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FBI-Schlag gegen Mafia Die "Paten" von New York


Einsichten in das Treiben der New Yorker Mafia: Bei der Großrazzia von New York hat die Polizei nahezu 130 Mafiosis verhaftet. Sie stammen aus den fünf "Cosa Nostra"-Clans der Metropole. Ihre Geschichten geben Einblick in das wahre Leben der Gangster.

Hätte Joseph Watts italienische Wurzeln, hätte er es vielleicht bis ganz an die Spitze geschafft. So brachte er es nur zum Abteilungsleiter in einem New Yorker Familienunternehmen. Die kleine Firma, so ehrbar sie sich gibt, war allerdings die Mafia und Watts einer ihrer "Capos". Jahrzehntelang erledigte er schmutzige Aufträge, doch diese Woche war Schluss damit: Mit ihrem bisher größten Einzelschlag gegen die amerikanische Mafia haben FBI und Polizei fast 130 mutmaßliche Gangster festgenommen.

Im Kino und Fernsehen sieht man die eleganten Verbrecher der "Cosa Nostra" zwar ständig, aber es schien doch ein Phänomen aus vergangenen Zeiten von Alkoholverbot und gestreiften Anzügen mit Panamahut. Die Kult-Serie "Die Sopranos" über das Leben einer fiktiven italo-amerikanischen Mafiafamilie lief im amerikanischen wie deutschen Fernsehen, aber die echten "Familien" tauchten in den Schlagzeilen selten auf. Dabei gab es in New York, New Jersey und Rhode Island - genau da, wo "Die Sopranos" spielen - gleich fünf: Die Gambinos, Genoveses, Bonnanos, Luccheses und Colombos. Und auch die Spitznamen könnten von den "Sopranos" stammen: "Fleischklops", "Babyschenkel", "Vinnie Autowäsche" oder auch "Jack, der Prügel".

Die Gangster waren in ihren typischen Geschäftsfeldern unterwegs: Erpressung, Glücksspiel, Prostitution und Drogenhandel. Luigi "Louie" Manocchio, 83 Jahre alt, werfen die Ermittler vor, regelmäßig die Strip-Clubs im beschaulichen Rhode Island um Schutzgelder erpresst zu haben. Schwerer als die illegalen Geschäfte wiegen die Straftaten im Umfeld: Bestechung von Polizisten, Verprügeln von Zeugen und auch Mord, etwa um Konkurrenten aus dem Weg zu schaffen. Die Gründe sind zuweilen fast lächerlich harmlos: Die Ursache für eine blutige Schießerei in einer Bar war ein verschütteter Drink.

Frederick Weiss wurde 1989 zum Verhängnis, dass er verhaftet wurde und sein Boss fürchtete, er würde auspacken. Also beauftragte der damalige Chef der Gambino-Familie seinen Capo Watts, das Problem zu erledigen. Watts heuerte ein "Hit Team" an, das Weiss erschießen sollte, kümmerte sich um das Ausheben eines Grabes in einem dunklen Winkel und wartete sogar selbst mit einer Waffe in einer Garage auf den mutmaßlichen Zeugen. Vergebens. Weiss kam nicht.

Watts gehört zu den 127 Mafiosi, die von 800 FBI-Beamten und Polizisten am Donnerstag in aller Frühe gefasst wurden. Ein Ex- Polizist war dabei und selbst in Italien gab es einen Zugriff. Jahrelang hatten die Fahnder Beweise gesammelt, Informanten getroffen und versucht, die Struktur der "Familien" zu knacken. Justizminister Eric Holder sprach von der bislang größten Einzelaktion gegen die Mafia. So groß der Erfolg sein mag: Neben der Mafia sind die Banden aus Osteuropa oder Asien inzwischen viel stärker.

Watts bekannte sich noch am gleichen Tag der "Verschwörung zum Mord" schuldig. Dem 69-Jährigen drohen 13 Jahre Haft. Damit dürften viele der Festgenommenen nicht wegkommen, einige müssen mit Jahrzehnten hinter Gittern rechnen. Für Frederick Weiss ist es keine Genugtuung. Er war einen Tag nach dem gescheiterten Mordkomplott erschossen worden - von einem anderen "Hit Team".

Chris Melzer, DPA DPA

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