch wenn die Gegend von diesen bis heute als Rückzugsraum genutzt wird. Die Telefonanrufe mit den Warnungen vor den jüngsten Anschlägen stammten der spanischen Polizei zufolge aus Frankreich.

Obwohl das Baskenland schon 1978 große Autonomie zugesprochen bekam, hatte die Eta kurz darauf ihre Hochphase. In den 80er-Jahren erlebte Spanien eine Welle des Terrors: Ein Anschlag folgte auf den nächsten. Die Eta zählte etwa 1000 Mitglieder, die Bevölkerung bot ihr halbwegs Rückhalt. Der schwerste Anschlag war eine Autobombenexplosion vor einem Supermarkt in Barcelona. Damals, 1987, kamen 21 Menschen ums Leben - nahezu alle Zivilisten. Insgesamt starben seit 1968 rund 800 Menschen durch den Eta-Terror.

Hartes Vorgehen der Zentralregierung

Anfang des Jahrzehnts ging die spanische Zentralregierung dann entschlossen gegen die Terroristen vor. 2002 verbot sie den politischen Zweig der Organisation, wenige Jahre später auch die stärkste Baskenpartei, die "Herri Batasuna". Parallel wurden die führenden Köpfe der Eta verhaftet, 1000 Eta-Terroristen sitzen mittlerweile in spanischen Gefängnissen. Auch in der Bevölkerung verlor die Eta so an Unterstützung für ihre radikalen Ziele.

Die Separatistenorganisation ist deshalb derzeit vermutlich kaum mehr als eine Terrorzelle. Experten schätzen, dass insgesamt nur ein paar Dutzend Basken zum harten Kern gehören. Vielleicht ist diese Schwäche sogar der Grund für die jüngsten Anschläge - ein letzter Versuch, auf sich aufmerksam zu machen, Anhänger zu mobilisieren, Nachwuchs-Terroristen zu gewinnen. "Von lebendig würde ich bei der Eta nicht sprechen", sagt denn auch Sören Brinkmann, Eta-Experte an der Uni Erlangen. "Die Untergrundkämpfer setzen lediglich aus der Position der Schwäche heraus ein Zeichen." Selbst die spanische Polizei zeigte sich irritiert. "Die Telefonanrufe waren so wirr, dass die betroffenen Lokale nicht in jedem Fall rechtzeitig geräumt werden konnten", heißt es aus offiziellen Stellen der Balearen.

"Wie ein waidwundes Tier"

Die Anschlagsstrategie der Eta ist seit einigen Jahren dieselbe: Gebombt wird gerne zur Urlaubszeit, vor allem in der Nähe touristischer Hochburgen, gezielt wird aber nicht auf Touristen, sondern meistens auf staatliche Einrichtungen, zumeist auf jene der Polizei. Zudem gehörte die Warnung vor ihren eigenen Bomben zum Standardvorgehen der Eta.

Ob die jüngsten Anschläge nun eine neue Qualität, vielleicht sogar einen Strategiewechsel darstellen, ist völlig unklar. "Die Eta verhält sich nicht so, wie man glaubt, dass sie sich verhalten wird", sagt der Kieler Terrorexperte Joachim Krause. Auch Sören Brinkmann glaubt, dass die Eta derzeit wie ein waidwundes Tier reagiere: unvorhersehbar. Der Erlanger Forscher ist sich auch sicher, dass der baskische Terror trotz seiner derzeitigen Schwäche nicht so schnell verschwinden wird: "Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass der Terror mit Polizeimaßnahmen allein nicht zu bekämpfen ist."

Niels Kruse

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