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Fall Rahman: Demonstranten gegen Freilassung

Hunderte Afghanen haben dagegen protestiert, dass der Konvertit Rahman möglicherweise freigelassen wird. Sie skandierten anti-westliche Parolen und forderten "Gerechtigkeit".

Erstmals haben Muslime in Afghanistan am Montag offen gegen eine mögliche Freilassung des zum Christentum konvertierten Abdul Rahman protestiert. Wie die Polizei berichtete, riefen mehrere hundert aufgebrachte Demonstranten im nordafghanischen Masar-i-Scharif anti-westliche Parolen. An die Adresse von US- Präsident George W. Bush hieß es: "Bush, hör auf, Dich in unsere Religion einzumischen, für Deine Religion ist hier kein Platz." Die Demonstranten forderten außerdem "Gerechtigkeit" vom afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. In Masar-i-Sharif sind auch Soldaten der Bundeswehr stationiert.

Benedikt XVI. bittet um Gnade

Staatsanwalt Semarai Amiri sagte in Kabul, Rahman sei bis Mittwochmittag noch nicht von Ärzten darauf hin untersucht worden, ob er unzurechnungsfähig ist. Das Gericht hatte den Fall am Sonntag an die Staatsanwaltschaft zurückverwiesen und entsprechende Untersuchungen angeordnet. Würde Rahman für unzurechnungsfähig erklärt, müsste der Prozess eingestellt werden. Deutschland, die USA und die EU üben Druck auf die afghanische Regierung aus, für eine Rettung des 40-Jährigen zu sorgen. Auch Papst Benedikt XVI. hat um Gnade für den derzeit inhaftierten Konvertiten gebeten.

Rahman weigert sich, zum Islam zurückzukehren. Ihm droht bei einem Gerichtsverfahren in Afghanistan daher die Todesstrafe. Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass Rahman für unzurechnungsfähig erklärt wird. Nach der Scharia, der muslimischen Rechtsordnung, auf der das afghanische Rechtssystem basiert, steht auf den Abfall vom Islam die Todesstrafe. Das gilt aber nur, wenn der Konvertit im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist. Rahman war vor zehn Jahren vom Islam zum Christentum übergetreten. Nach Angaben des Gerichts hatte er vor seiner Rückkehr nach Afghanistan lange in Deutschland gelebt.

DPA / DPA