Exil in Nigeria Taylors Traum

Sein Haus im nigerianischen Exil erinnert eher an ein Gefängnis als an einen Palast: Liberias Ex-Präsident Charles Taylor darf nicht öffentlich auftreten. Ganz aufgegeben hat er seine politischen Ambitionen aber offenbar nicht.

In den vergangenen Monaten seit seinem Gang ins Exil hat der liberianische Expräsident Charles Taylor sich an ein neues Leben gewöhnen müssen. Gemeinsam mit fast 40 Familienmitgliedern und zahlreichen Angestellten wohnt Taylor in einem ehemaligen Bürogebäude in der nigerianischen Ortschaft Calabar. Das Haus liegt mit Blick auf den Fluss und die weitläufigen Mangrovenwälder, trotzdem erinnert es eher an ein Gefängnis als an einen Palast: Taylor darf nicht öffentlich auftreten und erhielt von seinen Gastgebern die Anweisung, sich unauffällig zu verhalten.

"Wie oft er ausgegangen ist? Vielleicht zwei Mal", sagt Taylors Sprecher Vaanii Paasawe in Calabar. "Er ist jetzt einfach ein normaler Mensch. In seiner Routine fehlen die Entscheidungen, die er für Liberia traf." Eine große Umstellung für einen Mann, der einst als mächtigster und gefürchtester des Landes galt.

Rücktritt unter Druck

Der in Boston ausgebildete Taylor zettelte 1989 einen Aufstand an, der Liberia in einen 14 Jahre währenden Bürgerkrieg stürzte. Erst am 11. August trat er unter dem Druck der Rebellen in seiner Heimat und Kritikern im Ausland schließlich zurück. Der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo bot ihm Asyl an und vermittelte ein Friedensabkommen. Taylor müsse das Land verlassen, um Liberia und sein eigenes Leben zu retten, erklärte er.

Ein Blick zurück zeigt, wie berechtigt Obasanjos Warnung war. 1990 wurde einer von Taylors Vorgängern, Präsident Samuel Doe, auf Anweisung des Rebellenführers Prinz Johnson gefangengenommen, gefoltert und getötet. Johnson lebt heute als Prediger ebenfalls in Nigeria.

Langeweile im Dschungel

In seinem Exil im Dschungel, rund 650 Kilometer südöstlich von Lagos, muss Taylor sich nun die Zeit vertreiben. Da er wegen Kriegsverbrechen in Sierra Leone angeklagt ist, kann er das Land kaum verlassen. Vertraute des Expräsidenten erklärten, Taylor lese, schaue fern und kümmere sich um seine Kinder. Außerdem habe er vor, seine Memoiren zu schreiben.

In Calabar wurde schnell Kritik an der Anwesenheit Taylors laut, angefacht von Medienberichten, wonach die Regierung täglich 30.000 Dollar für die Versorgung der Familie ausgebe. Der Expräsident lebt in der Ortschaft mit 36 Mitgliedern seiner Familie, Köchen und Leibwächtern. "Er sollte vor Gericht gestellt werden", sagte Elizabeth Ijong, die in der Nähe von Taylors Haus arbeitet. "Er ist für Gräueltaten verantwortlich."

Damit das nicht geschieht, hat der Expräsident mehrere Anwälte engagiert. Paasawe erklärt, Taylor sei sehr besorgt angesichts der Anklage vor einem von den UN unterstützten Gericht in Sierra Leone. Die Klage "hängt wie ein Schwert über seinem Kopf".

Auf dem Schwarzmarkt freuen sich die Geldwechsler über Taylors Exil, das ihnen größere Geschäfte beschehrt. "Taylors Jungs" tauschten bis zu 5.000 Dollar pro Tag, berichtete ein Geldwechsler, Tejani Hassan.

36 Familienmitglieder, Köche und Leibwächter

Diplomaten und UN-Vertreter werfen Taylor vor, er versuche weiterhin, sich in die Politik in Liberia einzumischen. Paasawe bestätigte, der Expräsident hielt Kontakt zu seinem Nachfolger Moses Blah, gab diesem jedoch keine Anweisungen. Blah wurde inzwischen von Gyude Byant abgelöst, der als neuer Regierungschef vereidigt worden ist.

Ganz aufgegeben hat Taylor seine politischen Ambitionen aber offenbar nicht. Paasawe sagt, der Expräsident habe noch immer die Kontrolle über tausende Soldaten und könne als "erfahrener Staatsmann" bei ihrer Entwaffnung helfen. Manchmal bedauere Taylor seinen Rückzug aus seinem Land, erklärt Paasawe weiter. "Er sagt: 'Wenn Gott es zulässt, werde ich nach Liberia zurückkehren'."

Todd Pitman DPA

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