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Eurostat-Skandal: Führender Europaabgeordneter verlangt Rücktritte

Führender Europaabgeordneter verlangt in Eurostat-Skandal Rücktritte

Hamburg - Markus Ferber (CSU), einer der beiden Vorsitzenden der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, hat wegen des Eurostat-Skandals den Rücktritt von EU-Verwaltungskommissar Neil Kinnock verlangt. Er sollte "im Interesse der EU-Kommission seinen Hut nehmen", sagte Ferber in einem Interview mit dem stern. Nach vier Jahren der Reform sei der Kommissar "offenbar keinen Schritt weitergekommen – im Gegenteil", begründete der CSU-Politiker seine Forderung.

Kinnock trägt nach Ferbers Ansicht größere Verantwortung für den Skandal als Kommissar Pedro Solbes, dem Eurostat unterstellt ist. In seiner Eigenschaft als Währungskommissar habe Solbes "auch gute Arbeit geleistet". Kinnock sei dagegen "ausschließlich für die Reform der Kommission zuständig und hat dort nichts erreicht". Überdies habe er "im Europaparlament die Unwahrheit gesagt" und so getan, als habe er einen internen Prüfbericht nicht gekannt.

Ferber warnte Kommissionspräsident Romano Prodi: "Er muss jetzt sehr gut aufpassen. Wenn er keine Konsequenzen bei den Kommissaren zieht, schwappt die Sache zu ihm hoch."

Der Gruppenvorsitzende widersprach auch der Meinung von Abgeordnetenkollegen, dass Rücktritte eine europäische Krise auslösen könnten. "Vor dem Sturz der letzten Kommission 1999 hat man uns auch immer erzählt, dass Rücktritte den Euro gefährden würden", sagte Ferber. "Das war damals Unsinn und es ist es heute".