HOME

Eliteeinheit Front 34: Im Dschungel-Camp der Farc-Rebellen

Tief im Regenwald harrt die kolumbianische Farc der Entscheidungen: Beginnt das alte Töten? Oder ihr neues Leben? Reportage aus einem geheimen Lager der Rebellen.

Fotos: Federico Rios

Ein Flugzeug! Alle Blicke und Waffen werden nach oben gerichtet, alle Bewegung stoppt

Ein Flugzeug! Alle Blicke und Waffen werden nach oben gerichtet, alle Bewegung stoppt. Die Eliteeinheit Front 34 der Farc ist auch während der vorläufigen Waffenruhe stets einsatzbereit. Zu viele Kämpfer haben sie bei Luftangriffen verloren.

Die Nachricht kam per Whatsapp um vier Uhr früh. Sie erreichte das stern-Team, Fotograf Federico Rios und Südamerika-Korrespondent Jan Christoph Wiechmann, in Medellín, der einstigen Drogenhauptstadt. Die berüchtigte 34. Front der kolumbianischen Guerilla würde die Reporter in ihrem Versteck im Dschungel empfangen, als erste Journalisten überhaupt. Die Anreise erfolgte per Propellerflugzeug, zu Fuß und zuletzt in einem kleinen Holzboot. Dann standen ihnen 200 schwer bewaffnete Kämpfer und Kämpferinnen der größten Guerilla Lateinamerikas gegenüber.

Es sind historische Tage für Kolumbien. Nach 52 Jahren Krieg und mehr als 250.000 Toten soll endlich Frieden einkehren. Regierung und Rebellen unterzeichneten nach vierjährigen Verhandlungen einen Friedensvertrag, doch das Volk stimmte dagegen – mit 50,2 Prozent denkbar knapp. Für seinen Einsatz erhielt Präsident Santos gerade den Friedensnobelpreis.

Die -Reporter verbrachten sechs Tage mit den Guerilleros und hörten ihre Geschichten aus dem Krieg. Sie wollten wissen: Warum kämpfen sie noch immer für den Marxismus-Leninismus, Jahrzehnte nach dem Untergang der Sowjetunion? Sie trafen auf Menschen wie jenen Alten aus der Gründergeneration, der mit Mitte 70 immer noch tagelang durch den Matsch marschiert, denn für Guerilleros gibt es keinen Ruhestand. Auf Scharfschützin Celeni, die hofft, im Frieden endlich ihre Töchter wiederzusehen, die sie nach der Geburt abgeben musste. Schließlich hörten sie Beunruhigendes: Sollte der Friedensprozess scheitern, will die Farc den Kampf wieder aufnehmen. Das bedeutet: noch mehr Tote. Möge der Frieden siegen.